Analyse

Pharmaunternehmen: Korruptionsskandal in China weitet sich aus

Die Korruption im chinesischen Gesundheitssystem zieht immer weitere Kreise. Gegen mmer mehr Pharmaunternehmen werden Ermittlungen eingeleitet. Die Platzierung der eigenen Medikamente auf dem heiß umkämpften Wachstumsmarkt hat oberste Priorität.

Aus dem chinesischen Gesundheitswesen dringen neue Meldungen über Korruptionsvorwürfe gegenüber großen Pharmaunternehmen. Diesmal sind es die Schweizer Novartis AG und der amerikanische Anbieter Eli Lilly. Novartis soll Ärzte bestochen haben, damit sie firmeneigene Medikamente verschreiben, berichtet die FAZ und beruft sich dabei auf die kantonesische Wirtschaftszeitung 21 Shiji Jingji Baodao.

Novartis will nach dem Bekanntwerden dieser Anschuldigungen interne Ermittlungen einleiten. Ein ehemaliger Manager von Eli Lilly soll chinesischen Medienberichten zufolge gesagt haben, Korruptionszahlungen seien „extrem üblich“, um die eigenen Verkäufe in die Höhe zu treiben und Konkurrenten zu schaden. Zwischen 2011 und 2012 seien Gefälligkeitszahlungen im Wert von etwa 3,7 Millionen Euro geflossen. Der US-Konzern sei „tief besorgt“, man könne die Vorwürfe aber nicht verifizieren.

Auch der deutsche Pharmakonzern Bayer soll in die Korruptionsaffäre in China verwickelt sein. Wie die Wochenzeitung Die Zeit berichtet, seien gegen Bayer bereits Ermittlungen eingeleitet worden. Der Pharmariese wies den Bericht zurück. „Wir sind von den Aufsichtsbehörden nicht mit Fragen, Verdächtigungen oder Anschuldigungen konfrontiert worden, die mit denen der jüngst berichteten Korruptionsfälle in China vergleichbar sind“, teilte Bayer der Nachrichtenagentur AFP mit.

Der Bestechungsskandal in China drang in die Öffentlichkeit, nachdem bekannt wurde, dass der britische Pharmahersteller Glaxo Smith Kline (GSK) Schmiergelder über ein Reisebüro an Ärzte und andere Mitarbeiter im Gesundheitswesen und in den Behörden weitergeleitet haben soll. Vier Mitarbeiter sitzen derzeit in Haft (mehr hier). Das Ausmaß der Korruption umfasst hunderte Millionen Euro.

Der französische Pharmahersteller Sanofi muss sich mit Anschuldigungen auseinandersetzen, nach denen 500 Mediziner in China mit 1,7 Millionen Yuan (etwa 200.000 Euro) bestochen worden sein sollen.

Alle Pharmaunternehmen ließen verlauten, sie nähmen die Vorwürfe sehr ernst und würden ihnen nachgehen.

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