Analyse

Deutschland kann von britischer Ärzte-Vergütung lernen

Eine deutsch-britische Studie legt nahe, dass das britische Vergütungssystem eher zum Therapieerfolg führt als das deutsche. In Großbritannien wird die Vergütung des behandelnden Arztes mit der Erreichung von Zielwerten verknüpft. In Deutschland hingegen werden den Ärzten feste Budgets für die Medikamentenverschreibung vorgegeben.

Eine deutsch-britische Studie legt nahe, dass das britische Vergütungssystem eher zum Therapieerfolg führt als das deutsche. In Großbritannien wird die Vergütung des behandelnden Arztes mit der Erreichung von Zielwerten verknüpft. In Deutschland hingegen werden den Ärzten feste Budgets für die Medikamentenverschreibung vorgegeben.

„Im Grunde geht es darum, dass deutsche Ärzte mit finanziellen Einbußen rechnen müssen, wenn sie ihre Arzneimittelbudgets nicht einhalten, während britische Ärzte dafür belohnt werden, wenn sie Behandlungsziele erreichen”, zitiert DocCheck News Studien-Koautor Anselm Kai Gitt vom Herzzentrum Ludwigshafen.

Zwischen Juni 2008 und Februar 2009 wurden die Therapiefortschritte von Patienten in elf Ländern erhoben, die mit Statin-Blutfettsenkern behandelt wurden. In Deutschland erreichten nur 42 Prozent der Patienten den Zielwert von weniger als 100 Milligramm pro Deziliter LDL-Cholesterin, in Großbritannien waren es mit 79,8 Prozent fast doppelt so viele.

Das hochwirksame Statin Atorvastatin wurde bei 3,9 Prozent der deutschen Patienten in einer durchschnittlichen Dosis von 24 mg eingesetzt. In Großbritannien waren es dagegen 24,8 Prozent der Patienten mit einer Durchschnittsdosis von 34,2 mg. Das schwächere Simvastatin kam bei 83,9 Prozent der deutschen Patienten zum Einsatz, in Großbritannien nur bei 67,6 Prozent.

Gitt erklärt diesen deutlichen Unterschied bei der Wahl des Medikaments mit der Vergütung: „Britische Ärzte setzen eine aggressivere Behandlungsstrategie mit Statinen ein, weil sie einen Anreiz haben, die Zielwerte zu erreichen. Dazu kommt ein System der Qualitätskontrolle, in dem Ärzte regelmäßig die Cholesterinwerte ihrer Patienten überprüfen müssen. Deutsche Ärzte behandeln konservativer und setzen die teureren Therapien zurückhaltender ein.”

Es bleibe abzuwarten, ob das deutsche System, das auf eine Kontrolle der Arzneimittelkosten abziele, langfristig tatsächlich ökonomischer ist, so Gitt. „Das britische System ist kurzfristig teurer, weil mehr Arztbesuche anfallen und die Medikamentenkosten höher sind. Aber es könnte sich letztlich als kosteneffektiv erweisen, wenn bei den Patienten weniger Komplikationen auftreten.“

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