Forschung

Hoffnung für Vielflieger: Jetlag bald Geschichte

Experimente machen Hoffnung auf ein Medikament, das die Anpassung an einen Zeitzonenwechsel erleichtert. Schlafstörungen nach weiten Reisen könnten bals der Vergangenheit angehören.

Die Anpassung der inneren Uhr an eine neue Zeitzone kann bis zu einem Tag pro Stunde Zeitunterschied dauern. (Flickr/madmack66)

Die Anpassung der inneren Uhr an eine neue Zeitzone kann bis zu einem Tag pro Stunde Zeitunterschied dauern. (Flickr/madmack66)

Forscher der britischen University of Oxford haben entdeckt, warum es so lange dauern kann, bis sich der Körper von einem Jetlag erholt hat. Durch Experimente an Mäusen konnten sie einen Vorgang identifizieren, der die Anpassung an den veränderten Hell-Dunkel-Wechsel behindert.

Wurde die Aktivität eines bestimmten Gens der Mäuse blockiert, dann erholten sich die Tiere schneller von Irritierungen ihres Hell-Dunkel-Kreislaufs, der einen Wechsel der Zeitzone simulierte. Damit sei ein konkretes Ziel für eine mögliche medikamentöse Behandlung von Schlafstörungen wegen eines Zeitzonenwechsels gegeben, berichtet die University of Oxford.

Fast alles Leben auf der Erde verfügt über eine innere Uhr. Diese hält die Lebewesen in einem 24-Stunden-Kreislauf und synchronisiert eine Vielzahl von Körperfunktionen wie Schlafen und Essen mit dem Zyklus von hell und dunkel.

Wenn ein Mensch in andere Zeitzone reist, passt sich seine innere Uhr irgendwann an die neue lokale Zeit an. Dies kann jedoch bis zu einem Tag pro Stunde Zeitunterschied dauern. Wer also von Amerika nach Europa reist, muss mitunter eine ganze Woche mit einem Jetlag zurechtkommen.

Bei Säugetieren wird die innere Uhr von einem Teil des Gehirns kontrolliert, der Nucleus suprachiasmaticus (SCN) genannt wird. Dieser versetzt alle Körperteile in denselben biologischen Rhythmus. Er empfängt dabei Informationen von einem speziellen System im Auge, das die Tageszeit wahrnimmt und somit die lokale Zeit ermittelt.

Bis jetzt wusste man nur sehr wenig darüber, wie Licht die Aktivität im SCN beeinflusst und die innere Uhr justiert. Daher war unklar, warum die Anpassung an die lokale Zeit so lange dauert. Um dies herauszufinden, untersuchten die Forscher die Genstruktur des SCN von Mäusen. Sie fanden circa 100 Gene, die als Reaktion auf Licht angeschaltet wurden. Dies gab ihnen Hinweise darauf, wie die innere Uhr gestellt wird.

Unter den Genen fanden sie das SIK1-Molekül, das sich wie eine Bremse verhält. Es schränkt die Wirkung des Lichts auf die innere Uhr ein. Wenn die Forscher die Aktivität des SIK1 blockierten, passten sich die Mäuse schneller an den neuen Wechsel von hell und dunkel an.

„Wir habe ein System identifiziert, dass die innere Uhr aktiv an einer Neuorientierung hindert“, sagte der beteiligte Forscher Stuart Peirson. Ein solcher Bremsmechanismus sei auch sinnvoll, um der inneren Uhr eine gewisse Stabilität zu geben.

„Die Uhr muss sicher sein, dass sie ein verlässliches Signal erhält. Und wenn das Signal über mehrere Tage zur selben Zeit auftritt, dann ist es wahrscheinlich biologisch relevant.“ Doch derselbe Mechanismus verhindere die schnelle Anpassung nach einem Wechsel der Zeitzone, was zu einem Jetlag führe, so Peirson.

Störungen der inneren Uhr werden mit chronischen Krankheiten in Verbindungen gebracht, darunter Krebs, Diabetes und Herzkrankheiten sowie ein geschwächtes Immunsystem und eine gestörte Wahrnehmung. Kürzlich haben Wissenschaftler auch erkannt, dass Störungen der inneren Uhr ein Merkmal verschiedener psychischer Krankheiten sind, darunter die Schizophrenie und die manisch-depressive Erkrankung.

„Wir sind noch einige Jahre entfernt von einem Arzneimittel gegen den Jetlag“, sagte der beteiligte Forscher Russell Foster. Doch dass man den Mechanismus verstanden habe, der die innere Uhr kontrolliert, gebe einen Ansatzpunkt für die weitere Forschung.

Es könnten nun Medikamente entwickelt werden, die dem Körper dabei helfen, sich schneller an eine Zeitumstellung anzupassen. „Solche Medikamente könnten möglicherweise einen weiterreichenden therapeutischen Wert bei Patienten mit psychischen Störungen finden“, so Foster.

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  1. Hoffnung würde bedeuten, VielfliegerInnen (gern x-mal im Jahr übers Wochenende in den Süden, um dann miesgelaunt in die „zu kalte Heimatstadt“ zu kommen), wären bald Geschichte.