Dienstleistung

Beratung: UPD informiert Patienten mehrsprachig und kostenlos

Ob der Arzt zu Recht ein billigeres Medikament verschreibt, kann der Patient nicht wissen. Die Unabhängige Patientenberatung informiert verunsicherte Patienten kostenfrei in allen Fragen, die ihre Krankengeschichte betreffen. Meist werden rechtliche Fragen beantwortet.

Häufig dokumentierte Beratungsthemen: Anteil der Kontakte mit dokumentierter Problemlage an allen Kontakten / Anteil des Beratungsthemas an allen Kontakten. (Grafik: UPD)

Häufig dokumentierte Beratungsthemen: Anteil der Kontakte mit dokumentierter Problemlage an allen Kontakten / Anteil des Beratungsthemas an allen Kontakten. (Grafik: UPD)

Was zahlt die Krankenkasse? Welche Rechte habe ich, wenn mein Arzt mich falsch behandelt? Und wann darf mein Arbeitgeber Einsicht in meine Krankenakte verlangen? Solche und andere Fragen versuchen die Berater der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) zu beantworten. Juristen, Mediziner, Sozialpädagogen und Gesundheitswissenschaftler stehen in 21 Beratungsstellen vor Ort zur Verfügung. Über eine Telefonhotline sind deutsch, türkisch und russisch sprechende Berater zu erreichen.

„Die Nachfrage nach Beratung erhöht sich zusehends, auch durch unsere steigende Medienpräsenz. Das entscheidende ist, dass wir kostenfrei beraten. Die Verbraucherzentralen verlangen dafür eine Gebühr. Und da wir alle Beratungsgespräche dokumentieren, sind unsere Erfahrungen wichtig für die Politik”, so der Pressesprecher Jan Bruns auf Nachfrage der Deutschen Gesundheits Nachrichten.

Die Unabhängigkeit des Beratungsinstituts ist gesetzlich vorgeschrieben. Denn ohne eine neutrale Beratung könnten Patienten nicht sicher sein, ob Empfehlungen der Experten nicht die Krankenkassen vor weiteren Kosten bewahren sollen, so Bruhns.

Die Beziehung zwischen Arzt und Patient ist grundsätzlich asymmetrisch. Der Arzt hat medizinisches Know-How. Er weiß, was er rechtlich darf und was nicht. Seine Autorität wird vom Patienten stillschweigend anerkannt. Schließlich vertraut der Patient dem Arzt seinen Körper und seine psychische Befindlichkeit an. Unter solchen Bedingungen ist es für Patienten schwer, Kritik an der Behandlung zu üben. Viele wissen nicht um ihre Rechte. Behandlungsfehler können Laien nur schwer erkennen. Krankenkassen nutzen teilweise diese Unwissenheit aus, um Leistungen unbegründet zu verweigern.

Die zunehmende Privatisierung zahlreicher Gesundheitsleistungen stellt Patienten vor folgenreiche Investitionsentscheidungen: „Brauche ich die teure Krebsvorsorge wirklich?” Dass viele Ärzte mit privat finanzierten Zusatzleistungen ihr Einkommen aufbessern, macht das Angebot nicht vertrauenswürdiger. Inzwischen wird mit solchen Zusatzleistungen eine Milliarde Euro im Jahr umgesetzt.

Genau diese Informations- und Beratungslücke will die UPD schließen. Dem Monitor Patientenberatung 2013 zufolge sind die häufigsten Fragen nicht etwa medizinischer, sondern rechtlicher Natur. Jedes siebte Beratungsgespräch dreht sich um Patientenrechte, Berufspflichten und Verhaltensnormen. Darauf folgen Beratungsgespräche über Behandlungsfehler.

Nachfragen hilft: Darstellung der Herleitung von Hinweisen auf Problemlagen auf Basis der UPD-Kontaktdokumentation. (Grafik: UPD)

Nachfragen hilft: Darstellung der Herleitung von Hinweisen auf Problemlagen auf Basis der UPD-Kontaktdokumentation. (Grafik: UPD)

Beratungsgespräche offenbaren Mängel im Gesundheitssystem. Ein Fallbeispiel aus dem Bericht der UPD:

„Maria K. (56) leidet unter Diabetes, starkem Übergewicht und Bluthochdruck. Nun hat ihr der Hausarzt ein neues Medikament verschrieben. Das versteht sie nicht, aber ihr Arzt weist nur auf sein begrenztes Budget hin und reagiert auf die Nachfrage nach medizinischen Gründen nicht weiter. Dann entlässt er sie aus dem Behandlungszimmer mit dem Hinweis, dass sie einfach mal ihre Kekse weglassen und abnehmen solle. Dann brauche sie auch keine teuren Medikamente mehr. Ihre Krankenkasse erklärt Frau K. zudem auf Nachfrage, dass der Arzt ihr das Medikament eigentlich weiterhin verordnen müsse.”

Nicht jedem Gespräch liegt eine tatsächliche Problemlage zu Grunde. Viele Anrufer brauchen einfach einen kompetente Zuhörer, um Situationen zu schildern, die sie belasten und ihnen Angst machen. Doch ein gutes Fünftel aller Gespräche weist auf eklatante Probleme im Gesundheitssystem hin. Meistens werden Patienten widersprüchlich oder unzureichende informiert. Manchmal wird ihnen vorenthalten, dass sie eigentlich einen Anspruch auf eine bestimmte Leistung haben.

Seit 2006 gibt es die UPD, die als Dachorganisation die Beratungsstellen des Sozialverbandes VDK, der Verbraucherzentrale Bundesverband und des Verbunds unabhängiger Patientenberatung koordiniert. Sie erfüllt mit 75.000 Beratungsgesprächen im Jahr einen gesetzlichen Auftrag, Versicherte kostenfrei und qualitätsgesichert über Fragen der Gesundheit zu informieren. Finanziert wird die Organisation von den Beiträgen der gesetzlich Krankenversicherten. Seit 2011 sieht Artikel 65 des fünften Sozialgesetzbuchs zusätzlich vor, dass Problemlagen im Gesundheitssystem aufgezeigt werden. Diesem Auftrag dient der jährlich erscheinende Monitor Patientenberatung.

Die Beratung wird auch auf türkisch und russisch angeboten. Denn gerade ältere Menschen mit Migrationshintergrund haben zusätzlich zum fehlenden medizinischen Wissen mit der Sprachbarriere zu kämpfen. In Ludwigshafen, Berlin und Stuttgart stehen Vor-Ort-Beratungscenter mit türkischsprachigen Experten zu Verfügung. Die kostenlosen Hotlines mit den russisch und türkisch sprechenden Beratern sind von 10 bis 12 sowie von 15 bis 18 Uhr erreichbar.

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