Übernahme

Konkurrenten halten still: Fresenius kauft Großteil der Rhön-Klinikum AG

Alle Seiten sind sich einig. Der Fresenius-Konzern übernimmt 43 Kliniken und 15 medizinische Versorgungszentren der Rhön-Klinikum AG. Damit entsteht die größte Kliniklandschaft Deutschlands. Die Konkurrenten Aklepios und B. Braun halten sich aus dem Deal raus. Erstmals kann ein Klinik-Konzern damit eine flächendeckende Versorgung anbieten.

Die Rhön-Kliniken werden Fresenius übernommen. Dadurch wird die Fresenius-Tochter Helios zur größten Klinik-Kette in Deutschland. (Foto: RHÖN-KLINIKUM AG)

Die Rhön-Kliniken werden Fresenius übernommen. Dadurch wird die Fresenius-Tochter Helios zur größten Klinik-Kette in Deutschland. (Foto: RHÖN-KLINIKUM AG)

Dass der Hamburger Klinik-Rivale Asklepios und der Pharma- und Medizinkonzern B. Braun den Deal ohne Weiteres zulassen, gilt als Überraschung.  Wie das Handelsblatt berichtet, hat Rhön-Manager Eugen Münch gegen den Gründer von Asklepios wegen des Verdachts auf Marktmanipulation und Nötigung Strafanzeige erstattet.

Fresenius war 2012 mit der Übernahme von Rhön-Klinikum gescheitert. Der Konkurrent Asklepios hatte sich bei der fränkischen Klinikkette eingekauft. Mit dem Erwerb von fünf Prozent der Rhön-Aktien hatte Aklepios dem Fresenius-Konzern wichtige Übernahme-Anteile weggeschnappt (mehr hier). Auch B. Braun hält fünf Prozent von Rhön (hier).

Weil die Rhön-Satzung vorsieht, dass für satzungsändernde Beschlüsse und Kapitalmaßnahmen mehr als 90 Prozent benötigt werden, war der Erfolg der Übernahme lange Zeit nicht sicher. Der Einkauf von Asklepios habe nach Angaben beteiligter Mitglieder, zu Unstimmigkeiten zwischen Mitgliedern, Vorstand und Aufsichtsrat geführt (hier).

Der Medizintechnikkonzern B. Braun wollte seinen Anteil an Rhön auf über 25 Prozent aufstocken, womit er einen Rhön-Verkauf de facto hätte verhindern können. Diese Blockade ist nun aufgehoben, berichtet Reuters. Warum die beiden Konkurrenten den Deal nicht verhindert haben, ist unklar. Beide Seiten wollten sich nicht äußern.

Die Fresenius-Tochter Helios wird nach der Übernahme von Rhön mit insgesamt 117 Kliniken und einem Umsatz von rund 5,5 Milliarden Euro der größte private Klinikbetreiber in Europa sein.  Der Konzern verspricht sich von der Übernahme Kosteneinsparungen.

Aufsichtsräte und Vorstände stimmten dem Deal zu, sagte ein Sprecher. Jetzt muss nur noch die Kartellbehörde zustimmen. Die Aktionäre werden nicht mehr befragt, sie erhalten eine Sonderdividende von bis zu 13,80 Euro pro Aktie.

Rhön-Gründer Münch kommt mit der Zerschlagung seines Unternehmens und dem Verkauf der meisten Kliniken seiner Idee von einer flächendeckenden Klinikversorgung mit angeschlossener Zusatzversicherung ein Stück näher, auch wenn der Konzern in den Händen von Fresenius liegt. „In Zukunft wird die Mehrheit der Menschen in Deutschland binnen einer Stunde eine Helios-Klinik erreichen können“, heißt es in einer Stellungnahme von Fresenius.

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