Tabakindustrie

Tabaklobby verhindert Abstimmung im EU-Parlament

Philipp Morris hat 161 Lobbyisten beschäftigt, die gegen eine neue EU-Direktive Stimmung machen sollen. Diese Direktive sieht vor, die Zahl der Todesfälle zu beschränken, die durch Tabakkonsum verursacht werden. Eine Abstimmung im EU-Parlament wurde bereits verschoben. Ein Verbot von bestimmten Geschmacksrichtungen und mehr Warnhinweise soll verhindert werden.

Neue Produkte der Tabakindustrie sind für eine junge Zielgruppe konzipiert. Die EU will Geschmacksrichtungen wie Vanille, Menthol und Erdbeere aus Tabakprodukten verbannen. (Foto: Flickr/KylaBorg/ Attribution 2.0)

Neue Produkte der Tabakindustrie sind für eine junge Zielgruppe konzipiert. Die EU will Geschmacksrichtungen wie Vanille, Menthol und Erdbeere aus Tabakprodukten verbannen. (Foto: Flickr/KylaBorg/ Attribution 2.0)

Intensive Lobbyarbeit der Tabakindustrie hat eine Abstimmung im EU-Parlament verhindert. Die Abgeordneten sollten über eine neue Direktive entscheiden, die dazu beitragen sollte, Todesfälle durch Tabakkonsum einzuschränken. Jährlich sterben etwa 700.000 Menschen an den Folgen des Rauchens.

Das britische Nachrichtenmagazin Observer berichtete am Sonntag darüber, dass der Tabakhersteller Philip Morris 161 Lobbyisten eingestellt habe, um die EU-Gesetzgebung zu bekämpfen. Andere Tabakhersteller schlossen sich dem Vorhaben an und verhinderten damit eine Abstimmung im EU-Parlament, die nun erst am 8. Oktober abgehalten werden soll.

Die EU will größere Warnhinweise auf Zigarettenpackungen vorschreiben. Die Geschmacksrichtungen Menthol, Vanille und Erdbeere sollen verboten werden, da die Vermarktung dieser Produkte auf junge Menschen abzielt. Die dünnen Slim-Zigaretten und Slim-Packungen sollen ebenfalls aus den Läden verbannt werden.

Eine Kampagne gegen die Verbreitung von E-Zigaretten sammelte zudem in einer Online-Petition Unterschriften für die Einstufung elektrischer Zigaretten als medizinische Produkte. Das Ziel dieser Petition ist eine Einschränkung der Verbreitung und des Verkaufs. Auch damit muss sich das EU-Parlament auseinandersetzen. Die EU will verhindern, dass E-Zigaretten, die nicht als medizinisches Produkt gekennzeichnet sind, als Hilfsmittel gegen das Rauchen vermarktet werden.

Etwa die Hälfte der Mitgliedstaaten hat Gesetze verabschiedet, die Nikotin als Medikament einstufen und als solches verkaufen.

Die Tabaklobby setzt darauf, dass die Abstimmung über diese Initiative ins nächste Jahr verschoben wird. Dann hat nämlich Griechenland den Vorsitz der EU-Präsidentschaft. Die Griechen gelten der Tabakindustrie gegenüber als wohlgesonnen, berichtet der EU Observer.

Der Gesetzentwurf der EU-Kommission zur Einschränkung von E-Zigaretten und für eine Verschärfung der Warnhinweise will vor allem junge Leute davor schützen, mit dem Rauchen zu beginnen. „Wir wissen alle, dass Kinder und nicht Erwachsene mit dem Rauchen anfangen. 70 Prozent aller Raucher haben vor ihrem 18. Geburtstag angefangen, viele von ihren waren noch jünger“, heißt es in einem Bericht des britischen Parlamentsmitglieds Linda McAvan, die die Verhandlungen zu dem Thema im Parlament führt.

Einige Erfolge kann die Tabakindustrie trotz der eifrigen Bemühungen der EU verzeichnen. Gegen Zigarren, Zigarillos, Pfeifentabak und Wasserpfeifen gibt es keine Einwände der EU-Kommission, da diese Produkte immer noch den für Tabakgenuss charakteristischen Geschmack enthielten.

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *