Therapie

E-Mails erhöhen den Erfolg einer Psychotherapie

Mithilfe des Internets hält ein Kölner Arzt den Kontakt zu seinen Patienten und kontrolliert den Therapieerfolg. Die schriftliche Kommunikation unterstützt den Therapieerfolg.

Die schriftliche Kommunikation zwischen Therapeut und Patient kann den Erfolg einer Behandlung erhöhen. (Foto: Flickr/gagilas)

Die schriftliche Kommunikation zwischen Therapeut und Patient kann den Erfolg einer Behandlung erhöhen. (Foto: Flickr/gagilas)

Der Kölner Arzt und Psychotherapeut Herbert Mück setzt das Internet sowohl für die Information von Neupatienten als auch in der Behandlung ein. Mit den umfassenden Informationen auf seiner Webseite will er verhindern, dass Patienten mit falschen Erwartungen zu ihm kommen. Und während der Therapie sollen dann E-Mails die Kommunikation zwischen den Sitzungen aufrechterhalten.

Dieses Konzept ermögliche es ihm, besonders schnell eine vertrauensvolle Beziehung zu seinen Patienten aufzubauen, sagte Mück der ÄrzteZeitung. Denn ein gutes Verhältnis sei entscheidend für den Therapieerfolg. „Ich glaube, dass eine gute Beziehung mehr als 50 Prozent des Erfolgs ausmacht.“

Auf seiner Website informiert Mück über seine beiden bevorzugten Methoden, die Tiefenpsychologie und die Verhaltenstherapie. Zudem liefert er Informationen über bestimmte Krankheitsbilder oder veröffentlicht anonymisiertes Anschauungsmaterial von Therapieverläufen. Die Informationen sollen dafür sorgen, dass Therapeut und Patient zusammenpassen.

Wer sich über Mücks Methoden informiert hat und an einer Behandlung interessiert ist, kann ihm eine E-Mail schreiben. In der Antwort erhält er dann einen Fragebogen zur Lebensgeschichte, anhand dessen sich der Psychotherapeut eine erste Vorstellung über den Patienten machen kann. Bei Bedarf stellt er noch vor dem Erstgespräch weitere Nachfragen per E-Mail.

Während einer Therapie soll die Kommunikation per E-Mail zwischen den Therapiesitzungen die Behandlung unterstützen. So fordert Mück seine Patienten dazu auf, ihm 24 bis 48 Stunden nach einer Sitzung ihre Eindrücke in einer E-Mail zu beschreiben. „Das ist ein hervorragendes Instrument zur Qualitätskontrolle.“

Zudem berichten die Patienten per E-Mail über ihre Fortschritte mit den verhaltenstherapeutischen Hausaufgaben und erhalten dazu dann von Mück eine einschätzende Antwort. Patient und Therapeut beschränken sich auf je zwei E-Mails pro Therapiesitzung. Beide Seiten können sich mit der Antwort Zeit lassen. Für die internetgestützte Therapie berechnet Mück einen Aufschlag von 25 Euro pro Einzelsitzung.

Im Jahr 2001 probierte Herbert Mück das Konzept erstmals aus. Eine Patientin wollte damals endlich ihr Studium abschließen, kam aber mit der Abschlussarbeit nicht voran. Mück bat sie, den Stand der Dinge in regelmäßigen Abständen zu protokollieren und ihm per E-Mail zukommen zu lassen. Nach relativ kurzer Zeit habe die Patientin ihre Arbeit dann erfolgreich abgeschlossen, so Mück.

Mück ist überzeugt, dass die schriftliche Kommunikation zum Therapieerfolg beitragen kann. „Was niedergeschrieben ist, kann immer wieder zu Rate gezogen werden.“ Deshalb erhalten seine Patienten auch nach jeder Therapiestunde ein Sitzungsprotokoll mit nach Hause. So können sie ihre Fortschritte überprüfen.

Schließlich bittet Mück ehemalige Patienten ein Jahr nach Therapieende, die Wirkung ihrer Behandlung schriftlich einzuschätzen. Im Lauf einer Therapie entstehen auf diese Weise sehr viele Texte, die sich später als nützlich erweisen können. „Klagt ein Patient nach Jahren über einen Rückfall, hilft ihm unter Umständen ein Blick in die Dokumente.“

Doch die internetgestützte Therapie bringt auch Probleme mit sich. Denn wer ständig erreichbar sei, der müsse der Versuchung widerstehen, immer online zu sein, sagt Mück. Aus diesem Grund hat er sich verschiedene Regeln auferlegt, wie etwa eine Internet-Abstinenz während des Urlaubs. „Die Gefahr, sich zu verausgaben, ist wirklich groß. Deshalb ist der internetfreie Urlaub so wichtig.“

In den vergangenen Wochen musste Mück angesichts der Enthüllungen über die E-Mail-Überwachung durch die Geheimdienste oft über die Sicherheit der eigentlich vertraulichen Patientenkommunikation nachdenken. Dabei hat er seine Patienten in der ersten E-Mail zu Behandlungsbeginn immer darauf hingewiesen, dass die Datensicherheit während des Sendevorgangs leider nicht zu gewährleisten ist.

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