Migration

Afrikanische Ärzte verlassen ihren Kontinent

Die Zahl der afrikanischen Ärzte, die in den USA arbeiten, ist innerhalb der letzten zehn Jahre um 38 Prozent gestiegen. In Afrika gibt es heute weniger Ärzte pro Einwohner als noch in den 70er Jahren.

Immer mehr Ärzte aus der Subsahara suchen ein besseres Leben in den westlichen Ländern. Dort verdienen sie deutlich besser. Die Entwicklungsländer subventionieren auf diese Weise den Ärztenachwuchs für den Westen.

In Afrika fehlen die Ärzte, denn sie wandern massenhaft in den Westen aus. (Foto: Flickr/Ben Sutherland)

In Afrika fehlen die Ärzte, denn sie wandern massenhaft in den Westen aus. (Foto: Flickr/Ben Sutherland)

Fast 11.000 Mediziner aus der Sub-Sahara waren im Jahr 2011 in den USA zugelassen – 38 Prozent mehr als ein Jahrzehnt zuvor, so eine im Fachmagazin PLOS veröffentlichte Studie der Vanderbilt University in Nashville. Das sind mehr Ärzte, als es derzeit in den Ländern Äthiopien, Ghana, Liberia, Tansania, Uganda, Sambia und Simbabwe zusammen gibt.

Mehr als die Hälfte des Anstiegs der Emigration geht auf Nigeria zurück. Derzeit arbeiten 3.817 Ärzte mit nigerianischen Wurzeln in den USA. Dem gegenüber gibt es in Nigeria selbst 55.376 Ärzte. Besonders dramatisch ist die Situation für Liberia. Während es im Land selbst 51 Ärzte gibt, sind 175 aus Liberia emigrierte Mediziner nun in den USA tätig.

Der durchschnittliche afrikanische Arzt sammelt 6,5 Jahre Berufserfahrung, bevor er in die USA emigriert. Dies ist ein großer Verlust für Afrika. Aufgrund der massenhaften Emigration liegt die Ärztedichte in vielen Ländern des Kontinents heute niedriger als 1970.

So wird die Gesundheitsversorgung Afrikas weiter geschwächt. In der Subsahara arbeiten 2 Prozent der weltweiten Ärzte. Die müssen jedoch circa ein Viertel der globalen Erkrankungen bekämpfen.

Der wirkliche Abfluss an Ärzten aus Afrika könnte sogar noch höher liegen. Denn die Studie zählte nur solche Ärzte, die in den USA tatsächlich in ihrem Beruf tätig sind. Es ist zu erwarten, dass ein Teil der in die USA emigrierten Ärzte auch in anderen Berufen arbeitet.

Die Auswanderung afrikanischer Ärzte begann Mitte der 80-er Jahre. Damals begannen die Staaten Afrikas, ihre Gesundheitsausgaben zu verringern, und die USA erleichterten die Einwanderungsregeln für ausgebildete Mediziner.

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  1. Afrika hat sich längst an die Emigration seiner Besten gewöhnt.Mit diesem sogenannten „Brain Drain“ gehen dem Land wertvolle Impulse zum Aufbau verloren. Wer in Afrika seine Heimat verlässt, um anderorts Geld zu verdienen, muss verzweifelt sein. Das bekannte Phänomen „brain drain“ betrifft die Abwanderung der besten Köpfe Afrikas. Gut ausgebildete junge Menschen, die sich ausgesperrt fühlen, wollen in EU-Länder oder die USA auswandern. In Afrika hat ein Brain drain eingesetzt, angetrieben von der Überzeugung, die besten Arbeitsplätze der Region seien jenen mit den besten Beziehungen vorbehalten. Der Staat ist nicht in der Lage, das Wirtschaftswachstum zu sichern, deshalb sind die einzig verfügbaren Stellen in der Verwaltung zu finden. Meist junge, gut ausgebildete Arbeitskräfte, Ärzte, Krankenpflegepersonal aber auch Ingenieure verlassen ihre Heimat, weil sie über die politischen Verhältnisse und Rechtsunsicherheit verzweifelt sind .
    Volker Seitz, Botschafter a.D. und Autor „Afrika wird armregiert“