Analyse

DKG kritisiert Kostenberechnung des Statistikamtes

Die Kosten in deutschen Kliniken steigen nur leicht, glaubt man dem Orientierungswert des Statistischen Bundesamtes. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft sieht das anders. Die Berechnung ginge an der Realität vorbei.

Die durchschnittlichen Kosten für die Krankenhäuser in Deutschland sind nur um 2,02 Prozent gestiegen. Das ist das Ergebnis einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes. Dabei gibt der aktuelle Orientierungswert nur die Kosten für die Krankenhäuser wider, die durch Preis- und Verdienständerungen entstanden sind.

In die Berechnungen des Bundesamtes fließen bereits vorhandene Statistiken wie die vierteljährliche Verdiensterhebung, Preisstatistiken und Kostennachweise für Krankenhäuser ein.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) kritisiert die Berechnungen des Statistischen Bundesamtes. Die tatsächliche Kostenentwicklung sei viel höher. „Der vom Statistischen Bundesamt ermittelte Wert misst die tatsächliche Kostenentwicklung in den Krankenhäusern nicht richtig. Diese ist deutlich höher als die 2,02 Prozent, die das Statistische Bundesamt ermittelt hat“, sagte Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der DKG.

Die Informationsquellen des Bundesamtes seien unzulänglich. So müssten die Zuwächse der krankenhausspezifischen Haftpflichtversicherungsprämien erfasst werden, nicht etwa die Prämienentwicklung in der privaten Haftpflichtversicherung der Krankenhäuser.

Die Kostensteigerung durch die Umlage aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sei auch falsch berechnet. Allein durch die EEG-Umlage werde die medizinische Versorgung um eine Viertelmilliarde Euro teurer, so Baum.

Der DKG-Chef kritisiert vor allem die Methodik des Statistischen Bundesamtes. Die Regierung müsse dafür sorgen, dass für eine adäquate Kostenberechnung „auch die entsprechenden personellen Ressourcen zur Verfügung“ gestellt werden müssten.

Bereits im August hat die DKG von der Politik mehr Geld für die Kliniken gefordert. Es fehlt vor allem an Pflegepersonal. Das Berufsfeld ist zu unattraktiv. Die Morbiditätsrate in den Kliniken steigt. Die Qualität der Versorgung sinkt. Die Krankenhäuser brauchen dem DKG zufolge mehr Investitionsmittel, um das Niveau ihrer Versorgung halten bzw. verbessern zu können.

Viele Kliniken in Deutschland sind massiv verschuldet. Allein die Berliner Uniklinik Charité benötigt 600 Millionen Euro, um sich zu sanieren (mehr hier). Durch die klammen Kassen bei den Kommunen können den Kliniken aber noch keine neuen Mittel zur Verfügung gestellt werden.

Die CDU diskutiert derzeit mögliche Steuererhöhungen, um die Finanzsituation der Kommunen zu stärken. Es besteht also noch die Möglichkeit, dass die Kliniken die geforderten Finanzmittel erhalten. Allerdings werden die Steuerzahler dafür zur Kasse gebeten. Die Wirtschaftlichkeit der Kliniken verbessert sich weder durch den Griff in die Tasche der Steuerzahler, noch durch die Finanzspritze an die Kommunen.

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