Kinderlähmung

Israel: Poliovirus mehrfach nachgewiesen

Die Krankheit gilt in Deutschland aufgrund der hohen Impfquote als ausgerottet. Nun tauchen vermehrt Erreger in Israel auf. Eine landesweite Impfaktion soll eine Ausbreitung verhindern.

Kinderlähmung greift das muskelsteuernde Nervensystem im Rückenmark an und sorgt für Lähmungserscheinungen bis hin zum Tod. Die Schluckimpfung kann eine Erkrankung verhindern. (Foto: Flickr/RIBI Image Library/CC BY 2.0)

Kinderlähmung greift das muskelsteuernde Nervensystem im Rückenmark an und sorgt für Lähmungserscheinungen bis hin zum Tod. Die Schluckimpfung kann eine Erkrankung verhindern. (Foto: Flickr/RIBI Image Library/CC BY 2.0)

Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) warnt: In israelischen Abwässern, zuletzt in Jerusalem, wurde das Poliovirus nachgewiesen. Dies ist vor allem deshalb alarmierend, da der Standard des israelischen Gesundheitssystems mit dem europäischen vergleichbar ist und somit eine Ausbreitung des Poliovirus nach Europa nicht ausgeschlossen werden kann.

Mindestens 28 Menschen haben sich in Israel mit dem Virus infiziert – allerdings ist bei keinem der Betroffenen die Krankheit ausgebrochen. Dennoch hat die israelische Regierung eine zuerst auf den Süden beschränkte Impfaktion nun auf das ganze Land ausgeweitet, berichtet das Ärzteblatt.

Polioviren können nur den Menschen infizieren. Deswegen ist auch das Auftauchen von Erregern ein sicheres Zeichen für Menschen, die mit dem Virus infiziert sind. Eine weiterführende Gen-Analyse ergab, dass die Viren eine Verwandtschaft mit in Pakistan verbreiteten Polioviren aufweisen. Das ECDC fordert deshalb alle nationalen Behörden auf, die Überwachung konsequent auszuweiten und Notfallpläne zur Verbreitung des Virus zu prüfen.

Weltweit ist die Zahl der Polioerkrankungen seit dem Beginn der „Global Polio Eradication“-Initiative in 1988 von damals 350.000 Erkrankungen auf weltweit nur noch wenige hundert zurückgegangen. Kinderlähmung tritt nur noch in drei Ländern regelmäßig auf: Pakistan, Afghanistan und Nigeria. Allerdings kann das Poliovirus auch in Nachbarländer überspringen, wie in diesem Jahr Beispiele in Somalia (100 Fälle) beziehungsweise Kenia (10 Fälle) zeigen.

Aufgrund der hohen Impfquote von 90 bis 95 Prozent ist die Gefahr einer Polio-Epidemie in Israel selber als nicht wahrscheinlich einzuschätzen. Die Gefahr sieht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) darin, dass das Virus von Israel in andere Länder verschleppt werden könnte.

Die europäische Bevölkerung gilt zwar durch eine hohe Impfquote um die 90 Prozent ebenfalls als gut geschützt. Dennoch sind in der Bevölkerungsschicht unter 30 Jahren mehr als 12 Millionen Europäer nicht mehr geimpft. Wie schnell sich das Virus ausbreiten kann, zeigte sich 2010, als es in Tadschikistan zu mehr als 450 bestätigten Erkrankungen kam und es auch in den Nachbarländern Russland, Turkmenistan und Kasachstan nachgewiesen werden konnte. Eine schnell durchgeführte Impfkampagne verhinderte damals eine Ausbreitung des Poliovirus nach Europa.

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *