Pharmaindustrie

Novartis soll in Japan Medikamenten-Studien manipuliert haben

Das japanische Gesundheitsministerium hat Ermittlungen gegen Novartis aufgenommen. Der Schweizer Pharmahersteller steht im Verdacht, Studien des eigenen Medikaments Diovan manipuliert zu haben. Novartis könnte sich dadurch eine bessere Position am Markt verschafft und Patienten getäuscht haben.

Neue Medikamente können sowNeue Medikamente können sowohl Fluch als auch Segen sein. Ihre Wirkung muss sich erst auf dem Markt herausstellen. (<a href="http://www.flickr.com/photos/carloscapote/2550167503/sizes/z/in/photostream/">Foto: Flickr/::carlos:capote::/ CC BY 2.0</a>)ohl Fluch als auch Segen sein. Ihre Wirkung muss sich erst auf dem Markt herausstellen. (Foto: Flickr/::carlos:capote::/ CC BY 2.0)

Neue Medikamente können sowohl Fluch als auch Segen sein. Ihre Wirkung muss sich erst auf dem Markt herausstellen. (Foto: Flickr/::carlos:capote::/ CC BY 2.0)

Wegen mutmaßlicher Manipulationen ist der Pharmahersteller Novartis in das Visier der japanischen Gesundheitsbehörden geraten. Wie verschiedene Nachrichtenagenturen meldeten, könnten in Japan vorgenommene Studien zu dem Medikament Diovan manipuliert worden sein.

Ein Expertenausschuss des japanischen Gesundheitsministeriums hat eine Klärung wegen möglicher Rechtsverstöße empfohlen, berichtet der Tagesanzeiger.

„Dies ist eine schwerwiegende Angelegenheit, die nationale Interessen verletzen könnte, indem das Vertrauen in klinische Studien aus Japan sowohl im Inland als auch im Ausland ernsthaft beschädigt wird“, heißt es in dem Entwurf zu einem Zwischenbericht des Gremiums.

Die japanische Behörde gab keine offizielle Stellungnahme ab. Novartis kündigte an, mit dem Gesundheitsministerium kooperieren zu wollen.

Ein Top-Manager von Novartis hatte sich zuvor für mutmaßliche Manipulationen an Studien zur Wirksamkeit von Diovan entschuldigt.

Mehrere Krankenhäuser haben sich dazu entschieden, das Medikament nicht weiter zu verschreiben, nachdem bekannt geworden war, dass große Zweifel an der Wirksamkeit von Diovan bestehen. Zwei Universitäten hatten wissenschaftliche Artikel über die Wirkung von Diovan gegen Schlaganfälle und Herzkrankheiten zurückgezogen. Die Ergebnisse bereits bestehender Studien werden nun überprüft.

Für Novartis bedeuten die Nachrichten aus Japan ein hohes wirtschaftliches Risiko. Etwa ein Viertel aller Erlöse mit Diovan kommen aus Japan. Zudem ist ein Imageverlust zu befürchten, der sich auch auf andere Märkte ausbreiten könnte. Ob Studien zu dem umstrittenen Medikament auch für den europäischen Markt manipuliert worden sein könnten, ist nicht bekannt.

In Europa strebt Novartis derzeit wieder verstärkt die Übernahme des Konkurrenten Roche an. Eine Fusion der beiden europäischen Pharmaunternehmen würde sie auf diesem Kontinent zum Pharmachampion machen, sagte Novartis-Verwaltungsratsmitglied Pierre Landolt der Basler Zeitung.

Auch Medikamente von Roche sind umstritten. So wurden Tests für ein neues Diabetes-Medikament im Juli eingestellt, nachdem Bedenken über das Ausmaß der Nebenwirkungen aufgetreten waren. Vor einem Jahr wurde die Entwicklung eines Cholesterin-Medikamentes beendet, da es keine ausreichend klinisch bedeutsame Wirkung entfalten konnte, berichtet die Financial Times.

Aus sachlichen Überlegungen würde ein Zusammenschluss von Novartis und Roche Sinn machen, sagte Landolt. „Bald werden wir in beiden Unternehmen einen neuen Präsidenten haben. Das dürfte den Dialog einfacher machen.“

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