Pharma-Unternehmen

Roche und Novartis bewegen den Schweizer Pharmamarkt

Acino, Novartis und Roche – der Schweizer Pharmamarkt ist in Bewegung. Während zwei Investoren Acino aufkaufen wollen, halten sich Gerüchte über eine Fusion von Novartis und Roche. Letzteres brächte allerdings nicht nur Vorteile mit sich.

Christoph Franz (2.v.l.), derzeit noch Chef bei der Lufthansa, soll neuer Verwaltungsratspräsident bei Roche werden. Für eine Fusion mit dem Konkurrenten Novartis muss er allerdings die Erben der Rochegründer überzeugen. (Foto: Flickr/Condor.com/ CC BY-SA 2.0)

Christoph Franz (2.v.l.), derzeit noch Chef bei der Lufthansa, soll neuer Verwaltungsratspräsident bei Roche werden. Für eine Fusion mit dem Konkurrenten Novartis muss er allerdings die Erben der Rochegründer überzeugen. (Foto: Flickr/Condor.com/ CC BY-SA 2.0)

Eine neue Fusion auf dem Schweizer Pharmamarkt ist denkbar. Severin Schwan, Chef des Pharmakonzerns Roche, hat der Financial Times gesagt, er sei „offen für Gespräche mit Novartis wie auch mit allen anderen Teilnehmern“, sollte die richtige Gelegenheit kommen. Auch aus dem Verwaltungsrat von Novartis kamen ähnliche Äußerungen: Eine Fusion von Roche und Novartis würde einen „europäischen Champion“ in der Branche erschaffen.

Dennoch brächte eine Fusion nicht nur Vorteile für beide Konzerne mit sich. Die Strategien der Unternehmen sind sehr unterschiedlich. „Novartis diversifiziert und hat neben Originalpräparaten auch Generika, rezeptfreie Medikamente und Augenheilmittel im Angebot. Roche dagegen setzt auf Konzentration und will dank der engen Verknüpfung mit der Diagnostiksparte zielgerichtete Medikamente entwickeln“, schreibt Andreas Möckli in seiner Analyse für die BAZ.

Außerdem könnten die Erben der Roche-Gründerfamilien die Fusion verhindern. Zusammen besitzen sie 50,1 Prozent der stimmberechtigen Inhaberaktien. Bislang hielten sie eine Fusion für undenkbar und beharrten auf der Eigenständigkeit von Roche.

Eine Fusion der beiden Unternehmen macht aber auch Sinn, da sich die Produktsparten und Schwerpunkte optimal ergänzen würden. Roche hat in der Krebssparte Erfolge verzeichnen können. Bei den Herz-Kreislaufkrankheiten und Stoffwechselkrankheiten musste der Konzern dagegen Rückschläge hinnehmen. Kleinere Sparten könnten verkauft werden. Die Fusion würde Kosten einsparen und die Erträge steigern.

Novartis hält bereits seit 2001 ein Aktienpaket von Roche. Seitdem sind Gerüchte über eine Fusion der beiden Konzerne im Umlauf, die aber aufgrund von Differenzen auf der Chefetage der beiden Firmen immer wieder verworfen wurden. Das könnte sich bald ändern. Nachdem Jörg Reinhardt bei Novartis das Amt von Daniel Vasella übernommen hat und sich auch bei Roche ein Wechsel an der Spitze abzeichnet, nähern sich die beiden Konzerne einander wieder an. Bei Roche wird der derzeitige Lufthansa-Chef Christoph Franz die Führung übernehmen.

Wesentlich fortgeschrittener sind die Übernahmepläne der Hauptinvestoren von Acino. Avista Capital Partners und Nordic Capital sind einem Bericht des Tagesanzeigers zufolge bereit, knapp 400 Millionen Franken für das Schweizer Börsenunternehmen zu zahlen. Der Preis liegt 50 Prozent über dem durchschnittlichen Wert der Aktie in den letzten 60 Tagen. Der Verwaltungsrat wird dem Kaufangebot daher einstimmig zustimmen.

Die Investoren könnten das Unternehmen schneller zum Wachstum führen. Acino könnte zwar auch ohne den Verkauf der Aktien weiter überleben, „doch wir wären sehr viel langsamer vorwärtsgekommen“, sagte Verwaltungsratspräsident Luzi A. von Bidder. Er selbst und alle anderen Mitglieder des Aufsichtsgremiums werden nach der Übernahme durch die neuen Eigentümer zurücktreten müssen.

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