Gesundheitsvorsorge

EU-weite Definition von Blindheit könnte Milliarden sparen

Sehbehinderten Menschen könnte besser geholfen werden, wenn die Maßstäbe EU-weit gleich festgelegt sind. Kosten ließen sich so auch sparen. In Deutschland werden Blinde und Sehbehinderte allerdings statistisch gar nicht erfasst.

Fokus auf die Augen: Eine einheitliche Definition von Blindheit und eine somit zielgerichtete Behandlung würde EU-weit Milliarden Euro einsparen. (Foto: Flickr/lenifuzhead)

Fokus auf die Augen: Eine einheitliche Definition von Blindheit und eine somit zielgerichtete Behandlung würde EU-weit Milliarden Euro einsparen. (Foto: Flickr/lenifuzhead)

In Europa gibt es keine einheitliche Definition von Blindheit. In Frankreich wird die Sehbehinderung von den Betroffenen selbst definiert, je nachdem als wie blind sie sich einordnen. Italien und Großbritannien orientieren sich an den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO), während Deutschland eine eigene wissenschaftliche Definition von Blindheit hat.

Wie viele Menschen in Deutschland visuell beeinträchtigt sind, lässt sich nicht genau sagen, da blinde und sehbehinderte Menschen hier nicht gezählt werden. Als sehbehindert gilt in Deutschland ein Mensch, der mit seinem besseren Auge selbst mit Brille oder Kontaktlinse nicht mehr als 30 Prozent von dem sieht, was ein Mensch mit normaler Sehkraft erkennt. Als hochgradig sehbehindert gilt, wer bei gleicher Ausgangslage bei unter fünf Prozent abschneidet. Blindheit beginnt bei unter zwei Prozent Sehkraft auf dem besseren Auge mit Sehhilfe im Vergleich zur normalen Sehkraft.

Eine jetzt veröffentlichte europaweite Studie des Europäischen Forums gegen Blindheit (EFAB) offenbart, welchen ökonomischen Aspekt Sehbehinderungen haben. Insgesamt gehen 123 Millionen Arbeitstage aufgrund von Augenkrankheiten jährlich verloren, berichtet Euractiv. Und zwar alleine in den sechs Ländern, in denen die Studie durchgeführt wurde (Frankreich, Deutschland, Italien, Slowakei, Spanien und Großbritannien). Umgerechnet belaufen sich in diesen Ländern die Kosten für die Gesundheitsvorsorge auf 15 Milliarden Euro für Augenkrankheiten und allein 1,4 Milliarden für Blindheit.

Die indirekten Kosten für den Produktivitätsverlust betitelt die Studie mit 20 Milliarden Euro für Augenkrankheiten und 7,1 Milliarden Euro für Blindheit. Interessanterweise ist die Verbreitung von Blindheit in den untersuchten Ländern ganz unterschiedlich. Mehr als doppelt so viele Menschen in Italien und der Slowakei haben im Vergleich zu Frankreich oder Großbritannien ihr Augenlicht endgültig verloren – was auch an der fehlenden Vergleichbarkeit liegen kann. Zwischen 26.480 und 218.513 Menschen sind in den sechs teilnehmenden Ländern als blind eingestuft worden, insgesamt 700.000 Personen. Doch Hunderttausende mehr leiden an einer Einschränkung der Sehfähigkeit.

Die Studie, durchgeführt von Deloitte Access Economics, kommt zu der Schlussfolgerung, dass ein Eingreifen, etwa durch frühe Untersuchung, Prävention und Behandlungsmöglichkeiten wie Screenings nach grauem beziehungsweise grünem Star, die Anzahl an Erkrankungen bis zur Blindheit um die Hälfte reduzieren würde. Umgerechnet auf die sechs Studienteilnehmer ergäbe das eine potenzielle Einsparsumme zwischen 1,6 Milliarden bis 3 Milliarden Euro pro Land. Für eine vollständige Vorsorge – und den Effekt der erhofften Einsparungen – müsse die Definition in Europa allerdings vereinheitlicht werden.

Dass der Umgang mit Augenerkrankungen in Zukunft eine noch größere Rolle spielen wird, liegt nicht zuletzt am steigenden Rentenalter und den mit dem Altern verbundenen Augenkrankheiten.

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