Globalisierung

Gebrauchte Herz-Schrittmacher gehen an Entwicklungsländer

Viel zu teuer für den Müll: Obwohl Schrittmacher als Einmalgeräte deklariert sind, arbeiten sie nach der Sterilisation genauso zuverlässig wie neue Modelle. Viele Herzschrittmacher werden nach erstmaligen Gebrauch Menschen in Entwicklungsländern eingesetzt.

Das erneute Einsetzen eines Herzschrittmachers ist noch nicht selbstverständlich. Mittlerweile gibt es Initiativen, die sich für eine Weiterverwendung in Entwicklungsländern starkmachen. (Foto: Flickr/Bhakua/CCBY2.)

Das erneute Einsetzen eines Herzschrittmachers ist noch nicht selbstverständlich. Mittlerweile gibt es Initiativen, die sich für eine Weiterverwendung in Entwicklungsländern starkmachen. (Foto: Flickr/Bhakua/CCBY2.)

Schrittmacher werden im Todesfall entweder entsorgt oder mitbeerdigt. Die Idee, sie an Menschen in Entwicklungsländern weiterzugeben, wurde in der Fachwelt sehr vorsichtig diskutiert. Dabei wollen 90 Prozent der Patienten nach ihrem Tod ihren Schrittmacher gern anderen überlassen. Allerdings war es vielen Ärzten zu heikel, ein gebrauchtes Medizinprodukt an ihre Patienten zu übergeben.

Dabei waren Secondhand-Geräte in Europa bis vor einigen Jahren üblich. Eine 1998 erschienene Studie vom Stockholmer Karolinska Hospital hat zweieinhalb Jahre Patienten mit gebrauchten und neuen Schrittmachern beobachtet. Bei den jeweils hundert Patienten kam es bei den Gebrauchtgeräten zu drei Infektionen, bei den neuen dagegen zu sieben, berichtet DocCheck.

Nun machen sich mehrere – meist amerikanische – Initiativen dafür stark, Schrittmacher mit mindestens 70 Prozent Batterielaufzeit in Entwicklungsländer wie Indien, Kuba oder die Philippinen abzugeben.

Eine Übersicht über 18 verschiedene Studien zur Wiederverwertung von Herzschrittmachern zeigt, dass die Infektionsrate bei beiden Gruppen nahezu identisch ist. Fehlfunktionen traten bei den Secondhand-Geräten etwas häufiger auf, mit 0,7 Prozent war diese Quote aber immer noch recht niedrig.

Der Reinigungsprozess der gebrauchten Herzschrittmacher ist natürlich aufwändig und wird von Sensoren überwacht. Sobald sich nur eine kleinste Abweichung bemerkbar macht, wird das Gerät gesperrt. Sorge machen den Experten aber noch die Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Viren; hier ist noch nicht endgültig bewiesen, ob die Sterilisation eine Übertragung verhindern könnte.

Die Hersteller der Medizinprodukte wollen natürlich, dass ihre Schrittmacher Einmalprodukte bleiben und lehnen Ansprüche nach Wiederaufarbeitung, wie etwa Batteriewechsel, ab.

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