Wirtschaft

Gesundheitssystem: Krebs ist teuerste Krankheit in Deutschland

Diagnose, Therapie, Arbeitsausfälle. Krebs ist die teuerste Krankheit in Deutschland. Eine Studie beziffert die Kosten. Auch im internationalen Vergleich zahlen die Deutschen überdurchschnittlich viel.

Einer Studie des Health Economics Research Centre der britischen University of Oxford zufolge betragen die Kosten von Krebserkrankungen in den 27 EU-Ländern im Jahr 2009 über 126 Milliarden Euro. Davon entfielen 51 Milliarden Euro auf das Gesundheitssystem und 52 Milliarden Euro entstanden durch Produktivitätsausfälle, die die Krankheit und der Tod durch Krebs mit sich bringen. 23 Milliarden Euro müssen Verwandte und Freunde durch die Betreuung der Kranken aufbringen.

Nur für Herz- und Kreislaufkrankheiten müssen die Deutschen noch mehr zahlen als für die Behandlung und die Folgen von Krebs. (Foto: Flickr/Images_of_Money/CC BY 2.0)

Nur für Herz- und Kreislaufkrankheiten müssen die Deutschen noch mehr zahlen als für die Behandlung und die Folgen von Krebs. (Foto: Flickr/Images_of_Money/CC BY 2.0)

Lungenkrebs verursachte EU-weit die höchsten Kosten und Folgekosten durch Arbeits- und Produktivitätsausfälle. Die teuersten Behandlungen fielen bei Brustkrebserkrankungen an, wegen des hohen Anteils an Ausgaben für Medikamente.

Zwei Drittel dieser Gesamtkosten entfallen auf die Länder Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien. In Deutschland ist die Behandlung von Krebs am teuersten. In Frankreich, Italien und Großbritannien ist der ökonomische Aufwand nur halb so groß wie in Deutschland.

Bezogen auf das Bruttosozialprodukt sind die Kosten in Deutschland mit 1,48 Prozent auch am höchsten. In Großbritannien (0,91%), Frankreich (0,90%) und Italien (1,08%) fällt der Anteil etwa ein Drittel geringer aus.

Die Daten der anderen EU-Mitgliedstaaten beruhen auf Schätzwerten, weshalb ein umfassender EU-Vergleich nicht möglich ist. Die Forscher um Ramon Leungo-Fernandez verwendeten für die Studie, die im Journal The Lancet Oncology veröffentlicht wurde, 150 verschiedene Datensätze. Internationale Gesundheitsorganisationen, nationale Gesundheitsministerien und Statistikinstitute gehörten zu den verwendeten Quellen.

Es gilt aber als Tatsache, dass das Gesundheitswesen in Bulgarien weit weniger Geld für die Behandlung von Krebs aufbringen muss als das deutsche. Die Kosten pro Einwohner betragen in Bulgarien 16 Euro im Jahr 2009. In Deutschland sind es 182 Euro pro Einwohner – mehr als 11 Mal so viel. Nur in Luxemburg ist die Versorgung krebskranker Menschen noch teurer (184 Euro p.P.). Das sind fast US-amerikanische Verhältnisse. In den USA betragen die Kosten für Einwohner umgerechnet 196 Euro pro Einwohner.

Die Krankenhausbehandlung macht den Löwenanteil der Ausgaben für Krebskranke in Deutschland aus. Die Personalkosten, die in den wirtschaftlich schwächeren europäischen Ländern geringer ausfallen als in Deutschland, lassen die Kosten hierzulande in die Höhe schnellen. Die Forscher vermuten, dass auch die Preise für Medikamente und Materialien im Ausland geringer seien.

In vorhergehenden Studien berechneten die Forscher auch die Kosten für Herz- und Kreislaufkrankheiten, die mit 195 Milliarden Euro weitaus höher lagen als die für die Behandlung von Krebs.

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