Krankenhaus

Hygienemaßnahmen zerstören erwünschte Mikroben

Forscher entdeckten auf einer Intensivstation eine unerwartet hohe Vielfalt an Mikroorganismen. Bislang wird nicht zwischen nützlichen und schädlichen Bakterien unterschieden. Völlig sterile Intensivstationen sind nicht möglich.

Keime im Krankenhaus sind unvermeidbar. Auf einer Intensivstation wurden jetzt viel mehr nützliche Bakterien nachgewiesen, als von den Forschern erwartet. (Foto: Flickr/Wir. Dienen. Deutschland/CC BY-ND 2.0)

Keime im Krankenhaus sind unvermeidbar. Auf einer Intensivstation wurden jetzt viel mehr nützliche Bakterien nachgewiesen, als von den Forschern erwartet. (Foto: Flickr/Wir. Dienen. Deutschland/CC BY-ND 2.0)

Bakterien in Intensivstationen können Infektionen auslösen, oft mit tödlichen Folgen. Ein Forscherteam aus Graz hat zum ersten Mal genauer untersucht, welche Bakterien in den Intensivstationen von Krankenhäusern überhaupt vorkommen. In der vermeintlich sterilen Umgebung wurden unerwartet viele Mikroorganismen entdeckt – darunter waren auch nützliche Bakterien.

Bis vor wenigen Jahren konnte nur ein Teil der Krankenhausbakterien aufgespürt werden. Mittlerweile erlaubt die Entwicklung von DNA-Sequenzierungsmethoden einen schnellen Nachweis von Mikroorganismen. Mit dieser Technik wurden drei Bereiche der Intensivstation des Universitätsklinikum Graz überprüft – Fußböden, medizinische Geräte und Arbeitsplätze, berichtet DocCheck.

Die nachgewiesenen Bakterien konnten hauptsächlich sieben Stämmen zugeordnet werden. Die meisten davon fanden sich auf den Tastaturen der Medizingeräte. Die vorliegenden Bakterienarten gehören allerdings zur Normalflora des Menschen und besiedeln dessen innere und äußere Körperflächen. Einige pathogene Arten, wie Staphylokokken und Shigellen, können beim Menschen Erkrankungen hervorrufen. „In einer aus vielen Räumen und Gängen bestehenden Intensivstation kann Sterilität nicht vollständig gewährleistet werden, da Mitarbeiter und Patienten dort permanent Mikroorganismen hineinbringen“, sagt eine der Forscherinnen.

Die hohe Konzentration auf den Tastaturen der Medizingeräte erklärt das Forscherteam so: „Diese Apparate werden nicht ausreichend desinfiziert, da sie von Patient zu Patient transportiert werden und schnell verfügbar sein müssen.“

In allen drei untersuchten Bereichen wurden allerdings auch viele Bakterienarten gefunden, die eine potenziell nützliche Wirkung auf Menschen haben. Deswegen seien keine stärkeren Hygienemaßnahmen auf Intensivstationen sinnvoll, um die Sterilität zu erhöhen. Im Gegenteil: „Die Nützlinge stellen sich potenziellen Krankheitserregern entgegen und sind daher zu fördern“, heißt es weiter. Die bisher praktizierte Methode unterscheide nicht zwischen wünschenswerten und gefährlichen Bakterien, sondern führe so möglicherweise zu einer Anreicherung pathogener Vertreter.

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