Pharmaindustrie

US-Pharmariese McKesson drängt auf europäischen Markt

Der europäische Marktführer Celesio wurde vom US-Pharmahändler McKessen gekauft. Damit ist der Gigant in Europa mit einem Schlag zu einem der größten Akteure auf dem Markt geworden. Die Branche befindet sich im Fieber: Je größer der Konzern, desto größer die Macht bei der Preisgestaltung der Medikamente.

Das McKesson-Plaza in San Francisco. US-Konzerne suchen Zukaufmöglichkeiten in Europa. (Foto: Flickr/tshein/CC BY 2.0)

Das McKesson-Plaza in San Francisco. US-Konzerne suchen Zukaufmöglichkeiten in Europa. (Foto: Flickr/tshein/CC BY 2.0)

Der US-Pharmahändler McKesson hat für 6,1 Milliarden Euro den Stuttgarter Rivalen Celesio übernommen. Celesio-Aktionäre erhalten ein öffentliches Übernahmeangebot von 23 Euro pro Aktie. Das sind 39 Prozent auf den Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate vor den ersten Übernahmegesprächen. McKessen will zunächst 75 Prozent aller Aktien übernehmen. Die vollständige Übernahme soll im nächsten Quartal erfolgen.

Der Deal wird die gesamte Branche verändern. „Durch die Übernahme entsteht ein weltweiter Marktführer im Pharmagroßhandel mit einem Jahresumsatz von 111 Milliarden Euro und 81.500 Beschäftigten weltweit“, berichtet das österreichische WirtschaftsBlatt. Durch die Übernahme der Celesio-Tochter HerbaChemosan ist McKesson auch in Österreich die neue Nummer eins.

Zusammen beliefern Celesion und McKesson täglich in den USA, Kanada, Europa und Brasilien etwa 120.000 Apotheken und Krankenhäuser. In vier Jahren soll sich die Investition amortisiert haben. Dann erwartet McKesson jährliche Synergieeffekte von 275 bis 325 Millionen US-Dollar.

Celesio-Mehrheitsaktionär Haniel, ein Duisburger Mischkonzern, erhält rund zwei Milliarden Euro für seine Anteile. Haniel hielt zuletzt 50,01 Prozent der Aktien.

McKesson hat einen Börsenwert von 32,7 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr wurde bei einem Gesamtumsatz von 122,5 Milliarden Dollar 1,34 Milliarden Dollar Gewinn erwirtschaftet. „Die Gesundheitsbranche wächst sehr schnell und ist von einer Annäherung einzelner Segmente und einer zunehmenden Globalisierung gekennzeichnet“, sagte McKesson Chairman und CEO John H. Hammergren. „Mit dem heutigen Schritt wollen wir die Stärken und die Erfahrungen der beiden Unternehmen zusammenführen, um die globalen Herausforderungen im Gesundheitssektor besser bewältigen zu können.“

Celesio hatte zuletzt vergeblich versucht, neue Geschäftsfelder zu erobern und will sich nun wieder auf die Sparten Pharmagroßhandel und Apotheken konzentrieren. Ziel ist der Aufbau eines Apothekennetzwerks unter der Dachmarke Lloyds, der bis Ende des Jahres 100 Apotheken angehören sollen. Das Jahresziel wurde verfehlt. Der harte Rabatt-Wettbewerb mit den Apotheken drückt die Gewinnmargen beim Medikamentenhandel der Pharmakonzerne. Ex-Konzernchef Markus Pinger, der auch den Deal mit McKesson eingeleitet hat, musste wegen „unterschiedlicher Auffassungen zur Führung des Unternehmens“ im Juli nach nur zwei Jahren seinen Hut nehmen.

Übernahmen und Fusionen bewegen den Pharmamarkt weltweit. In den vergangenen Wochen waren Gerüchte über eine Fusion von Roche und Novartis aufgekommen (mehr hier). Der Pharmahändler AmerisourceBergen hat eine auf zehn Jahre angelegte Partnerschaft mit den Drogerieketten Walgreen und Alliance Boots geschlossen.

Der oberbayerische Arzneimittel-Auftragsfertiger Aenova kauft ebenfalls neue Bereiche hinzu. Vor zwei Wochen wurde der Rivale Haupt Pharma für 200 Millionen Euro übernommen. Nach dem Kauf des Pharmadienstleisters Temmler aus Marburg ist das schon die zweite Übernahme für Aenova. Der Konzern gehört seit gut einem Jahr dem Finanzinvestor BC Partners, der rund 500 Millionen Euro gezahlt habe und Aenova durch Zukäufe ausbauen wolle, berichtet das Handelsblatt.

Nicht nur in Europa (siehe Analyse), auch in den USA steigt der Kostendruck auf den Pharmagroßhandel. Je größer der Konzern, desto größer ist auch die Preismacht am Markt. Auch der McKesson-Rivale Cardinal Health sucht nach Zukaufmöglichkeiten in Europa.

In den USA gehört McKesson bereits zu den Großen. Etwa ein Drittel aller Medikamente werden von dem Pharmalieferanten auf den Weg gebracht. Bei der Gründung des Konzerns 1833 wurden Medikamente und Chemikalien aus Europa importiert. Nun will McKesson den europäischen Markt aus der anderen Richtung erobern.

 

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