Arzneimittel

Pharmaindustrie läuft Sturm gegen gedeckelte Arzneimittelpreise

Das Preismoratorium für Medikamente läuft nach über drei Jahren aus. Die Pharmaindustrie will die Preise wieder erhöhen, um die gestiegenen Produktionskosten zu decken. Für die Krankenkassen kommt das nicht in Frage: Die neue Regierung soll die Versicherten weiter entlasten.

Der Druck auf die Arzneimittelpreise in den USA treibt die Pharmakonzerne auch in Europa dazu an, ein Ende des Preismoratorium zu fordern. Generika setzen die Margen weltweit unter Druck. (Foto: Flickr/StockMonkeys.com/CC BY 2.0)

Der Druck auf die Arzneimittelpreise in den USA treibt die Pharmakonzerne auch in Europa dazu an, ein Ende des Preismoratorium zu fordern. Generika setzen die Margen weltweit unter Druck. (Foto: Flickr/StockMonkeys.com/CC BY 2.0)

Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) hat den Verband der Ersatzkassen (vdek) wegen seiner Äußerungen zum Preismoratorium bei Medikamenten kritisiert. Der vdek fordert die zukünftige Regierung dazu auf, den Preisstopp bei Arzneimitteln fortzuführen, da dieser die Beitragszahler jährlich um eine Milliarde Euro entlaste. Das bereits seit dreieinhalb Jahren laufende Preismoratorium und der Herstellerrabatt sollten beibehalten bleiben, fordert Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des vdek.

Die Forderungen seien „populistisch und zeigen deutlich, dass diese Kassen von der Situation der pharmazeutischen Industrie keine Ahnung haben“, sagte der BPI. Solche Ideen könnten nur an Schreibtischen von Bürokraten geboren werden, die die betriebswirtschaftlichen Realitäten nicht kennen würden, so der Verband einem Bericht vom Ärzteblatt zufolge.

Die Pharmaindustrie beklagt, dass die Kosten für Energie, Personal und Rohstoffe bei gleichbleibenden Medikamentenpreisen trotzdem steigen würden, ebenso wie die Inflation. Der Verband spricht von Zwangsmaßnahmen gegen die pharmazeutische Industrie, die beendet werden sollten. „Die Belastungen sind insbesondere für mittelständische Unternehmen, die ihren Umsatz zu großen Teilen auf dem deutschen Markt erzielen, nicht mehr zu schultern“, heißt es dazu aus dem BPI.

Allein 2012 hätten die Unternehmen der Pharmaindustrie 2,5 Milliarden Euro Zwangsabschläge an die gesetzlichen Krankenversicherungen gezahlt, so der BPI. Auch durch die Ärzteschaft geraten Pharmahersteller unter Druck. Die Deutschen könnten jährlich insgesamt 4,6 Milliarden Euro bei den Ausgaben für Medikamente sparen, wenn Ärzte konsequent günstigere Generika verschreiben (mehr hier).

Tatsächlich gehen auch andere Akteure des Gesundheitssystems, so die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), davon aus, dass das Preismoratorium beendet werden wird und die Kosten für die Versicherten wieder steigen werden. Die Senkung des Herstellerabschlags für patentgeschützte Arzneimittel werde wohl von 16 auf 6 Prozent zurückgeführt, so die Vertragspartner.

Die Mehrausgaben für Arzneimittel sollen zwei Milliarden Euro nicht überschreiten, haben KBV und GKV in den Rahmenvorgaben für die Arzneimittelversorgung 2014 festgeschrieben. Das entspricht einem erhöhten Ausgabenvolumen von 6,6 Prozent, berichtet das Internetportal der Deutschen Apotheker Zeitung. Für das laufende Jahr werden die Ausgaben um 0,6 Prozentpunkte auf 3,6 Prozent angehoben.

Grund für die nachträgliche Anpassung für 2013 sei insbesondere die Erhöhung des Apothekenabschlags sowie die Einführung einer Notdienstpauschale für Apotheken, die eine Milliarde mehr erforderte. Im vergangenen Jahr beliefen sich die Kosten für die Versorgung der Versicherten mit Medikamenten nach Angaben der GKV auf 28,1 Milliarden Euro.

Das Preismoratorium wurde 2010 eingeführt, „um die GKV aus den roten Zahlen zu führen und Milliardendefizite zu vermeiden“, so der BPI. Die Finanzsituation der Krankenkassen ist mittlerweile entspannt. Der Gesundheitsfonds, aus dem sich die die Kassen finanzieren, enthält einen Überschuss von knapp 30 Milliarden Euro (hier).

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