Gesundheitspolitik

Ernährungspolitik: Mexiko will Steuer auf Junkfood erheben

Eine neue Einnahmequelle für Schuldenstaaten? Junkfood und Softdrinks sollen in Mexiko nun besteuert werden. Die Regierung kann die neue Steuer sogar moralisch begründen: Die Bürger sind zu dick. In New York ist eine solche Steuer vorerst gescheitert.

Das meiste, was man an diesem Stand in Mexiko kaufen kann, ist alles andere als gesund. (Foto: Flickr/ Omar Omar)

Das meiste, was man an diesem Stand in Mexiko kaufen kann, ist alles andere als gesund. (Foto: Flickr/ Omar Omar)

Junkfood – das ist das Essen der Armen. Auf die hat es nun die mexikanische Regierung abgesehen: Sie will am Verkauf der Massenprodukte mitverdienen.

Vergangene Woche hat das mexikanische Unterhaus bereits die entsprechende Steuer auf Junkfood gebilligt. Nun ist es am Senat, der neuen Steuer zuzustimmen, die Teil eines großen Reformpaketes der Regierung ist. Der Gesetzesentwurf für die Junkfood-Steuer sieht zum Beispiel eine Sondersteuer auf abgepackte Lebensmittel in Höhe von 5 Prozent vor, wenn diese mehr als 275 Kalorien je 100 Gramm enthalten. Der Preis für Softdrinks soll sich um 8 Cent pro Liter erhöhen.

Bis zu 20 Millionen Dollar sollen dadurch zusätzlich in die Kassen gespült werden, so der Business Insider. Hamburger und Tacos sind allerdings von der Steuer ausgenommen. Ob die Mexikaner aber aufgrund der Steuer tatsächlich weniger häufig zu Junkfood greifen werden, wird sich erst noch zeigen müssen.

Von der Opposition kam nun sogar der Vorschlag, die Sondersteuer noch vor der Einführung von 5 auf 8 Prozent zu erhöhen. Bis Ende des Monats muss der Senat über die Reformen entscheiden. Auf die Frage, ob die Regierungspartei Partido Revolucionario Institucional (PRI) die vorgeschlagene Anhebung der zukünftigen Steuer billigen werde, sagte Emilio Gamboa der Nachrichtenagentur Reuters: „Die PRI wird das zweifelsohne unterstützen.“ Gamboa ist der Chef der PRI im Senat.

Abgesehen von den zusätzlichen Steuereinnahmen will die mexikanische Regierung auch den Konsum des Junkfoods reduzieren. 71 Prozent der Erwachsenen und ein Drittel der Kinder in Mexiko leiden an Übergewicht oder Fettleibigkeit. Mexiko ist das Land mit den meisten Übergewichtigen.

Viele Krankheitsbilder werden mit gestiegenem Zucker- und Fettkonsum in Verbindung gebracht. Übergewicht und Fettleibigkeit sind nur die schnellsten Folgen. Auch das Risiko, an Diabetes Typ 2 oder auch Krebs zu erkranken, ist erhöht. Die britische University of Oxford schätzt, dass eine Steuer auf ungesundes Essen jedes Jahr allein in Großbritannien bis zu 3.000 Leben retten könnte.

New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg hatte deshalb versucht, den immensen Konsum von Softdrinks zu stoppen. Im September vergangenen Jahres hatte die Stadtverwaltung ein Verbot von XXL-Softdrinks erlassen. Doch kurz bevor dieses Gesetz in Kraft treten sollte, stoppte ein Gericht in New York das Verbot.

In den USA hat sich gezeigt, dass vor allem Besitzer von Essensmarken in den Supermärkten auf Junkfood zurückgreifen. Die Reicheren gehen zu Whole Foods oder anderen Bio-Märkten, die in den USA astronomisch teuer sind.

Die Entwicklung belegt: Anstatt die Wurzeln des Übels zu beseitigen – nämlich das dramatische Ansteigen der Armut – fällt den Schuldenstaaten nichts anderes ein als eine neue Steuer.

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