Zigaretten

Tabak-Lobby finanziert und beeinflusst wissenschaftliche Studien

Das British Medical Journal will keine Studien mehr veröffentlichen, die zum Teil oder vollständig von der Tabakindustrie finanziert werden. Die Ergebnisse solcher Studien seien befangen. Ein herber Schlag für die Tabakindustrie, die versucht, neue Geschmackszigaretten bei Jugendlichen zu vermarkten.

Knopf drücken, bitte! Das Menthol in den Zigaretten wirkt schmerzstillend und kühlt den Rauch. Deswegen atmen die Raucher ihn tiefer ein. (Foto: Flickr/Podknox/CC BY 2.0)

Knopf drücken, bitte! Das Menthol in den Zigaretten wirkt schmerzstillend und kühlt den Rauch. Deswegen atmen die Raucher ihn tiefer ein. (Foto: Flickr/Podknox/CC BY 2.0)

Ab sofort werden keine Studien mehr in der wissenschaftlichen Zeitschrift British Medical Journal (BMJ) veröffentlicht, die vollständig oder zum Teil von der Tabakindustrie finanziert worden sind. Das gelte für die Hauptausgabe genauso wie für die Spezialausgaben Thorax, Heart und BMJ Open, teilte Chefredakteurin Fiona Godlee zusammen mit den Herausgebern in einem Editorial mit.

Damit folgt das BMJ dem Beispiel anderer Fachzeitschriften wie PLOS Medicine und allen Journalen der American Thoracic Society. Dabei hatte das BMJ lange einen anderen Standpunkt vertreten und stets betont, dass die Nicht-Veröffentlichung solcher Studien die wissenschaftliche Diskussion einschränke. Zudem weisen Kritiker darauf hin, dass die Leser der Studien sich ein eigenes Bild von deren Qualität machen könnten, solange geklärt sei, in welchem Auftrag die Studien erstellt wurden und wer die Geldgeber gewesen seien.

In den letzten Jahren hätten sich aber die Hinweise zu der Befangenheit solcher Studienergebnisse erhärtet, teilt das BMJ mit. Zudem würden die Studienergebnisse und deren Interpretation durch die Interessen der Geldgeber nachweislich beeinflusst. Leser der Studien könnten nicht mit letzter Sicherheit alle methodischen Mängel und irreführenden Analysen erkennen.

Das BMJ wirft der Tabakindustrie zudem vor, ausschließlich ihr Produkt bewerben zu wollen. Das sei mit den Interessen der Herausgeber unvereinbar, die durch die Veröffentlichung von Studien die Krankheitslast in der Bevölkerung verringern wollten. Das BMJ will damit ausschließen, dass interessengeleitete Studien die Zeitschrift als Fürsprecher der Tabakindustrie dastehen lassen könnte.

Aus der Analyse interner Dokumente der Tabakindustrie sei bekannt, dass viele Konzerne jahrelang Studien unterstützt hätten, die Zweifel an den Gefahren des Rauchens streuen sollten, zitiert das Ärzteblatt aus dem Editorial. Weitere Dokumente zeugten von einer geplanten Kampagne gegen die Vergrößerung von Warnhinweisen auf Zigarettenpackungen.

Eine neue Generation von Mentholzigaretten, die in Italien, Österreich, den USA und weiten Teilen Asiens vertrieben wird, sorgt bei Verbraucherschützern für Beunruhigung. Das Besondere: Das Aroma ist in flüssiger Form in einer Kapsel im Filter gespeichert. Drückt der Raucher das Ende der Zigarette kurz zusammen, wird das Menthol freigesetzt. Eine Zigarette, zwei mögliche Geschmacksrichtungen.

Genau das animiert besonders Jugendliche zum Rauchen. Denn Menthol hat eine schmerzstillende Wirkung, der Rauch wird außerdem gekühlt und befeuchtet. Dadurch verliere er an Schärfe und der Raucher inhaliere tiefer, berichtet das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in einer Studie.

Neben Menthol gibt es außerdem weitere patentierte Geschmacksrichtungen wie Vanille, Schokolade, Kaffee, Zimt, Lakritz und verschiedene Obstsorten, so die Ärzte des DKFZ. Der typische Rauchgeschmack und -geruch wird maskiert, ist dabei aber nicht weniger schädlich. Die Ärzte warnen, weil gerade Kinder und Jugendliche von dieser Art Zigaretten angesprochen werden.

Dort, wo es die Klick-Zigaretten zu kaufen gibt, hat sich der Marktanteil schnell vergrößert. Zigaretten mit Aromastoffen machen noch schneller und stärker süchtig als normale. In Deutschland sind diese Zigaretten noch nicht zugelassen.

Durch den Bann von Studien, die von der Tabakindustrie finanziert werden, sinkt die Gefahr, Zweifel an der gesundheitlichen Beeinträchtigung dieser Tabakprodukte entstehen zu lassen.

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