Arbeitsmarkt

Anteil psychisch kranker Hartz-IV-Empfänger steigt

Neurosen, Panikattacken, Depressionen. Die Zahl der psychisch kranken Menschen bei den Beziehern von Hartz IV ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Mitarbeiter in Jobcentern sind überfordert und sollen nun besser geschult werden.

Die Jobsuche ist für viele Hartz-IV Empfänger schwer - und belastet die Psyche. (Foto: Flickr/Skley/CC BY-ND 2.0)

Die Jobsuche ist für viele Hartz-IV Empfänger schwer – und belastet die Psyche. (Foto: Flickr/Skley/CC BY-ND 2.0)

Empfänger von Arbeitslosengeld II (Hartz IV) leiden öfter an psychischen Störungen als Berufstätige. Krankenkassendaten zur Arbeitsunfähigkeit zeigen, dass mehr als ein Drittel der Versicherten im Arbeitslosengeld-II-Bezug (Alg-II-Bezug) innerhalb eines Jahres mindestens eine psychiatrische Diagnose aufwies. Das ist das Ergebnis eines Forschungsberichtes des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Der Bericht legt außerdem nahe, dass der Anteil psychisch Kranker unter den Hartz-IV-Empfängern angestiegen ist.

Die Universität Halle und die Aktion Psychisch Kranke in Bonn berufen sich auf Daten der gesetzlichen Rentenversicherung, der Bundesagentur für Arbeit und der Krankenkassen. Mehr als jeder fünfte berufstätige Versicherte (21,8%) hat nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) eine psychiatrische Diagnose erhalten. Untern den Hartz-IV-Beziehern ist der Anteil fast doppelt so hoch (36,7%).

Bis zum Jahr 2011 stieg der TK-Anteil psychisch kranker Hartz-IV-Bezieher auf 40,2 Prozent. Es ist aber nicht auszuschließen, dass der Anteil insgesamt noch weit darüber liegt. „Den Anteil an Alg-II-Beziehern mit psychischen Beeinträchtigungen schätzen Arbeitsvermittler der SGB-II-Träger abhängig vom jeweiligen Aufgabengebiet zwischen fünf Prozent und 40 Prozent; Fallmanager in ihrem Bereich auf die Hälfte bis zwei Drittel aller Fälle“, heißt es in dem Forschungsbericht.

Aufgrund der stigmatisierenden Wirkung einer psychiatrischen Diagnose dürfte die Dunkelziffer noch höher als die von der Techniker Krankenkasse angegebenen 40 Prozent liegen. Psychisch beeinträchtigte Menschen sind im Personenkreis arbeitsloser bzw. arbeitsuchender Menschen deutlich überrepräsentiert. Affektive und neurotische Störungen, die sich in Depressionen und Angstzuständen äußern können, werden am häufigsten diagnostiziert.

Mitarbeiter in Jobcentern fühlen sich oft im Umgang mit psychisch kranken Arbeitslosen überfordert. Ohne psychologische Vorkenntnisse können die meisten eine psychische Erkrankung nicht erkennen. Von Arbeitslosen wird erwartet, dass sie sich aktiv und offen in die Beratungssituation einbringen. „Dies kann jedoch mit den Ausprägungen psychischer Erkrankungen (Antriebslosigkeit, Ängste etc.) in Widerspruch geraten“, schreiben die Autoren der Studie. Das könne zu Missverständnissen führen.

Daher fordern die Forscher eine Fortbildung von Jobvermittlern. Das soll verhindern, dass „die Fallbearbeitung in den Jobcentern bestehende Probleme verschlimmert, was durch inadäquate Ansprache, falsche Maßnahme­zuweisung oder gar Sanktionen wegen fehlender Mitwirkung der Fall sein kann“.

Neben der Schulung der Jobvermittler sollen psychisch kranke Arbeitslose fallbezogen betreut werden. Außerdem soll die Krankheit bei der Vermittlung berücksichtigt werden. Das stellt auch neue Herausforderungen an Unternehmen, die psychisch eingeschränkten Menschen eine Chance geben wollen.

Anteil an Versicherten mit einer psychiatrischen Diagnose innerhalb eines Jahres: nach Erwerbsstatus (Techniker Krankenkasse, 2008 und für Alg-II-Bezieher (AOK). (TK-Daten 2008, Gesundheitsreport 2008. Hamburg, AOK-Daten (Wido). IAB-Auswertung)

Anteil an Versicherten mit einer psychiatrischen Diagnose innerhalb eines Jahres: nach Erwerbsstatus (Techniker Krankenkasse, 2008 und für Alg-II-Bezieher (AOK). (TK-Daten 2008, Gesundheitsreport 2008. Hamburg, AOK-Daten (Wido). IAB-Auswertung)

Kommentare

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  1. Es ist leider,und das am meistens fürchterlich,wie diese arme menschen von den jobvermittler und beamter perverz und bòsartig behandelt sind.ich weiss was ich rede…es ist schandhaft wie unvorstellbare angst auch diese kranke menschen vor so eine bestiale perlustration haben und dennen ist noch zugesetzt durch unfachmanische behandlung!!!!!die können sofort sogar eine psychoze kriegen.Dafür kann klar staatliche dumme maschinerie,die alle in einen sack werfen.in wien und prag ist es auch nicht besser.es ist einfach horror..arme kranke leutchen;nicht das es ihnen uberhaupt im lebe do erwischt hat,und doch lasst sich ein dumme beamte uber einen aus.schande!!gruss aus prag schwalbe

  2. Hm. Noch mehr Einmischung und Betreuung?
    Dann wird`s nur noch schlimmer.
    Deutschland muss wieder zurück zum Grundgesetz, (sowie zum alten System). Was glaubt ihr denn wie schnell die Leute wieder gesund werden.

    • Stimme zu – dieses System macht erst krank – wenn nicht sogar bisweilen schon die Angst davor. Meist merkt man aber erst was wirklich lost ist, wenn man selbst hineingerät.

  3. Es sind die Repressalien der Jobcenter selbst, welche die Menschen krank machen. Wenn ein Mensch keine Zukunft hat, weil eine perverse kapitalistische Diktatur ihm jede Hoffnung und Freiheit nimmt, dann ist Krankheit zwangsläufig die Folge. Es wird endlich Zeit, das das Grundgesetz wieder geachtet wird und das die Würde des Menschen wirklich uneingeschränkt unantastbar ist. Hartz-IV ist ein faschistoides System, welches gegen sämtliche Grundrechte und die Menschenwürde verstösst und was bereits etliche Menschenleben gekostet hat. Die Verantwortlichen dafür sollten konsequent zur Rechenschaft gezogen werden, insbesondere auch die ausführenden Marionetten in den Ämtern. Viele dieser Mitarbeiter waren bereits früher am Unrecht gegen die Menschlichkeit beteiligt und wurden dafür nie bestraft, ein Skandal!

  4. Die Mitarbeiter der sogenannten „Jobcenter“ sind eine der Hauptursachen für Depressionen. Wer wird nicht depressiv wenn er schon am Boden liegt und ständig systematisch nachgetreten wird? Wenn man jahrzehntelang Steuern und Sozialversicherung bezahlt hat, aus gesundheitlichen Gründen „abrutscht“ und dann von halbgebildeten und mittelmäßig begabten Menschen behandelt wird wie der letzte Dreck? Mich würde die Zahl der Selbstmorde interessieren, die direkt oder indirekt durch Hartz IV ausgelöst wurden, und die Selbstmordquote im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung. Ich vermute mal die Ekelhaftigkeit dieses repressiven Systems aus dem dumpfen historischen Urgrund der Nazizeit (bitte Gustav Hartz bei Wikipedia nachschlagen) würde dann erst richtig sichtbar werden. Aber an diese Statistiken kommt man nicht ohne weiteres heran.