Ernährung

Sieg gegen EU: Fleisch-Lobby verschiebt Herkunftspflicht auf 2015

Die Kommission will Herkunftskennzeichnungen bei Fleisch verhindern – obwohl erst vor wenigen Monaten noch nicht deklariertes Pferdefleisch europaweit in Fertigprodukten gefunden wurde. Der Nachweis, woher ein Tier kommt, sei zu teuer. Die Produktionskosten würden sich verdoppeln, so die Kommission.

müssen nur bei Rindfleisch angeben, woher es kommt. Alle anderen Kennzeichnungspflichten will die EU frühestens 2015 umsetzen. (Foto:Flickr/ohallmann(CC BY 2.0)

müssen nur bei Rindfleisch angeben, woher es kommt. Alle anderen Kennzeichnungspflichten will die EU frühestens 2015 umsetzen. (Foto:Flickr/ohallmann(CC BY 2.0)

Die Herkunft von verpacktem Fleisch soll erst im Jahr 2015 durch eine Kennzeichnung der Produkte ersichtlich sein. „Die EU prüft aktuell die Folgen einer umfassenden Herkunftsdeklaration bei Fleisch generell. Dabei bewertet sie gerade die Einführung einer zwingenden Herkunftsangabe bei verarbeitetem Fleisch“, sagte Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbandes der Lebensmittelindustrie.

Bei frischem, verpacktem Fleisch gebe es schon konkrete Vorschläge. Es werde „eine detaillierte Herkunftsdeklaration für Fleisch von Schweinen, Ziegen, Schafen und Hühnern geben, und zwar voraussichtlich ab 2015. Bei Rindern ist das schon seit vielen Jahren umgesetzt“, so Koßdorff einem Bericht der österreichischen Tageszeitung Der Standard zufolge.

Der Pferdefleisch-Skandal bzw. die europaweite Empörung über das nicht deklarierte Pferdefleisch in Fertigprodukten scheint bei den Mitgliedern der EU-Kommission dennoch keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen zu haben. In einem Bericht des ORF sprach sich die Kommission jüngst gegen verbindliche Herkunftskennzeichnungen bei Fleisch aus. Begründet wird das mit einem massiven Preisanstieg für die Konsumenten.

Bis zu 50 Prozent sollen die Produktionskosten betragen, bis zu 90 Prozent davon werden auf das Produkt aufgeschlagen und so vom Käufer gezahlt, so die Kommission in ihrem Bericht an das Europäische Parlament und den EU-Rat.

Die Kommission glaubt offenbar, dass der Konsument kein allzu großes Interesse an einer Kennzeichnung habe: Für ihn zähle zuerst der Preis, erst dann die Qualität, so der Bericht. Zwar wünsche sich der Konsument eine Kennzeichnung, aber er wolle nicht dafür zahlen.

Ab 2015 wird das anders. Der Preis der Produkte wird ansteigen. Dafür kennt der Verbraucher dann die Herkunft des Fleischproduktes. Ob das zu einer Stigmatisierung von Ländern führen wird, die viel und günstig Fleisch produzieren, ist bislang noch nicht absehbar.

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