Lebensmittel

Gentechnik-Industrie startet PR-Kampagne in Europa

Die Lobbyisten haben in Brüssel ihren Druck auf die EU verstärkt: In einer konzertierten Aktion fordern verschiedene Verbände einen bedingungslos positiven Umgang mit den Produkten von Monsanto & Co. Einen ersten Erfolg können sie bereits mit der Zulassung einer neuen Gen-Mais-Sorte von Monsanto vermelden. Die aktuellen Schlachten sind die Vorbereitungen auf eine Großoffensive in der EU.

Die große Schlacht um den europäischen Lebensmittelmarkt steht bevor. Monsanto und die Gentechnik-Industrie sind bestens gerüstet – und hoffen auf die Zermürbung der müden Kämpfer in Europa. (Foto: Flickr/msdonnalee/CC BY 2.0)

Die große Schlacht um den europäischen Lebensmittelmarkt steht bevor. Monsanto und die Gentechnik-Industrie sind bestens gerüstet – und hoffen auf die Zermürbung der müden Kämpfer in Europa. (Foto: Flickr/msdonnalee/CC BY 2.0)

Nach dem europäischen Volksaufstand gegen die geplante Regulierung des Saatguts in privaten Gärten und dem Rückzieher der EU herrscht in Brüssel Verunsicherung: Die Durchsetzung ihrer Interessen in Brüssel war für die Landwirtschafts-Lobby in den vergangenen Monaten kein Selbstläufer mehr.

Daher bläst die Industrie nun zum Gegenangriff.

In einer konzertierten Aktion soll der EU klargemacht werden, dass die Kritik an der Gentechnik von Ahnungslosen vorgetragen wird.

Die Wissenschaft bestätige dagegen die Richtigkeit der Aussagen der Konzerne.

Die Agrar-Organisationen haben geharnischte Briefe an EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, Parlamentspräsident Martin Schulz und Ratspräsident Herman Van Rompuy geschrieben, in denen sie sich über die Verschärfung der Vorschriften beschwerten. In den Schreiben behaupten die Lobbyisten, dass die wissenschaftlichen Belege für die Sicherheit der Gentechnik in der Landwirtschaft ständig wachsen würden.

Obwohl in der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) schon viele von der Industrie eingeschleuste Leute säßen, würden in der EU Entscheidungen verschleppt – nachdem die EFSA die Unbedenklichkeit der Produkte bescheinigt habe. Noch einmal schießen die Verbände in ihren konzertierten Schreiben gegen die Monsanto-Kritiker und diffamieren im Vorübergehen die Monsanto-kritische Séralini-Studie.

Die Lobbyisten, zu denen die deutsche Fördergemeinschaft InnoPlanta und der britische Bauernverband zählen, rufen die EU-Institutionen und die Mitgliedstaaten auf, „eine breitere, ganzheitlichere und langfristigere Sichtweise der Agrarproduktion“ anzunehmen und die Gentechnikvorschriften entsprechend anzupassen.

Das Drängen der Verbände fand offenbar bereits Gehör bei der EU.

In dem für die Genehmigung für neue Sorten zuständigen Berufungsausschuss der EU gab es bei der Abstimmung über die Zulassung einer neuen Sorte von Monsanto-Genmais keine Mehrheit. Deutschland enthielt sich dabei der Stimme. Dadurch wird die Europäische Kommission eigenmächtig über die Zulassung einer weiteren Sorte Genmais entscheiden können.

Damit liegt der Ball außerhalb des demokratischen Spielfelds.

Die EU beugt sich damit wieder einmal dem massiven Einfluss der Gen-Lobby.

Es geht erneut um eine Pflanzensorte aus dem Monsanto-Labor: den „trockentoleranten MON87640-Mais“. Durch ein zusätzlich eingeführtes Gen kann dieser Mais Wassermangel besser verkraften, ohne Erträge einzubüßen, so die Hersteller Monsanto und BASF. Seit diesem Jahr kann die Sorte in den USA kommerziell erworben werden.

Der Fall ist auch deswegen interessant, weil Monsanto nach der jüngsten Protestwelle die Öffentlichkeit mit der Aussage an der Nase herumgeführt hatte, man wolle sich aus Europa zurückziehen. Einige Medien wie die taz waren der Propaganda aufgesessen und hatten das Ende von Monsanto in Europa ausgerufen.

Tatsächlich ist Monsanto aktiver denn je.

Das zeigt sich vor allem in der Unterwanderung der Zulassungsbehörden.

Die Konzerne haben still und heimlich in der Aufsicht die Mehrheit übernommen.

Mehr als die Hälfte der 209 Experten der EFSA hätten laut Corporate Europe Observatory (CEO) direkte oder indirekte Verbindungen zu der Gen-Industrie, die sie eigentlich kontrollieren sollten.

CEO, eine Nichtregierungsorganisation, ermittelte insgesamt 460 Interessenskonflikte unter den Experten der EFSA. Die Wissenschaftler überführten sich sozusagen selbst, denn als Quelle dienten ihre selbst getätigten Aussagen.

In den vergangenen Jahren verbannte die EFSA bereits 85 Experten aus ihren Arbeitsgruppen wegen diverser Interessenkonflikte.

Die aktuelle Offensive der Konzerne setzt darauf, dass die Gegner der Anwendung von Gentechnik bei Lebensmitteln zermürbt werden. Die jüngsten Demonstrationen haben Monsanto & Co. ermuntert: Es war keine Revolution auf den Straßen Europas, die die Gentechniker erschreckt hätte.

Hinter dem aggressiven Vorgehen der Gen-Lobby steht eine langfristige Strategie: Mit dem neuen Freihandelsabkommen der EU mit Kanada bietet sich für Monsanto die Möglichkeit, die EU flächendeckend zu überrollen.

Hier winkt das große Geld. Und Monsanto wird es sich holen.

Wir erleben die ersten kleinen Gefechte, die als Vorbereitung auf die große Schlacht um das Saatgut in Europa geführt werden.

Die Bürger sollten auf der Hut sein. Die EU wird ihre Bürger nicht verteidigen. Im Gegenteil.

Kommentare

Dieser Artikel hat 5 Kommentare. Was ist Deiner?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  1. Dass MONSANTO & Co gewissenlos sind, weiß man inzwischen.
    Dass in Brüssel feige Nichtdenker in der Überzahl sind, beweist sich gerade.

  2. Warum gibt es keinen Volksentscheid ?
    Nahrungsmittel betrifft uns alle und ist unser gutes Recht darüber entscheiden zu dürfen

  3. Auch ich sehe hier ein großes Bedürfnis des Volkes mit zu bestimmen. Immerhin betrifft es Jeden. Selbst die obersten Regierungsbosse werden damit konfrontiert. Oder bauen sie ihre Nahrungsmittel heimlich selbst an? Züchten sie ihre eigenen Tiere, damit sie „sauberes“ Fleisch auf den Teller bekommen? Genmanipulierte Lebensmittel – warum lässt man solche negativen und gesundheitsschädlichen Sachen zu? Dazu fällt mir nur ein: „Profitgier“ und das auf Kosten der Gesundheit „Aller“ Lebewesen auf diesem Planeten. Die Menschheit wird sich Stück für Stück selbst „auslöschen“. Macht nur weiter so und die Erde „war“ einmal. „Schlaue Köpfe“, die noch an die Lebewesen und Natur dieser Erde glaubten sind längst schon ausgestorben (ausgerottet).
    Wir hatten eine (noch) schöne Erde, aber was wird aus unseren Kindern? Was hinterlassen wir ihnen? Denkt doch bitte einmal daran. Da heißt es: man soll nicht rauchen, keinen Alkohol trinken, denn das macht ja krank. Und dafür wird man dann noch mit sogenannten „Sanktionen“ der Kassen bestraft. Und was bitteschön können wir gegen „verunreinigte“ Lebensmittel tun? Neue, noch nicht erprobte Pillen einnehmen, die wiederum nach Jahren der Forschung diese oder jene Krankheit auslöst? Das ist ein einziger Kreislauf, aber dieser wird mit Abnahme der Lebewesen (wg. evtl. Unfruchtbarkeit), auch einmal enden.
    LG