Chemikalien

Bisphenol A: Giftige Plastikrückstände gelangen ins menschliche Blut

Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt vor möglichen Folgen von Bisphenol A in Lebensmittelverpackungen. Spuren dieses hochgiftigen Stoffes wurden in menschlichem Blut und Urin gefunden. Weil der letzte wissenschaftliche Beweis für eine Kausalität fehlt, kann sich der Konsument im Falle einer Erkrankung faktisch nicht an die Industrie als Verursacher wenden.

Die Menschheit produziert viel und billig: Giftstoffe aus Plastikverpackungen können auch in den Blutkreislauf gelangen – eine gefährliche Entwicklung mit weitreichenden Folgen für die Gesundheit. (Foto: Flickr/außerirdische sind gesund/CC BY SA 2.0)

Die Menschheit produziert viel und billig: Giftstoffe aus Plastikverpackungen können auch in den Blutkreislauf gelangen – eine gefährliche Entwicklung mit weitreichenden Folgen für die Gesundheit. (Foto: Flickr/außerirdische sind gesund/CC BY SA 2.0)

Plastikverpackungen sind für die Industrie die billigste Form, ihre Waren zu verpacken. Das Material ist leicht, stabil und billig. Mehr als 250 Millionen Tonnen werden produziert, davon 65 Millionen in Deutschland.

Heute gibt es in den Ozeanen sechs Mal so viel Plastik wie Plankton. Aber auch im menschlichen Körper wird der Verpackungsstoff immer häufiger nachgewiesen. In Blut und Urin schwimmen Bestandteile von Plastik.

Als besonders gesundheitsschädlich gilt Bisphenol A (BPA). In den Industrienationen sind mehr als 90 Prozent der Menschen chronisch mit BPA belastet. Das beweisen Urinproben. Bei BPA handelt es sich um ein synthetisches Hormon, das eine östrogene Wirkung hat.

Der BUND hat bereits vor geraumer Zeit auf das Problem hingewiesen:

Bisphenol A (kurz BPA, das A steht für Aceton) ist eine der meistproduzierten Industriechemikalien. Das weltweite Produktionsvolumen beträgt rund 3,8 Millionen Tonnen pro Jahr. 1,15 Millionen Tonnen im Jahr verbrauchen davon alleine Betriebe in Europa, die Verwendung steigt in der EU jährlich um acht Prozent. BPA wird hauptsächlich für die Herstellung des Kunststoffs Polycarbonat
(PC) verwendet sowie für die Herstellung von Epoxidharzen (z. B. für die Innenbeschichtungen von Getränke- und Konservendosen).

Bisphenol A gehört zu den hormonellen Schadstoffen, die bereits in winzigen Mengen in unseren Hormonhaushalt eingreifen können. Es ist ein gutes Beispiel dafür, wie wenig die traditionelle Risikobewertung geeignet ist, tatsächliche Schäden zu erfassen: Viele unabhängige Wissenschaftler meinen, dass BPA durch eine direkte Einwirkung auf die Hormonrezeptoren in geringeren Konzentrationen schädlicher ist als in größeren Mengen. Frühreife, eine reduzierte Spermienzahl oder auch Verhaltensstörungen werden als Folgen diskutiert.

Eine Mitteilung des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR) zu endokrinen Disruptoren (Stoffe, die wie Hormone wirken, u. a. BPA) weist in dem Zusammenhang auf eine

„Zunahme von Tumoren in Organen, die hormonell reguliert werden, zum Beispiel von Brust- und Prostatakrebs“ hin. „Auch Beeinträchtigungen der männlichen Fortpflanzungsfähigkeit durch Hodenhochstand oder sinkende Spermienzahl werden zunehmend beobachtet. Sie werden in der Wissenschaft als mögliche Folge der Aufnahme endokrin wirksamer Substanzen aus der Umwelt und aus Lebensmitteln diskutiert, ein Kausalzusammenhang ist jedoch bislang nicht belegt.“

Ohne BPA wäre die Herstellung von Hartplastik nicht möglich. BPA ist die meistproduzierte Chemikalie der Welt, berichtet das Handelsblatt. Konservendosen, CDs, Armaturen, Zahnfüllungen, Spielzeug, Thermopapier von Kassenzetteln und Zugtickets: Überall ist BPA enthalten.

Die einzige Ausnahme: In der EU ist seit 2011 die Verwendung von BPA in Säuglingsflaschen verboten.

In der entsprechenden EU-Verordnung wird dennoch an einer „duldbaren täglichen Aufnahmemenge von 0,05mg/kg Körpergewicht“ festgehalten. Wie dieser Wert bei der Masse an Produkten, die BPA beinhalten, eingehalten werden soll, ist fraglich.

Wissenschaftlich steht die Gesellschaft hier vor dem gleichen Problem wie bei der Radioaktivität oder dem Rauchen: Eine strenge Kausalität von Verursachung und Folgen ist nicht nachweisbar.

Dennoch ist es bemerkenswert, wie selbstverständlich die Öffentlichkeit die heimliche Umkehr der Beweislast geschluckt hat: Nicht mehr der Verursacher muss nachweisen, dass seine Produkte ungefährlich sind. Der Konsument muss zweifelsfrei nachweisen, dass eine Erkrankung von dem Produkt eines Anbieters ausgelöst wurde.

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