Lebenserwartung

Ungleichheit nimmt zu: Reiche leben länger, Arme sterben früher

Weniger Geld bedeutet ein kürzeres Leben. Die Differenz beträgt mehrere Jahre. Die Schere wird wegen der immer stärkeren Kluft zwischen Arm und Reich größer. Am besten haben es reiche Männer – sie überleben ihre Frauen um sechs Jahre.

Männer mit einer hohen Rente können diese auch länger genießen. Die Lebenserwartung für jene mit kleiner Rente ist hingegen deutlich geringer. (Grafik: Max-Planck-Institut für demographische Forschung)

Männer mit einer hohen Rente können diese auch länger genießen. Die Lebenserwartung für jene mit kleiner Rente ist hingegen deutlich geringer. (Grafik: Max-Planck-Institut für demographische Forschung)

Von der statistisch behaupteten Lebenserwartung profitieren vor allem die Reichen. Soziale Unterschiede wie Bildungs- oder Einkommensstufe haben starken Einfluss auf die Lebenserwartung. Das gilt für alle vorherrschenden Todesursachen.

Das trifft vor allem auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Lungenkrebs zu, so eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Dafür wurden mehr als 30.000 Personen über einen Zeitraum von zehn Jahren beobachtet. Das Fazit: Je höher das Einkommen, desto eher besteht die Aussicht auf langes Leben.

Die Lebenserwartung zwischen Abiturienten und Hauptschulabsolventen unterscheidet sich bei Männern statistisch um 3,3 Jahre, bei Frauen um 3,9 Jahre.

Das Einkommen hat eine noch größere Auswirkung auf die Lebenserwartung. Dafür wurden zwei Gruppen verglichen: Zum einen jene, die weniger als 60 Prozent des monatlichen Durchschnittseinkommen verdienen. Die zweite Gruppe verfügt dagegen über mehr als 150 Prozent des deutschen Durchschnittseinkommens, lebt also im relativen Wohlstand. Das Fazit: Wohlhabende Frauen leben acht Jahre länger. Bei den Männern betrug die Differenz ganze 14 Jahre.

Laut einer Umfrage sind Skandinavier, Österreicher, Niederländer und Spanier in der EU am zufriedensten. (Grafik: Eurofound)

Laut einer Umfrage sind Skandinavier, Österreicher, Niederländer und Spanier in der EU am zufriedensten. (Grafik: Eurofound)

Die Schere zwischen Arm und Reich ist in den vergangenen Jahren immer weiter auseinandergegangen, dies bestätigt auch eine kürzlich veröffentlichte Studie des Max-Planck-Instituts für demographische Forschung. Mitte der neunziger Jahre hatte ein reicher Rentner in Westdeutschland eine gut drei Jahre längere Lebenserwartung als ein Mann mit niedriger Rente; in Ostdeutschland betrug der Unterschied dreieinhalb Jahre. Im Jahr 2008 betrug der Abstand in Westdeutschland bereits 4,8 Jahre und im Osten gut 5,6 Jahre. Das Ergebnis des Max-Planck-Instituts ist eindeutig: In allen untersuchten Zeiträumen haben einkommensschwache Rentner die höchste, einkommensstarke Rentner die niedrigste Sterblichkeit.

In den USA zeigt sich, dass ein defektes Gesundheitssystem maßgebliche Auswirkungen auf die Lebenserwartung in dieser Nation hat. Denn dort sinkt die Lebenserwartung der Bürger im Vergleich zu anderen Industriestaaten – obwohl die Ausgaben für Gesundheit in den USA am höchsten sind. Eine Studie der New Yorker Columbia University zeigt, dass die Ursache im Gesundheitssystem zu finden ist – dort ist der Zugang durch das Einkommen geregelt: Reiche werden versorgt, wer keine Kreditkarte vorweisen kann, wird dagegen nach Hause geschickt.

Die gefühlte Ungleichheit hat auch in der EU zugenommen.

Die harten Fakten zur wirtschaftlichen Entwicklung in der EU sind deutlich negativ. So lag 2011 das Pro-Kopf-BIP in 22 EU-Staaten niedriger als 2008. Die Arbeitslosenquoten stiegen in 25 der 27 Länder. Daher hat sich auch das subjektive Wohlbefinden in vielen EU-Ländern erheblich verringert, so eine Studie von Eurofound.

Je höher die Wirtschaftskraft eines Landes, desto zufriedener sind tendenziell die Bürger. (Grafik: Eurofound)

Je höher die Wirtschaftskraft eines Landes, desto zufriedener sind tendenziell die Bürger. (Grafik: Eurofound)

In den Ländern, die vom wirtschaftlichen Abschwung am stärksten betroffen sind, haben der Optimismus der Menschen und das Vertrauen in Institutionen deutlich nachgelassen.

Gruppen, die bereits zuvor benachteiligt waren – Langzeitarbeitslose, ältere Menschen in Mittel- und Osteuropa und Alleinerziehende –, melden den höchsten Grad an materieller Deprivation und Unzufriedenheit mit ihrer Lebenssituation.

Nicht alle EU-Staaten sind in gleichem Maße betroffen. Dem Rückgang des subjektiven Wohlbefindens in vielen westeuropäischen EU-Ländern steht eine Verbesserung in den östlichen Ländern gegenüber.

Zu den Bevölkerungsgruppen mit geringem Wohlbefinden gehören vor allem Menschen, die durch eine Behinderung oder Krankheit eingeschränkt sind, sowie Arbeitslose.

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