Hygiene

Pestizidrückstände in Kosmetika und Pflegeprodukten enthalten

In Reinigungstüchern, Waschlotionen und Tampons hat die Organisation Women’s Voices for the Earth gefährliche Pestizidrückstände gefunden. Einige können Krebs auslösen. Besonders gefährlich: Die Produkte unterliegen keiner Kennzeichnungspflicht – weshalb die Hersteller offenbar davon ausgehen, ihren Kunden alles andrehen zu können.

Wüssten Frauen, was in vielen ihrer Pflegeprodukte enthalten ist, würden sie an ihre Haut nur   noch Wasser lassen. (Foto: Flickr/RenaudPhoto/CC BY-SA 2.0)

Wüssten Frauen, was in vielen ihrer Pflegeprodukte enthalten ist, würden sie an ihre Haut nur noch Wasser lassen. (Foto: Flickr/RenaudPhoto/CC BY-SA 2.0)

Eine Vielzahl von Pflegeprodukten verwenden Frauen auch im Intimbereich. Deswegen wäre es gerade hier wichtig zu wissen, was in den Produkten enthalten ist. Doch ausgerechnet bei Produkten wie Binden, Tampons und Intimduschen sind die Hersteller nicht verpflichtet, die Inhaltsstoffe anzugeben.

Umso erschreckender ist eine aktuelle Untersuchung der Organisation Women’s Voices for the Earth (WVE). Diese kam zu dem Schluss, dass etliche Intimpflegeprodukte für Frauen gefährliche Chemikalien enthalten. Dazu gehören etwa krebserregende Stoffe (Karzinogene), Allergene, Pestizide und Dioxine. „Das vaginale Gewebe ist viel aufnahmefähiger als viele andere Teile der Haut, deswegen sind hormonstörende und andere giftige Chemikalien in Pflegeprodukten für Frauen ganz besonders besorgniserregend“, heißt es in dem Bericht.

In Binden fand die Women’s Voices for the Earth teilweise Dioxine, Pestizidrückstände, unbekannte Duftchemikalien, nicht bekannte Kleberrückstände und Furane. Furane können wie auch Dioxine während des Bleichprozesses entstehen, und sie können krebserregend sein. Die anderen Inhaltsstoffe können unter anderem das Hormonsystem der Frau stören oder auch allergische Hautausschläge auslösen.

Gefährliche Inhaltsstoffe fanden sich aber auch in Tampons. So spricht der Bericht von Benzocain (leichtes Betäubungsmittel) und Methylisothiazolinon. Letzteres wird häufig als Konservierungsstoff verwendet und gilt als Allergieauslöser. Dioxine und Furane sowie Pestizidrückstände wurden ebenfalls gefunden. Parabene, die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein, waren teilweise auch enthalten. Bereits 2009 stellte Öko-Test in zwei Produkten das als krebserregend unter Verdacht stehende Formaldehyd fest. Darüber hinaus wurden in zehn Marken halogenorganische Verbindungen gefunden. Es gibt Untersuchungen, die einen Zusammenhang zwischen halogenorganischen Verbindungen und Krebs nahelegen.

In Intimduschen wurden von Women’s Voices for the Earth ebenfalls unbekannte Duftchemikalien und das spermizide Nonoxynol-9 entdeckt. Das spermizide Nonoxynol-9 kommt auch bei Verhütungscremes zum Einsatz. Es kann Jucken verursachen und die Scheidenflora zerstören. Einige Studien haben dem Bericht zufolge zudem einen Zusammenhang zwischen Intimduschen und Gebärmutterhalskrebs, Eileiterschwangerschaft, Unfruchtbarkeit und Geschlechtskrankheiten festgestellt.

Aber auch Intimwaschlotionen sind nicht unbelastet. Hier fanden sich unter anderem unbekannte Duftchemikalien, Methylisothiazolinone (Allergieauslöser), Parabene (krebserregend) und DMDM Hydantoin. Letzterer kann das krebsverdächtige Formaldehyd abspalten. Erst vor Kurzem fand Öko-Test diesen Inhaltsstoff auch in Shampoos. Die Inhaltsstoffe in einigen Intimwaschlotionen können aber auch das Hormonsystem stören sowie Asthma und Hautausschläge auslösen, so der Bericht der Women’s Voices for the Earth.

Reinigungstücher sind ebenfalls schlechter als ihr Ruf. Wie die Intimwaschlotionen enthalten sie Methylisothiazolinone (Allergieauslöser), Parabene (krebserregend) und DMDM Hydantoin. Der Inhaltsstoff Iodopropynyl butylcarbamate ist in einigen Reinigungstüchern ebenfalls zu finden. Er steht unter dem Verdacht, krebserregend zu sein und allergische Reaktionen auszulösen. Und das in einigen Waschlotionen enthaltene Triclosan gilt als Konservierungsmittel, das die Leber schädigen kann.

Bei Intim-Deodorants für Frauen können gefährliche Bestandteile unter anderem unbekannte Duftstoffe, Parabene (krebserregend) und Benzethoniumchlorid sein. Schon 1998 warnte das Bundesinstitut für Risikobewertung vor Benzethoniumchlorid, da es zu Hautreizungen führen kann.

Ein weiteres Produkt sind Cremes gegen Juckreiz im Intimbereich. Unter anderem wurden bei den Untersuchungen Parabene (krebserregend), Methylisothiazolinone (Allergieauslöser) und Benzocain (Betäubungsmittel) gefunden. Diese Inhaltsstoffe können zu Störungen im Hormonsystem, allergischen Ausschlägen und Juckreiz führen.

Allerdings kann man nicht auf den ersten Blick erkennen, ob sich in Tampons oder Binden gefährliche Stoffe befinden. Weder in den USA noch in der EU gibt es eine Kennzeichnungspflicht für die Inhaltsstoffe von Tampons, Binden und Slipeinlagen. In diesem Bereich gibt es lediglich den im Jahr 2000 in Kraft getretenen Europäischen Code of Practice für Tampons.

Der Code of Practice beinhaltet die folgenden Punkte:

„Jede Tamponpackung muss einen klar verständlichen Hinweis für die Verbraucherin enthalten, dass die Packung wichtige Informationen bezüglich des menstruellen toxischen Schocksyndroms (TSS), einer seltenen, aber ernstzunehmenden Erkrankung, enthält (…).“ Zudem müssten in jeder Packung „entsprechende Anweisungen beigefügt werden, die klare Ratschläge und Anleitungen zum richtigen Gebrauch der Tampons geben“. Auch sollten die jeweiligen Saugstärken der Tampons gekennzeichnet sein. Von der Kennzeichnung von Inhaltsstoffen ist nirgendwo die Rede. Lediglich heißt es zur Produktsicherheit: „Die Tamponhersteller werden weiterhin ihren Verpflichtungen gemäß der Europäischen Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit (Richtlinie 2001/95/EG vom 03. Dezember 2001, Amtsblatt der EU Nr. L 11/4 vom 15.01.2002) nachkommen.“

Eine Stellungnahme von Seiten der EU bezüglich der fehlenden Kennzeichnungspflicht war bisher noch nicht zu erhalten, auch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat die Redaktion auf eine spätere Auskunft vertröstet.

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *