Marihuana

Professoren starten Petition zur Freigabe von Marihuana

Hundert renommierte Strafrechtler haben eine Petition zur Legalisierung von Marihuana eingereicht. Es ist der bisher gewichtigste Unterstützerkreis, den die Cannabis-Anhänger für ihre Sache reklamieren können.

Vier Millionen Deutsche konsumieren Cannabis und machen sich damit strafbar. Die Hälfte aller deutschen Strafrechtsprofessoren will sich nun für die Legalisierung von Marihuana einsetzen. (Foto: Flickr/Marcus Povey/CC BY 2.0)

Vier Millionen Deutsche konsumieren Cannabis und machen sich damit strafbar. Die Hälfte aller deutschen Strafrechtsprofessoren will sich nun für die Legalisierung von Marihuana einsetzen. (Foto: Flickr/Marcus Povey/CC BY 2.0)

Der renommierte Strafrechts-Professor Lorenz Böllinger aus Bremen hat eine Petition zur Legalisierung von Marihuana gestartet. Er hält es für falsch, dass Konsumenten kriminalisiert werden. Die Petition hat bereits 106 Unterzeichner – ausschließlich Kollegen aus dem Bereich des Strafrechts. Die Gruppe ist die bisher prominenteste, die sich öffentlich für die Legalisierung von Cannabis einsetzt.

Böllinger bringt für das Thema besonders viel Kompetenz mit: Er ist emeritierter Professor und Leiter des Bremer Instituts für Drogenforschung. Er hat sich über Jahrzehnte mit dem Thema beschäftigt.

Seine Kritik an der Rechtslage ist eindeutig: Es sei völlig widersinnig, dass Cannabis-Konsumenten kriminalisiert werden. Böllinger nennt das Verhalten vom Staat „entgegen jeder Vernunft oder Empirie“. Die Verfolgung wurde massive Kosten verursachen, auf dem Schwarzmarkt werden gesundheitsschädliche Streckmittel dem Cannabis beigemischt und dem Staat entgehen enorme Steuereinnahmen, so der Professor. Es wäre besser, die Gelder zur Strafverfolgung in die Suchtberatung zu investieren.

Für seine Petition hat Böllinger alle 240 Strafrechtsprofessoren in Deutschland angeschrieben. 105 Professoren unterstützen seine Petition. Er hofft, dass er sich so bei den Abgeordneten des Bundestages Gehör verschafft: Alle Unterzeichner hätten vom Strafrecht und den strafrechtlichen Konsequenzen mehr Ahnung als ein durchschnittlicher Bundestagsabgeordneter.

Die Kriminalisierung von Cannabis erreiche selten „die großen Fische“. Dafür gefährde es mit „schwer nachvollziehbaren Fahrverboten“ berufliche Existenzen reiner Konsumenten. Diese Gefahr besteht für die fünf Prozent der Deutschen, die Cannabis rauchen, so Böllinger in einem Interview der Juristen-Fachwebsite Legal Tribune.

Böllinger erklärt seine Herangehensweise:

„Unsere Petition unterscheidet sich insofern von anderen, als wir keine direkte Legalisierung fordern, sondern in einem ersten Schritt nur die Einsetzung einer Enquete-Kommission. Diese soll die mutmaßlichen Konsequenzen einer Legalisierung dem Status quo, den kontraproduktiven Auswirkungen der Kriminalisierung gegenüberstellen und schließlich eine Empfehlung an den Gesetzgeber aussprechen. Das alles soll frei von Ideologien und gestützt auf praktische Erfahrungswerte aus anderen Ländern und wissenschaftliche Daten erfolgen. Wenn die Empfehlung dann lautet, das Verbot aufzuheben, kann man immerhin hoffen, dass die Regierung dafür ein offenes Ohr haben wird.“

Durch eine Legalisierung von Cannabis würden auch die Zahl der Konsumenten keinesfalls ansteigen. Ein Vergleich zu den Niederlanden liefere den praktischen Beweis. Auch der Mythos der Einstiegsdroge sei frei erfunden, so der auf Drogendelikte spezialisierte Professor.

In den USA ist bereits ein Mentalitätswandel zu dem Thema bemerkbar. Immer mehr amerikanische Bundesstaaten lassen Marihuana für den medizinischen Gebrauch zu, in zwei Staaten ist es auch als reines Genussmittel erhältlich. Medizinisches Marihuana wird sogar bei Haustieren immer öfter eingesetzt (mehr hier).

In Deutschland gibt es ebenfalls eine aktuelle Debatte über die Freigabe von Cannabis. In Berlin wird gerade die mögliche Eröffnung eines Coffeeshops diskutiert. Die grüne Kreuzberger Bürgermeisterin Monika Herrmann sieht das als einzige Lösung, um den Görlitzer Park von Dutzenden Dealern zu befreien.

Kommentare

Dieser Artikel hat 7 Kommentare. Was ist Deiner?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  1. Weil es nicht angehn kann, das DIE Pharmerindustrie UNS systhematisch VERGIFTEN darf…und EINE HEILPFLANZE wird Als Suchtpflanze eingestuft??
    Alkohol und Zigaretten sind legal???
    Und Cannabis NICHT ????
    KREBS KRANKE SOLLN CHEMO kriegen; Um GESUND zu werden????
    Aber MED. CANNABIS muß bei der OPIUMSTELLE beantragt werden gegen BARES versteht sich!!!
    In WAS für einen Kaputten und verlogenen Welt muß ich vegetieren,
    WEIL ICH KEINE MEDIKAMENTE der PHARMERINDUSTRIE nehmen WILL!?!?!?!

    ICH BIN FÜR DIE FREIE ABGABE UND LEGALIESIERUNG VON CANNABIS!!!

    SO UND NUN BLEIBT UNS NUR NOCH DIE HOFFNUNG!!!!

  2. Falls die Herren mal ueber den Tellerrand hinaussehen wollten, dann wuerde sich alles eruebrigen, den Cannabis ist absolut harmlos und muss keinerlei Regulierung unterliegen.

    Bzgl. dem Jugendschutz, nun da verweise ich auf folgendes:

    Cannabis ist so gutartig, es heilt selbst die schwaechsten unter uns, unsere Kinder:
    http://www.usnews.com/opinion/articles/2013/01/07/medical-marijuana-is-safe-for-children?page=2

    Was die immer noch weit verbreitete Irrannahme der Psychose betrifft, nun auch das ist hiermit widerlegt:

    http://www.leafscience.com/2013/12/08/marijuana-cause-schizophrenia-harvard-study-finds/

    … frage mich was nun noch so als Begruendung angefuehrt wird um Cannabis ins Strafrecht mit einzubeziehen?

  3. Dieses Vorgehen ist nur zu unterstützen. Natürlich der Konsum von Cannabis zu Genusszwecken nicht gesundheitsfördernd.
    Im Vergleich zu Alkohol oder Tabak ist diese Substanz imho vergleichbar gefährlich.

    Die Menschen die Cannabis besitzen zu Straftätern zu machen hilft niemanden und macht dem Umgang mit der Substanz auf dem Schwarzmarkt um ein vielfaches gefährlicher.

  4. Hallo, Ihr Lieben
    Ich heiße Markus und rauche 30 Jahre Cannabis und trinke keinen Alkohol. Bin seid längerer Zei Schmerzpatient und kann Cannabis zusätzlich zum Genuss positiv nutzen gegen meine Schmerzen.
    Ich bin für eine Legaliesierung von C., ist wie ein Kontaktladen für
    Konsumenten. Ich bräuchte nicht mehr alleine rauchen. Könnte in den
    Shop gehen, mit anderen Konsumenten reden, Kaffee trinken und Spiele spielen. Gibt ja sonst nichts, wo man hingehen kann, wenn ich alleine bin. Kneipen mag ich nicht!
    Ich fordere einen Bürgerentscheid für eine Legaliesierung, Einführung von Shops.
    Vorteile: Qualitätssicherung, zusätzlich Steuergeldeinnahmen, die man
    nutzen kann, Trennung der Märkte von harten und weichen Drogen.
    Und vieles andere.
    Gruß Markus

  5. Alkohol ist die erste Droge die ich bereits mit 11 Jahren kennen gelernt habe!!!!!

    Unterstellt die UNO nun tatsächlich den Jugendlichen, sie würden durch die Legalisierung angeblich noch schneller auf den schlechten weg kommen durch noch früheren Konsum.

    Denkt einmal jemand soweit, dass wenn wir es legalisieren, der Reiz der Jugendlichen das Verbot zu ignoreiren sinkt?

    Macht doch kein SPaß dinge zu tun die erlaubt sind als Kiddi!
    Besonders wenn man dann noch die Kinder sensibilisiert auf deren auswirkungen usw… Aber wie will man das seinen Kinden belehren, wenn die Eltern schon verdummt ohne Wissen an das Thema herrangehen als wäre es der Teufel…..

    SO viel inkompetenzen die in der Politik nichts anderes wollen, als den Profit der Geschellschaft auf unlogische Weise zu modolieren.

    Denkt mal nach warum es überhaupt verboten wurde!!!!

    WEil ihr shice Politiker Angst habt, dass ihr Neuland betretet von den Ihr nämlich Null Ahnung habt.

    Merkt euch meine WOrte meinen Namen, ich werde sobald es auch nur Möglich ist in Deutschland als Aktiver Legalist der Drogenpolitik zuzusteigen, eine Meinung darlegen, die jeder Kiffer bestätigen kann und wird.

  6. Hallo zusammen
    Ich bin 49 Jahre alt und nun seit 29 Jahren „Dauerkonsument“, leite seit 25 Jahren die IT eines mittelständigen Unternehmens. (was ich nur erwähne, weil der Konsum ja angeblich doof macht.)
    Ich zahle meine Steuern, war nie arbeitslos, keine Vorstrafen… nichts dergleichen.
    Seit 29 Jahren bin ich also „kriminell“, seit 29 Jahren muss ich mich in Kreisen bewegen, welche ich unter anderen Umständen eher meiden würde. Seit 29 Jahren “ muss“ ich mich darauf verlassen, dass kein Dealer irgendeinen Mist reinmischt. 29 Jahre Stress, nur weil ich mich für diese Art Konsum entschieden habe. Es werden immer Menschen Cannabis konsumieren…und es werden mehr.
    Es wäre schön, wenn ich vielleicht bis zur Rente keinen Dealern mehr hinterherrennen muß.
    beste Grüße…