Gesellschaft

Nato-Krieg macht Afghanistan zum größten Opiumproduzenten

Afghanistan steigert den Anbau von Schlafmohn und bleibt weltweit führend in der Opiumproduktion. Der ehemalige Chef der UNODC hält den Drogenkrieg für eine reine Inszenierung. In Afghanistan blühe die Korruption. Die internationalen Banken profitieren durch Geldwäsche massiv vom Drogenhandel.

 Afghanische Bauern produzieren so viel Schlafmohn wie nie zuvor. Die Anbaufläche umfasst in etwa die Größe des Saarlandes. Aus der Pflanze wird Roh-Opium gewonnen, was wiederum zur Heroinproduktion eingesetzt wird. (Foto: Flickr/Nuuuuuuul/CC BY 2.0)

Afghanische Bauern produzieren so viel Schlafmohn wie nie zuvor. Die Anbaufläche umfasst in etwa die Größe des Saarlandes. Aus der Pflanze wird Roh-Opium gewonnen, was wiederum zur Heroinproduktion eingesetzt wird. (Foto: Flickr/Nuuuuuuul/CC BY 2.0)

Nach zwölf Jahren Besatzung durch amerikanische und europäische Truppen stellt Afghanistan ein neues Allzeithoch für den Anbau von Schlafmohn auf. Das geht aus einem Bericht des United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC) hervor.

Aus Schlafmohn wird Roh-Opium gewonnen. Dieses stellt den Hauptbestandteil der Heroin-Produktion dar. Dem Bericht zufolge wurde Schlafmohn im Jahr 2013 auf 209.000 Hektar Landfläche angebaut. Das entspricht in etwa der Größe des Saarlandes. Der vormalige Rekord wurde im Jahr 2007 mit einer Anbaufläche von 193.000 Hektar aufgestellt. Im Vergleich zum Jahr 2012 wurde die Produktion um 36 Prozent ausgeweitet. Die größten Anbauflächen befinden sich in den Provinzen Helmand und Kandahar.

Seit der Stationierung amerikanischer Truppen im Jahr 2001 wachsen der Schlafmohnanbau und die Opiumproduktion in Afghanistan kontinuierlich an. Im Jahr 2001 waren es noch 8.000 Hektar und 135 Tonnen Opium. Das war der tiefste Stand seit Aufzeichnung der Daten durch die UNODC. Ein Jahr später wurden schon 74.000 Hektar genutzt, um 3.400 Tonnen Opium zu produzieren. Diese Tendenz setzte sich weiter fort, bis die Produktion im Jahr 2009 leicht einbrach. Dies wird mit dem Wiedererstarken der Taliban in Verbindung gebracht. Diese verbieten den Anbau von Schlafmohn und den Handel mit Drogen.

Unter US-Präsident Barack Obama wurde die Truppenstärke des amerikanischen Militärs dann mehr als verdreifacht. Bei seinem Amtsantritt im Januar 2009 waren etwa 32.000 Soldaten in Afghanistan. Im September 2010 waren es schon 98.000 Soldaten. Es folgte eine Großoffensive gegen die Taliban in Helmand und Kandahar. Unter der verstärkten Präsenz von US-Truppen in den Provinzen erholte sich auch die lokale Opiumproduktion von 3.600 Tonnen im Jahr 2010 auf 5.800 Tonnen im folgenden Jahr.

Afghanistan stellt mehr Anbaufläche für Schlafmohn zur Verfügung als alle anderen Länder der Welt zusammen. Aus einem Bericht des UNODC zur weltweiten Drogenproduktion geht hervor, dass Afghanistan 2011 etwa 131.000 Hektar Land für den Schlafmohnanbau nutzte. Zweitgrößter Produzent der Welt war Myanmar mit etwa 76.000 Hektar Landfläche. Darauf folgten Mexiko mit 12.000 Hektar und Laos mit 4.100 Hektar. Alle übrigen Länder kamen zusammen auf etwa 16.100 Hektar.

Die afghanischen Landwirte bauen den Schlafmohn vorwiegend aufgrund des hohen Verkaufspreises an. Dieser sank zuletzt von 163 Dollar auf 142 Dollar pro Kilogramm Opium. Allerdings werden im weiteren Handel mit Opium und Heroin ganz andere Beträge umgesetzt. Der Wert des gesamten afghanischen Opiums aus diesem Jahr wird auf eine Milliarde US-Dollar geschätzt. Daraus wird das deutlich teurere Heroin hergestellt, das in reiner Form für bis zu 400 US-Dollar pro Gramm verkauft wird. Afghanistan ist also nur der Ausgangspunkt für einen weltweiten Milliardenmarkt.

In einem Interview mit CNN äußerte sich der ehemalige Chef des UNODC, Antonio Maria Costa, zum sogenannten „Krieg gegen die Drogen“. Er sagte, dieser Krieg sei inszeniert und von Korruption gekennzeichnet. Regierungsbehörden würden häufig mit den Kartellen gemeinsame Sache machen. Zudem profitierten große Banken durch Geldwäsche vom Drogenhandel. Als Beispiel nennt Costa die Wachovia Bank, die im Jahr 2010 für die illegale Geldwäsche von 460 Milliarden US-Dollar für schuldig befunden wurde. Ähnlich verhalte es sich mit Citigroup und HSBC, die ebenfalls in Geldwäsche im Zusammenhang mit dem Drogenhandel verstrickt sind.

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  1. Der beschriebene Ansatz mag zunächst träumerisch erscheinen, hat aber Wirkungen, die uns viele Sorgen nehmen.
    Das Gegenmittel:
    In Europa existieren Schlafmohnsorten (papaver somniferum), die nur 1% der Opiate enthalten, die der afgh. Schlafmohn enthält.
    Diese Sorten wurden gezüchtet, um hohe Ölerträge zu generieren.
    Besonderheit:
    Der afgh. und der europ. Mohn läßt sich einerseits
    miteinander kreuzen, andererseits ist er bis zur Kelchbildung nicht
    unterscheidbar. Mohnsamen sind sog. Flachkeimer, d.h. werden kaum bei Aussaat mit Erde bedeckt. Gegenüber Nahrungspflanzen besitzen sie keine Konkurrenzkraft.
    Strategie:
    Ausbringen von europ. Mohnsamen während der Auspflanzeit des afg. Mohns. Hierbei werden z.B. aus großer Höhe diese Saaten verteilt, (Militärs verfügen über die Expertise, Radar-Irritatoren, shuff) oder per Drohnen. (ca. 1,5 t pro Aktion)
    Insgesamt sind ca. 100 t europ. Mohnsaaten erforderlich, um eine
    Kontamination von 50% zu erreichen. (ca. $ 2 Mio.)
    Effekt:
    Steuerbare Dezimierung des Ertrages/ha an Opiaten. Der Bauer
    ist nicht in der Lage morphinstarke bzw. -schwache Pflanzen zu unterscheiden. Er ist allerdings gezwungen die Keimlinge zu vereinzeln, um ihnen Raum zu verschaffen. (ähnlich den Zuckerrüben)
    Fazit:
    Die Opiumproduktion lohnt sich in A. nicht mehr. Gegenmittel existieren nicht, d.h. es kann mit offenen Karten gespielt werden. Der Druck von Warlords und Drogenbaronen auf die O-.Bauern verpufft. Nahrungsmittelproduktion wird attraktiv.
    Kontakte und Veröffentlichungen:
    Mit der UNODC/Wien habe ich im Juni 2009 bereits Gespräche geführt. Mir liegt eine vollständige Ausarbeitung vor, incl. der Stellungnahme führender dt. Politiker, des AA, des brit. AA etc.
    1. Die Vorgehensweise der Drogenbekämpfung finden Sie
    detailliert unter : http://community.zeit.de/user/burdorfbm/beitrag/2009/11/07/drogenanbau-afghanistan-die-alternative-f%C3%A4llt-vom-himmel
    2. Titelblatt „The Star“ , Toronto: http://www.thestar.com/article/695236