Schnitzel à la Rompuy

Restaurants müssen künftig nach EU-Vorgaben kochen

Restaurant-Besitzer müssen schon bald ihre Speisekarten überarbeiten. Die EU zwingt die Wirte, 14 Lebensmittel, die Allergien auslösen können, ausdrücklich aufzuführen. Die damit verbundene Bürokratie wird Wirte zwingen, vermehrt Fertigprodukte zu nutzen. Genau das bezweckt die globale Lebensmittel-Industrie, die für die Verordnung heftigste Lobbyarbeit betrieben hat.

Die EU-Kommission will genau kennzeichnen, was im Essen der EU-Bürger enthalten ist. (Foto: Consilium)

Die EU-Kommission will genau kennzeichnen, was im Essen der EU-Bürger enthalten ist. (Foto: Consilium)

Wer künftig im schönen Österreich Urlaub macht, dürfte sich an neue Speisekarten gewöhnen müssen. Denn die EU greift massiv in die Herstellung von Speisen in Restaurants ein. Und zwar flächendeckend.

14 Lebensmittel, die Allergien oder Unverträglichkeiten auslösen können, müssen zukünftig in der Speisekarte gut leserlich deklariert werden. Dazu gehören Milchprodukte, Nüsse, Senf, Sellerie oder Eier. Die von der EU beschlossene Lebensmittel-Informationsverordnung gilt sowohl für Imbissbuden als auch für Sterne-Restaurants.

Die Gastwirte sind empört: Sie wollen sich nicht in die Karten blicken lassen, ist das eine Argument. Vor allem aber erwarten sie den obligaten bürokratischen Wahnsinn, wenn nun jedes Gericht in seine EU-Normen zerlegt werden muss.

Die Einmischung der EU in die Kochtöpfe sorgt vor allem im historischen Feinschmeckerland Österreich für Aufregung. Die Köche müssen sich mit der neuen Verordnung streng ans Rezept halten. Selbst ein Schuss Sahne in die Suppe ist verboten, wenn es nicht so in der Speisekarte aufgeführt ist. Die Gastronomen fürchten, dass die Individualität in den Küchen verschwinden wird. Die Verordnung beinhaltet auch Bestimmungen für verpackte Lebensmittel, etwa über Menge, Nährwert oder Ursprung.

Josef Bitzinger von der Wiener Wirtschaftskammer hat davor Sorge, dass Restaurantbesitzer künftig vermehrt auf industrielle Fertigprodukte zurückgreifen könnten. Die Industrie habe die Verordnung von Beginn an stark gefördert, zitiert ihn die Tageszeitung Die Presse. Die Verordnung gilt ab Dezember 2014.

Dabei ist der Denkansatz logisch. Wer die Inhaltsstoffe in seiner Nahrung kennt, soll sich besser vor Allergien schützen können.

Zum Beispiel kann eine ballaststoffreiche Kost ein neuer Therapieansatz für das allergische Asthma sein. Tierexperimentelle Studien im Fachjournal Nature Medicine zeigen, dass eine ballaststoffreiche Kost über eine Veränderung der Darmflora Fernwirkungen auf Knochenmark und die Atemwege erzielt und dadurch allergische Reaktionen abschwächt.

Die Ernährungsgewohnheiten der Menschen haben sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Der Anteil der Ballaststoffe ist zugunsten von Kohlenhydraten und Fetten gesunken, die leicht vom Darm resorbiert werden können. Gleichzeitig ist es zu einem Anstieg von allergischen Erkrankungen in der Bevölkerung gekommen, berichtet das Ärzteblatt. Das Team um den Biologen Benjamin Marsland von der Universität Lausanne vermutet zwischen beiden Entwick­lungen einen Zusammenhang, dem es in einer Reihe von Experimenten nachgegangen ist.

Ob die Ernährung auch beim Menschen einen Einfluss auf die Allergiebereitschaft hat, ist aber noch nicht bewiesen. Dazu bedarf es neuer Studien, die untersuchen, ob Menschen, die sich ballaststoffreich ernähren, seltener an Asthma erkranken. Ist das der Fall, dann könnten Diäten entwickelt werden, die das Allergierisiko verringern oder die Symptome mildern.

 

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *