Gesundheit

Chemotherapie: Milliarden-Geschäft für die Pharmaindustrie

Die Behandlung von Krebspatienten mit einer Chemotherapie ist ein Milliardengeschäft für die Pharmakonzerne. Aber auch Krankenhäuser profitieren von der scheinbar besten Methode im Kampf gegen den Krebs. Aber nicht jeder Krebs spricht auf die Chemotherapie an. Spezielle Tests könnten dies im Vorhinein ausschließen. Doch die Pharmaindustrie hat daran kein Interesse und Studien diesbezüglich sind ohne die Pharmariesen kaum finanzierbar.

Über 50.000 hormonell bedingte Neuerkrankungen bei Brust- und Prostata-Krebs gibt es jedes Jahr. (Foto: Flickr/marknewell/CC BY-SA 2.0)

Über 50.000 hormonell bedingte Neuerkrankungen bei Brust- und Prostata-Krebs gibt es jedes Jahr. (Foto: Flickr/marknewell/CC BY-SA 2.0)

Die Chemotherapie wird seit vielen Jahren als einzig vielversprechende Therapie zur Bekämpfung von Krebs wahrgenommen. Das liegt jedoch nicht an ihrer Wirksamkeit, sondern vor allem an positiven Studienergebnissen. Oft geht es bei der Chemotherapie nicht um den Patienten. Vielmehr geht es um immense Gelder, die mit einer solchen Therapie verdient werden können.  Dabei könnte die Chemotherapie viel wirksamer sein, als sie es bisher ist.

Therapie muss individualisiert werden

„Chemotherapie ist genial“, so Astrid Kohl, Fachärztin für Innere Medizin in Berlin. Aber bei bestimmten Krebstumoren sei diese eben mit Vorsicht zu genießen. Von der reinen Leitlinientherapie ist Kohl nicht überzeugt, wichtig sei vielmehr einindividualisierter Therapieansatz. In der Krebstherapie sei dies beispielsweise mit so genannten Chemosensitivitätstests möglich. Dabei werden Tumorteile auf ihre Reaktion hinsichtlich der Chemotherapie untersucht – ist der Tumor resistent, würde eine Chemotherapie erst gar nicht ansprechen.

Doch diese Art der Untersuchung ist keine Kassenleistung. Es fehlen umfangreiche Studien hierfür. „Das liegt daran, dass alle Studien zur Chemotherapie von der Pharmaindustrie bezahlt werden“, sagte Astrid Kohl den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Die Chemotherapie wird von den Krankenkassen bezahlt und die Pharmaindustrie sponsort die Studien, damit sich die Chemotherapie verkauft. „Und warum soll die dann zu Sensitivitätstests Studien finanzieren.“ Denn, „wenn ich im Reagenzglas sehe, dass die Tumorpräparate  Resistenzen gegen eine Chemotherapie zeigen“, würde eine Chemotherapie an dieser Stelle erst einmal gar keinen Sinn machen. „Ich habe eine  Patientin, die ist komplett resistent, was soll ich dann mit der machen?“ In diesem Fall wäre eine Chemotherapie für die Frau Anfang 40 vielleicht sogar eher schädlich (hier).

Zwischen 1.000 und 1.200 Euro kostet es, acht Tumorpräparate bei einem solchen Sensitivitätstest zu testen. Nicht viel, wenn man bedenkt, dass eine Chemotherapie je nach Präparat zwischen 50.000 und 100.000 Euro pro Jahrkosten kann und ein solcher Test die Therapie noch optimieren oder deren Sinn bei einem bestimmten Patienten infrage stellen könnte. Zeigen sich Resistenzen könnte man Kohl zufolge schon frühzeitig überlegen, ob man eine Chemotherapie zum Beispiel mit anderen Therapien, wie der Immuntherapie (hier) oder Hyperthermie (Wärmebehandlung) unterstützt. „Bei dieser Art der Wärmetherapie verändert sich durch die Hitze noch einmal die Membran der Zellen.“ Das Eiweißprofil werde geändert und die Tumore könnten so mehr Chemotherapie aufnehmen.

Gute Medizin benötigt Zeit

Doch die Pharmaindustrie interessiert sich nicht für eine solche Optimierung im Einzelfall. Das Milliardengeschäft läuft auch ohne die Tests und auch eine nicht erfolgreiche Chemotherapie beschert den Pharmariesen satte Gewinne. Zwar kann der Patient immer am Ende noch entscheiden, ob er den Leitlinien seines Arztes ohne einen Sensitivitätstest folgt. „In der Regel aber wird der Onkologe schon Druck machen“, so Kohl zu den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Aber wenn „wir die Therapie individualisiert machen und mit komplementärmedizinischen Maßnahmen wie der Hyperthermie kombinieren, dann erlebt man doch manchmal Wunder“.

Individualisiert heißt jedoch auch, sich Zeit für den Patienten zu nehmen. Doch dies rentiert sich in der heutigen Medizin kaum mehr. „Die sprechende Medizin wird nicht bezahlt“, sagt Kohl den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Es werde ignoriert, dass gute Medizin Zeit brauche. Wenn ich für anderthalb Stunden Gespräch mit dem Patienten 100 Euro kriege, habe ich noch nicht mal die Fixkosten von Miete und zwei Mitarbeitern gedeckt.

Vorsicht vor Pflanzenpräparaten

Die fehlende Zeit zur individuellen Therapie zeigt sich auch im Verschreiben von zusätzlichen Präparaten bei der Chemotherapie. So gibt es viele Präparate aus dem Pflanzenbereich. Aber nur weil diese mutmaßlich biologischer Natur sind, geht von ihnen nicht per se eine positive Wirkung aus, warnt Kohl. Diese sollen zytostatisch wirken – das Wachstum der Zellen hemmen. Dies zeigt sich bei den unbekannten Auswirkungen dieser Kräuter auf die Leber. „Wenn ich einen Patienten habe, der eine Chemotherapie bekommen hat, hat dieser schon eine belastete Leber“, so Kohl. „Stellen Sie sich vor, ich gebe ihm jetzt noch eine Pflanze – da weiß doch keiner, was passiert. Die Pflanzen müssen doch auch über die Leber entgiftet werden.“

Krebs durch Umwelteinflüsse nimmt zu

Anders ist dies bei Lebensmitteln wie Kurkuma, denen eine positive bei der Bekämpfung von Krebs nachgesagt wird (hier). „Kurkuma ist ein Gewürz, dessen Gebrauch kann man durchaus erhöhen. Auch in der Ernährung hinsichtlich von Krebspatienten und gesunden Menschen besteht noch durchaus Handlungsbedarf!“, so Kohl. „Wir schätzen, dass ungefähr 70 Prozent aller Tumorerkrankungen ernährungsbedingt sind.“ Vor allem die vielen künstlichen Bestandteile in der Nahrung sind das Problem (mehr hier).

Bei den ganzen hormonell abhängigen Tumoren wie Prostata- und Brustkrebs „haben wir jeweils 50.000 Neuerkrankungen pro Jahr, das ist unglaublich“, sagte Kohl den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. „Das sind die ganzen Umweltfaktoren und da spielt die Ernährung natürlich eine große Rolle.“ Aber auch Faktoren aus anderen Lebensbereichen spielen dabei eine Rolle. „Vor zwei Jahren war das in Kinderspielzeug aus China enthaltene  Bisphenol A  ganz groß in den Medien, weil es östrogenstimulierend war“, so Kohl. „Aber trotzdem bauen die Zahnärzte das heute noch jeden Tag als Kunststofflegierung in den Mund.“

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  1. Ehrlich gesagt, habe ich keine Lust auf mehr auf solche Klischee-Artikel. Es ist inzwischen „normale Presse“, dass Industrie immer negativ besetzt sein muß (die Pharmaindustrie natürlich immer etwas schlechter) – es sei denn, es ist Solarstrom oder Windenergie …Eine Abwägung, dass z.B. die Pharmaindustrie natürlich auch viele segensreiche Dinge macht, findet nicht mehr statt – wer produziert z.B. die Chemotherapeutika, von denen Frau Kohl sagt, sie seien genial, unter höchsten Qualitätskriterien. Es wird inzwischen bei allem automatisch negative Absicht unterstellt. Wie gesagt: Auf diese undifferenzierte Berichterstattung habe ich keine Lust mehr. Ich respektiere ehrlichen Journalismus, der Ross und Reiter nennt, aber nicht die plumpe Bedienung von Klischees. Übrigens: Es gibt vielleicht noch nicht überall Tests, aber sie werden entwickelt.