Vorsorge

Umfrage: Arbeitgeber sollen Gesundheitsvorsorge für Angestellte zahlen

Fast zwei Drittel der Arbeitnehmer in Deutschland sehen Lücken im Leistungsangebot der gesetzlichen Krankenversicherung. Eine Kranken-Zusatzversicherung gewinnt zunehmend an Bedeutung. Doch vielen Angestellten fehlt dafür das Geld. Sie wünschen sich betriebliche Unterstützung.

Arbeitnehmer-Budget für die Kranken-Zusatzversicherung (Angaben in Prozent). (Quelle: Towers-Watson-Studie „Kranken-Zusatzversicherung – Bedarf an Gesundheitsleistungen“, 2014)

Arbeitnehmer-Budget für die Kranken-Zusatzversicherung (Angaben in Prozent). (Quelle: Towers-Watson-Studie „Kranken-Zusatzversicherung – Bedarf an Gesundheitsleistungen“, 2014)

Eine Studie der Beratungs-Organisation Towers-Watson zufolge steigt der Bedarf an Gesundheitsleistungen in Deutschland. „Viele Menschen halten sich im aktuellen System der gesetzlichen Krankenversicherung für nicht ausreichend abgesichert“, sagte Sybille Siefer, Leiterin des Beratungsbereichs Benefits-Brokerage bei Towers Watson Deutschland. Der Bedarf nach einer „ergänzenden betrieblichen oder privaten Vorsorge“ ist da. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind allerdings noch unzureichend.

Für die Studie „Kranken-Zusatzversicherung – Bedarf an Gesundheitsleistungen“ wurden rund 1.000 gesetzlich krankenversicherte Arbeitnehmer im Alter von 20 bis 55 Jahren zu ihrer Haltung gegenüber einer betrieblich geförderten Kranken-Zusatzversicherung befragt. Insbesondere im Bereich der Zahnmedizin sowie der allgemeinen Gesundheitsversorgung und -vorsorge sieht rund die Hälfte der Arbeitnehmer einen erhöhten Absicherungsbedarf.

Hoher Absicherungsbedarf stößt an Budgetgrenzen

Die interessantesten Arbeitgeberleistungen aus Arbeitnehmersicht, in Prozent. (Quelle: Towers-Watson-Studie „Kranken-Zusatzversicherung – Bedarf an Gesundheitsleistungen“, 2014)

Die interessantesten Arbeitgeberleistungen aus Arbeitnehmersicht, in Prozent. (Quelle: Towers-Watson-Studie „Kranken-Zusatzversicherung Bedarf an Gesundheitsleistungen“, 2014)

Den Sorgen um die medizinische Grundversorgung folgen kaum Taten. Zuschüsse für Zahnersatz haben zwar 45 Prozent abgesichert, jedoch hat nur rund ein Fünftel der Befragten (22 Prozent) eine Zusatzversicherung für die Zahnprophylaxe abgeschlossen. Für allgemeine Vorsorgeuntersuchungen haben sogar nur 14 Prozent einen Versicherungsschutz erworben. Knapp ein Viertel plant den Abschluss eines Versicherungsvertrags für Zahnersatz oder Zahnprophylaxe noch in diesem Jahr, bei knapp einem Fünftel steht der Versicherungsschutz für Vorsorgeuntersuchungen auf der Einkaufsliste.

Die Zurückhaltung könnte laut Siefer an Budgetgrenzen liegen: Mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) würde maximal 15 Euro pro Monat für eine Kranken-Zusatzversicherung ausgeben, ein weiteres Drittel (33 Prozent) maximal 40 Euro. „Innerhalb dieses Kostenrahmens findet sich jedoch kaum ein adäquates privates Versicherungsangebot“, so Siefer.

Arbeitgeberbeteiligung gewünscht

Unterstützung erwarten Arbeitnehmer daher von den Arbeitgebern: Mehr als die Hälfte der Befragten (58 Prozent) wünscht sich eine arbeitgeberfinanzierte Kranken-Zusatzversicherung. „Damit ist die betriebliche Krankenversicherung nach der betrieblichen Altersversorgung das meistgefragte Arbeitgeber-Benefit“, sagt Siefer. „Für Unternehmen ist das eine Chance: Sie können ihren Mitarbeitern eine gesuchte Zusatzleistung bieten und sich damit im ‚War for Talents‘ als guter Arbeitgeber positionieren. Gleichzeitig können sie das betriebliche Gesundheitsmanagement fördern.“

Den Zugang zu vergünstigten betrieblichen Absicherungskonditionen finden – auch bei einer Finanzierung aus eigener Tasche – 54 Prozent der Arbeitnehmer interessant. „Unter dem Strich ist für den Mitarbeiter eine selbst finanzierte betriebliche Krankenversicherung günstiger als eine vergleichbare private Absicherung“, so Siefer. Betriebliche Tarife bieten häufig einen Beitragsrabatt, der eine etwaige Versteuerung als geldwerter Vorteil überwiegt.

Lückenhafte gesetzliche Absicherung

Gründe für den Abschluss einer Kranken-Zusatzversorgung, in Prozent, Mehrfachnennung möglich. (Quelle: Towers-Watson-Studie „Kranken- Zusatzversicherung – Bedarf an Gesundheitsleistungen“, 2014)

Gründe für den Abschluss einer Kranken-Zusatzversorgung, in Prozent, Mehrfachnennung möglich. (Quelle: Towers-Watson-Studie „Kranken-Zusatzversicherung – Bedarf an Gesundheitsleistungen“, 2014)

Insbesondere mit Leistungen und Behandlungsqualität der gesetzlichen Krankenversicherung scheinen die Versicherten unzufrieden zu sein. Für zwei Drittel der Befragten (63 Prozent) sind Kranken-Zusatzversicherungen sinnvoll, um Lücken im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen zu schließen. Zudem sprechen aus Sicht der Befragten eine bessere Versorgung bei Zahnersatz bzw. Zahnprophylaxe (56 Prozent) sowie eine bessere medizinische Versorgung (54 Prozent) für den Abschluss von Kranken-Zusatzversicherungen.

Am meisten gefragt ist die Zahnersatzpolice (68 Prozent), gefolgt von der Zahnprophylaxeversicherung (57 Prozent) und der Absicherung regelmäßiger Vorsorgeleistungen wie Schutzimpfungen, Gesundheitschecks und Hautkrebsuntersuchungen (49 Prozent). Die Absicherung des Pflegerisikos hat für mehr als ein Drittel der Befragten (35 Prozent) eine hohe Bedeutung.

„Das Gesundheitsbewusstsein steigt weiter“, sagt Miguel Perez, Experte für betriebliche Krankenversicherungen bei Towers Watson Deutschland. „Doch die Angebote der gesetzlichen Krankenversicherungen werden offenbar als lückenhaft wahrgenommen, sodass die Befragten die Notwendigkeit sehen, selbst aktiv zu werden.“

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *