Arzneimittel

Arzneimittelausgaben der Kassen höher als erwartet

Die Ausgaben der Krankenkassen für Medikamente sind erneut gestiegen. Das Arzneimittelneuordnungsgesetz verfehlt seine Wirkung. Die Apotheken profitieren von Zuschüssen für Notdienste und festen Honoraren.

Seit dem 1. Januar 2011 ist das Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes (AMNOG) in Kraft. Dennoch sind die Preise für Medikamente im vergangenen Jahr weiter gestiegen. (Foto: Flickr/Peter_Franz/CC BY-2.0)

Seit dem 1. Januar 2011 ist das Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes (AMNOG) in Kraft. Dennoch sind die Preise für Medikamente im vergangenen Jahr weiter gestiegen. (Foto: Flickr/Peter_Franz/CC BY-2.0)

Die Arzneimittelausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind 2013 entsprechend den gesundheitspolitischen Erwartungen gestiegen. In ihren Rahmenvorgaben für 2013 hatten der GKV-Spitzenverband und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) einen Anstieg von 3,6 Prozent prognostiziert. Tatsächlich wuchsen die Ausgaben um 4,2 Prozent. Das ergeben die aktuellen Berechnungen des Deutschen Apothekerverbandes (DAV).

Hauptursache ist der Zuwachs an verordneten Arzneimittelpackungen um 2,9 Prozentpunkte. 0,9 Prozentpunkte der Steigerung resultieren aus dem teilweisen Ausgleich der gestiegenen Kosten bei der Arzneimittelversorgung durch die Anpassung der Apothekenvergütung und 0,4 Prozentpunkte aus der neuen Pauschale für geleistete Notdienste.

„Das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) hatte den Apothekern in den Jahren 2011 und 2012 ein massives Sonderopfer abverlangt“, sagt DAV-Vorsitzender Fritz Becker. „Nun werden die Apotheken und somit die Strukturen der Arzneimittelversorgung endlich wieder unterstützt. Mit dem geringeren Kassenabschlag, dem erhöhten Festhonorar und dem neuen Notdienstzuschuss bekommen gerade Apotheken, die viele Notdienste leisten müssen, eine bessere Perspektive, ihre Patienten auch künftig optimal versorgen zu können.“ Becker weiter: „Welche Gründe es für das Mehr an Packungen gibt, lässt sich anhand dieser ersten Zahlen nicht beurteilen. Dazu müsste man Morbidität und Demographie noch genauer analysieren.“

Von den auf 28,8 Milliarden Euro (2012: 27,6 Milliarden) gestiegenen GKV-Arzneimittelausgaben abzuziehen sind die Einsparungen der einzelnen Krankenkassen durch die Rabattverträge mit pharmazeutischen Herstellern, die allein in den ersten drei Quartalen 2013 schon 2,1 Milliarden Euro an Rabatten für die GKV erbracht haben (Gesamtjahr 2012: 2,3 Milliarden Euro). Dabei stieg die Zahl der Arzneimittel (mit Hilfsmitteln, Rezepturen, Nichtarzneimitteln), die dieser Erhebung zugrunde liegen, auf 746 Millionen Packungen; davon wurden 582 Millionen rezeptpflichtige Medikamente mit dem Festhonorar laut Arzneimittelpreisverordnung (8,35 Euro) abgerechnet.

Die gesundheitspolitische Stärkung der Arzneimittelversorgung kam 2013 dreifach voran: Nach einem Jahrzehnt ohne Inflationsausgleich wurde das Festhonorar pro Medikament von 8,10 auf 8,35 Euro erhöht. Zudem einigten sich DAV und GKV-Spitzenverband auf eine Absenkung des Kassenabschlags von 2,05 auf 1,80 Euro pro Arzneimittel. Seit 1. August 2013 werden pro Arzneimittelpackung 0,16 Euro als Zuschuss zum Nacht- und Notdienst erhoben. Zum Vergleich: Alle 21.000 Apotheken mit ihren 150.000 Beschäftigten erhalten nur 15,2 Prozent (4,2 Mrd. Euro) der gesamten GKV-Arzneimittelausgaben (Stand 2012).

Von 2007 bis 2010 waren die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenkassen kontinuierlich von 27 Milliarden Euro auf gut 30 Milliarden Euro gestiegen. Nach Inkrafttreten des AMNOG am 1. Januar 2011 sanken die Ausgaben zunächst auf 28,98 Milliarden Euro im Jahr 2011, um danach wieder leicht auf 29,2 Milliarden Euro anzusteigen, wie aus den Zahlen des GKV-Spitzenverbandes hervorgeht.

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