Epidemie

Afrikanische Schweine-Pest bedroht die Fleisch-Industrie

Die Afrikanische Schweinepest breitet sich in Europa aus. Wenn sie Deutschland erreicht, kann das fatale Folgen für die Industrie haben. Massenhafte Notschlachtungen drohen.

Ob die Schweine-Pest bis nach Deutschland vordringt, müssen die Sicherheits-Standards eingehalten werden. (Foto: Flickr/Gunnar Wrobel/CC BY-SA 2.0)

Ob die Schweine-Pest bis nach Deutschland vordringt, müssen die Sicherheits-Standards eingehalten werden. (Foto: Flickr/Gunnar Wrobel/CC BY-SA 2.0)

Nach den ersten Fällen in Litauen, rückt die Afrikanische Schweinepest (ASP) immer näher am die EU-Grenze heran. Auch andere Nachbarländer der EU wie etwa die Ukraine oder Weißrussland meldeten mittlerweile erste Ausbrüche, bestätigte Hans-Hermann Thulke, Seuchenexperte vom Helmholtz Zentrum für Umweltforschung, den Deutschen Gesundheits Nachrichten. „Wie die Ausbreitung nun weiter verläuft, hängt in allererster Linie davon ab, wie sorgsam Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden.“ Am besten werde das Virus über Blut übertragen. Hier reichen schon kleinste Mengen für eine tödliche Infektion bei Mastschweinen und bei wild lebenden Schweinen.

Notschlachtung notwendig

Für den Menschen ist die Afrikanische Schweinepest im „völlig ungefährlich“, sagt Thulke. „Für die meisten unserer Wild- und Hausschweine allerdings, würde die Infektion mit der Virusvariante aus dem Osten sehr schnell (wenige Tage) tödlich enden.“ Wie sich die Krankheit weiter ausbreite. Hänge nun vor allem von den Vorsichtsmaßnahmen ab.

Gegen die Afrikanische Schweinpest gibt es derzeit noch keine Schutzimpfung. Käme die Schweinepest nach Europa, müssten die betroffenen Hausschweinbestände sofort vollständig getötet werden, so Thulke. „In der Konsequenz würden die betroffenen Länder vom Schweinehandel und Export ausgeschlossen.“  Für die Fleischindustrie in Europa und vor allem in Deutschland wäre das eine Katastrophe. 2012 produzierte die EU 22,5 Millionen Tonnen Schweinefleisch – 22 Prozent der weltweiten Produktion, heißt es in einem Bericht des baden-württembergischen Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz. 56 Prozent davon entfallen auf Deutschland, Spanien, Frankreich, Dänemark und Polen. Mit jährlich rund 5,5 Millionen Tonnen ist Deutschland der größte Schweineproduzent der EU. Während die Schweinebestände zuletzt in Mecklenburg-Vorpommern (+18%), Sachsen Anhalt (+4,4%) und Sachsen angestiegen sind, gingen sie in Bayern und Baden-Württemberg jeweils um 12 Prozent zurück. 2012 lag der Kilopreis Schweinefleisch im Jahresdurschnitt bei 1,70 Euro pro Kilogramm.

Viele Wege der Einschleppung

In Afrika ist die Schweinepest „ein täglicher Begleiter bestimmter Ökosysteme“, sagt Thulke. Die Infektion werde über blutsaugende Zecken zwischen den Tieren übertragen – bisher hat man derartige Zecken aber in Europa noch nicht gefunden. „Aber das Virus kann auch durch das Fressen von blutigem Material aufgenommen werden.“ Die Einschleppung des Virus erfolgte bereits vor einigen Jahren über Georgien, wie ist jedoch noch immer nicht bekannt. Lebende Schweine, Samen, tierische Erzeugnisse und Rohstoffe, Speiseabfälle oder infizierte Zecken könnten für die Einschleppung verantwortlich gewesen sein.

Thulke zufolge könnten die hohen Biosicherheitsstandards eine Einschleppung nach Deutschland verhindern. Schließlich sei es untersagt, kranke Tiere mit ins Land zu bringen oder „deren Reste zu verfüttern“. „Allerdings gilt gerade bei der Afrikanischen Schweinepest was für viele ansteckende Tierseuchen gilt: Wenn die beteiligten Menschen sich nicht an Regeln der ‚Good Practise‘ bzw. geltende Vorsichtsmaßnahmen halten, wird die Verbreitung effektiv und schnell geschehen.“ Was dann passiert, könne man gut an der Russischen Föderation „mit jährlichen Ausbreitungsschritten von mehreren hundert Kilometern“ sehen.

Krankheit schwer erkennbar

Neben möglichen Infektionen von Hausschweinen bereitet aber vor allem das Schwarzwild Thulke zufolge den Experten die größte Sorge. „Hier kann man nicht so einfach alles töten und andere Maßnahmen sind momentan nicht verfügbar.“ Das Friedrich –Loeffler-Institut für Tiergesundheit warnt deshalb auch: „Die Erkrankung ist auf Basis klinischer Symptome nicht von der Klassischen Schweinepest (KSP) und anderen schweren Krankheitsverläufen zu unterscheiden!“

Die Bundestierärztekammer ist ebenfalls alarmiert:

„Weil das Virus sehr widerstandsfähig ist, hält es sich in gekühltem Fleisch mehrere Wochen und in gefrorenem Fleisch sogar jahrzehntelang. Auch in gepökelten und geräucherten Waren wie Salami kann der Erreger monatelang überleben. Lebensmittelreste, die Schweinefleisch enthalten und auf Raststätten achtlos weggeworfen werden, können so die Tierseuche auf heimische Wildschweine übertragen.“

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