Innovation

Digitale Medizintechnik ermöglicht Eingriffe in hoffnungslosen Fällen

Die Technik im Operationssaal macht rasante Fortschritte. So sind heute dank 3-D-Bildern Tumoreingriffe möglich, die noch vor kurzem als aussichtslos galten. Mitdenkende Operationssysteme können dem Chirurgen Vorschläge unterbreiten oder Warnungen aussprechen.

Digitale Technik erhöht die Sichtbarkeit in der Chirurgie. (Foto: Flickr/Bratislavsky kraj/CC BY 2.0)

Digitale Technik erhöht die Sichtbarkeit in der Chirurgie. (Foto: Flickr/Bratislavsky kraj/CC BY 2.0)

Der Fortschritt der Medizintechnik macht selbst aussichtslos erscheinende chirurgische Eingriffe möglich. Im Falle einer Frau diagnostizierten Ärzte einen großen, schnell wachsenden Lebertumor. Zunächst sah es so aus, als ob eine lebensrettende Operation nicht in Frage käme. Doch dann erstellten Spezialisten 3-D-Schnittbilder der Leber, teilten das Organ in Segmente ein, berechneten, welche Gefäße durchtrennt werden müssten und welche Gewebeanteile durchblutet blieben – und kamen zu dem Schluss, dass das Restvolumen der Leber ausreichen würde. Der Eingriff fand statt, der Tumor wurde komplett entfernt. Heute ist die Patientin geheilt.

„Die Digitalisierung der Chirurgie wird zu einer faszinierenden Verfeinerung der operativen Techniken führen“, erklärt Professor Dr. med. Joachim Jähne, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH). Die neuen Möglichkeiten der digitalen Medizintechnologie sind ein Schwerpunktthema auf dem 131. Kongress der DGCH, der vom 25. bis 28. März 2014 in Berlin stattfindet.

„Noch vor wenigen Jahren hätte man in einem solchen Fall eine Operation nicht mehr gewagt“, erklärt Professor Dr. med. Hubertus Feußner, Sprecher der Sektion minimal-invasive Computer- und Telematik assistierte Chirurgie der DGCH. „Doch heute ist die Software bei den bildgebenden Verfahren so gut, dass wir Krebsoperationen auch in scheinbar aussichtslosen Fällen planen“, ergänzt der Experte von der Chirurgischen Klinik und Poliklinik am Klinikum rechts der Isar, TU München.

Auch plastische Innenaufnahmen von Geweben oder Gefäßen während der Operation sind heute möglich – dank isozentrischer Durchleuchtungsbögen. Die Geräte machen Röntgenaufnahmen, während sie sich um einen Punkt drehen, so dass ein räumliches Bild entsteht. „Die Bildauflösung ist fast so gut wie bei der zweidimensionalen Computertomografie, gibt jetzt aber dreidimensional die Situation während der Operation wieder“, so Feußner. Das ist etwa bei einer Aneurysma-Operation wichtig, um einen Stent so zu platzieren, dass er das Gefäß optimal abdichtet. „Dies ermöglicht in vielen Fällen minimalinvasive Eingriffe, wo bisher offen operiert werden musste“, erklärt Feußner.

Ein weiterer großer Erfolg ist die unblutige Gewebetrennung mit Ultraschall-Schere oder Ultraschall-Skalpell. Dahinter verbirgt sich ein Stahlstift, der in 40.000 Schwingungen pro Minute versetzt wird. Die Energie trennt die Eiweiße in den Geweben auf, während gleichzeitig Kollagenmoleküle verkleben und die Blutungsquellen versiegeln. „Ultraschall-Schnitte machen die minimalinvasive Chirurgie noch sicherer“, betont Feußner. Die Technologie kommt vor allem bei Eingriffen im Dickdarm, Magen und Leber zum Einsatz.

Weitere Durchbrüche stehen bevor. Mittelständische Firmen entwickeln derzeit „integrierte Interventionsumgebungen“, die dem Operateur zuarbeiten. Dazu zählen Bedienungsoberflächen, die erkennen, in welcher Phase sich der Chirurg befindet und unnötige Funktionen ausblenden. „Oder Systeme, die vorschlagen, den nächsten Patienten zu rufen“, erläutert Feußner. Erste Anwendungen zeigen, dass solche Systeme OP-Leerlaufzeiten einsparen helfen – dreizehn Minuten pro Patientenwechsel. Am Ende dieser Entwicklung könnten „mitdenkende“ Operationssäle stehen, die vor Fehlern warnen und die Patientensicherheit erhöhen.

„Die Herausforderung liegt jetzt darin, die Systeme so auszurichten, dass sie intuitiv zu bedienen sind“, erläutert DGCH-Experte Feußner. „Denn egal, was passiert, der Operateur muss jederzeit Herr der Lage bleiben und das System dominieren.“

 

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