Pharmaindustrie

Pharma-Monopol: Engpässe bei Impfstoffen unausweichlich

Jedes Jahr kommt es bei Impfstoffen zu Lieferengpässen. Exklusivverträge zwischen Pharma-Konzernen und Krankenkassen gefährden eine ausreichende Versorgung. Den Konzernen müsse dennoch gedankt werden, dass sie Impfstoffe überhaupt noch herstellen, so der Impf-Experte Thomas Löscher.

Jedes Jahr wird die Bevölkerung zu Schutzimpfungen aufgerufen, doch meist reichen die Impfstoffe gar nicht. (Foto: Flickr/Daniel Paquet/CC BY-SA 2.0)

Jedes Jahr wird die Bevölkerung zu Schutzimpfungen aufgerufen, doch meist reichen die Impfstoffe gar nicht. (Foto: Flickr/Daniel Paquet/CC BY-SA 2.0)

Derzeit gibt es beim Gelbfieber-Impfstoff Stamaril Lieferengpässe in Deutschland. Im vergangenen Jahr gab es Probleme bei Impfstoffen gegen Tollwut, Typhus und Influenza, weiß der Abteilungsdirektor und Facharzt für Innere Medizin, Infektiologie und Tropenmedizin am Tropeninstitut der Ludwig-Maximilians-Universität München, Thomas Löscher. Ein Zustand, der sich wohl nicht so schnell ändern wird. Impfstoffe seien biologische Präparate, die in einem Kulturansatz bzw. einem Weiterverarbeitungsprozess in einem Ansatz (Charge) für mehrere Monate produziert würden, so Löscher zu den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Das passiere nicht wie bei den meisten Medikamenten in einem definierten chemischen Prozess, sondern in komplexen biologischen Systemen (Nährböden, Zellkultur, Tausenden von Hühnereiern, Anm. d. Red.). „Dabei kann es immer wieder vorkommen, dass eine Charge nicht den Qualitätskontrollen entspricht oder gelegentlich ganz kaputt geht.“ Bis wieder eine neue Charge mit diesem Verfahren produziert werde, könne es dann mehrere Wochen bis Monate dauern.

Ein weiteres Problem bei der Versorgung mit Impfstoffen sei die Tatsache, dass es nur eine geringe Zahl von internationalen Pharmaunternehmen gebe, die größtenteils die Impfstoffe produzierten, sagte Löscher. Aber, „da bei den meisten Impfstoffen nicht viel verdient wird, können wir froh sein, wenn die Firmen weiterhin solche Impfstoffe produzieren, auch wenn die Erträge im Vergleich zu vielen anderen Arzneimitteln gering sind“.

Die Politik sieht Löscher diesbezüglich jedoch nicht in der Pflicht: „Die Politik kann hier nicht allzu viel eingreifen.“ Neben betriebswirtschaftlichen Erwägungen der Hersteller seien unerwartete Chargen-Probleme „durch die Politik weder vorhersehbar noch lösbar“. Entsprechend mager fällt die Aussage zu Impfstoffen im Koalitionsvertrag der Großen Koalition aus:

„Beim Abschluss von Rabattverträgen müssen die Vertragspartner die Versorgungssicherheit gewährleisten, indem sie Maßnahmen gegen Lieferengpässe vereinbaren. Dies gilt insbesondere für Impfstoffe.“

Abgesehen von der komplizierten Produktion der Impfstoffe und der Monopolbildung in der Pharmaindustrie seien aber vor allem die Exklusivverträge zwischen Krankenkassen und Pharmakonzernen ausschlaggebend für Engpässe. 2012/2013 etwa hätte der ausgeschriebene Preiswettbewerb für Influenza-Impfstoffe dazu geführt, dass nur ein Hersteller pro Bundesland einen Zuschlag bekommen habe, so Löscher. „Prompt kam es in diesem Jahr beim Hersteller Novartis zu einem Chargenproblem und es gab zeitweise keinen Grippeimpfstoff.“ Es wäre besser gewesen, auf die Fachleute zu hören und zwei bis drei Hersteller damit zu beauftragen.

Ganz ähnliche Kritikpunkte hat auch der Verband forschender Arzneimittelhersteller. „Exklusive Lieferverträge stehen der Anbietervielfalt und einer schnellen Reaktion auf aktuelle Liefermöglichkeiten der Hersteller im Wege.“ Außerdem verhinderten sie auch, „dass verschiedene Bevölkerungsgruppen mit jeweils für sie besonders geeigneten Impfstoffen geschützt werden können“, erklärt der Verband. Neben dem kassenübergreifenden Impfstoffabschlag wie bisher durch Wettbewerbe noch weitere Rabatte zu fordern, mache den deutschen Markt „für global tätige Hersteller unattraktiv und gefährdet auch unter diesem Aspekt die Versorgungssicherheit mit Impfstoffen“.

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