Medizin

Forscher fischen mit „Angelrute“ nach Krebszellen

Wissenschaftler fischen mit einer winzigen Rute nach Krebszellen. Die Glioblastome können dadurch ohne OP bewegt und an einen zugänglicheren Ort gebracht werden.

Das Prinzip ist einfach. Mit einem Köder werden Krebszellen angelockt und können dann behandelt werden. (Foto: Flickr/captain.orange/CC BY-ND 2.0)

Das Prinzip ist einfach. Mit einem Köder werden Krebszellen angelockt und können dann behandelt werden. (Foto: Flickr/captain.orange/CC BY-ND 2.0)

Eine winzige Rute holt im Gehirn Tumorzellen ein und führt sie aus dem Gehirn hinaus zum Absterben, so könnte man das Verfahren beschreiben, das Wissenschaftler an der Emory University School of Medicine entwickelt haben. Glioblastome gelten als die am häufigsten auftretende und aggressivste Art von Gehirnkrebs bei Erwachsenen. Die Erkrankung ist tödlich und nur sehr schwer zu operieren. Verantwortlich dafür sind die Größe der Tumore und ihre unzugängliche Lage.

Das Team um Ravi Bellamkonda entwickelte nicht noch wirksamere Medikamente, um die Krebszellen im Gehirn abzutöten, sondern überlegte sich, ob die Tumore nicht an einen zugänglicheren Ort bewegt werden könnten. Glioblastomzellen bewegen sich im Gehirn und binden sich an Nerven und Blutgefäße. Um ihren Weg zu verändern, wurde eine Rute aus Polymeren entwickelt, die rund sechs Millimeter lang ist.

Im Inneren der Rute wurde eine dünne, rund zehn Mikrometer dicke Folie angebracht, die die Form von Nerven und Blutgefäßen nachahmt. Die Krebszellen „mögen“ diese Form. Aus diesem Grund sind keine weiteren Chemikalien oder Proteine erforderlich. Am oberen Ende der Rute ist ein Tropfen Gel angebracht, der ein Medikament enthält, das die Zellen der Glioblastome abtötet.

Tumorzellen halten die Rute für Nerven oder Blutgefäße, binden sich an sie und werden am Ende abgetötet. Laut Bellamkonda kommt der Tumor so zu den Medikamenten und nicht umgekehrt. Um das Verfahren zu testen, implantierten die Forscher menschliche Glioblastomzellen in die Gehirne von Ratten. Sie setzten die Rute in den Tumor ein. Das Gel befand sich dabei etwas über der Oberfläche des Schädels. Nach 15 Tagen hatte sich der Großteil der Tumorzellen entlang der Rute weiter bewegt und ihr Ende gefunden.

Auf sämtliche Krebsarten anwendbar

Laut dem Wissenschaftler verkleinerte sich der Tumor, der durch die Rute nach oben gelangte um fast 90 Prozent. „Wir haben sehr genau überprüft, dass wir dem Tumor nicht nur eine andere Möglichkeit des Wachstums gegeben haben. Es hat sich aber gezeigt, dass wir den Tumor von einem Ort an den anderen bewegen konnten.“

Das Verfahren kann einen Patienten nicht vollständig von Krebs befreien. Bellamkonda geht jedoch davon aus, dass ein inoperabler Tumor damit in einen Bereich bewegt werden kann, der näher an der Oberfläche des Gehirns liegt, wo er entfernt werden kann. Durch dreidimensionale Kameratechnik können dann selbst schwierigste Operationen gemeistert werden (mehr hier). Es ist aber auch denkbar, dass der Tumor auf eine Größe schrumpft, die keinen Schaden mehr anrichtet.

Wie Nature Materials berichtet, sind die ins Gehirn eingeführten Ruten so winzig, dass sie zu keinen Störungen führen sollten. Das Team hat das Verfahren im Labor auch an isolierten Brustkrebszellen und Prostatakrebs getestet. Die Wissenschaftler hoffen einem NewScientist-Bericht nach darauf, dass es auch bei vielen anderen Arten von langsam wachsenden Tumoren eingesetzt werden kann.

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