Finanzmarkt

Hohes Stress-Niveau der Händler beeinflusst die Finanzwelt

Aktienhändler, die einem hohen Stresslevel ausgesetzt sind, sind in der Regel weniger risikofreudig. Langfristig hat das Auswirkungen auf den Finanzmarkt.

Aktienhändler an den Börsen sind enormem Stress ausgesetzt. Der Stress, den die Händler in Phasen großer Kursschwankungen erleben, führt häufig zu geringerer Risikofreudigkeit. Die sinkende Bereitschaft Risiken einzugehen, führt allerdings wiederum dazu, dass Finanzkrisen länger andauern, als sie eigentlich müssten. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der britischen University of Cambridge unter der Leitung des Neurowissenschaftlers und früheren Wall-Street-Händlers John Coates.

Sowohl individuelle Anleger als auch Unternehmen tendierten dazu, während Krisenzeiten in eine Art Schockstarre zu verfallen, obwohl sich gerade dann die besten Kaufgelegenheiten böten. Doch um eine Finanzkrise zu überwinden, bedürfe es risikofreudiger Händler, so der Forscher. „Die Stressreaktion könnte deshalb dazu führen, dass die Instabilität der Märkte übertrieben und Krisen hinausgezögert werden“, sagte Coates der Financial Times.

Das Wissenschaftlerteam um Coates untersuchte eine Gruppe von Händlern aus der City of London auf ihren Stresslevel. Während einer achttägigen Phase starker Marktschwankungen trat das Stresshormon Cortisol bei den Händlern um 68 Prozent häufiger auf, so die Wissenschaftler.

In einer Doppelblindstudie erhöhten die Forscher bei einer Versuchsgruppe die Werte des Stresshormons Cortisol mittels Tabletten. Der Anstieg entsprach dabei ebenfalls 68 Prozent binnen acht Tagen. Danach ließen sie die Probanden ein auf Anreizen basierendes Spiel spielen, um ihr Verhalten zu untersuchen. Der Hang zum Risiko brach bei den Probanden um 44 Prozent ein, wenn ihre Stresswerte erhöht waren.

Neurowissenschaftler John Coates denkt, dass dies weitreichende Auswirkungen für die Finanzwelt hat. „Es gibt einen sehr starken physiologischen Effekt, der eine Rolle auf den Märkten spielt – und weder die Händler noch die Risikomanager oder Politiker sind sich dessen bewusst“, sagte Coates.

Zudem würde die Studie eine grundlegende Annahme der Ökonomie – das Risikoverhalten sei stets stabil – in Zweifel ziehen. „Diese Annahme […] unterliegt beinahe jedem wirtschaftlichen Modell und, wie es scheint, jedem Indikator der Börsenstimmung“, so Coates weiter.

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