Industrie

Impfbefürworter haben enge Kontakte zur Pharmaindustrie

Viele Forscher, die 2009 zu Impfungen gegen die Schweinegrippe aufriefen, hatten enge Kontakte zu Impfstoffherstellern. Die WHO hat Interessenskonflikte im Zusammenhang mit der H1N1-Pandemie als Verschwörungstheorie abgeschmettert.

Es gab keine wissenschaftliche Basis für die WHO-Prognose von zwei Milliarden möglichen H1N1-Fällen. (Foto: Flickr/Offutt Air Force Base)

Es gab keine wissenschaftliche Basis für die WHO-Prognose von zwei Milliarden möglichen H1N1-Fällen. (Foto: Flickr/Offutt Air Force Base)

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht sich erneut mit schweren Vorwürfen aufgrund ihres Verhaltens während der Ausbreitung der Schweinegrippe von 2009 konfrontiert. Demnach hätten Wissenschaftler im Namen der WHO die Lage unnötig dramatisiert und zum massenhaften Impfen gegen den H1N1-Virus aufgerufen, obwohl die Wirksamkeit der jeweiligen Impfstoffe fragwürdig gewesen sei. Profitiert haben davon vor allem die Pharmakonzerne, die die Impfstoffe hergestellt hatten.

„Es gab keine wissenschaftliche Basis für die WHO-Prognose von 2 Milliarden möglichen H1N1-Fällen. Die WHO blieb bei dieser Prognose, obwohl nach dem Winter in Australien und Neuseeland klar war, dass nur 1 bis 2 Fälle auf 1000 Einwohner kamen. Und schließlich änderte die WHO einfach die komplette Definition einer Pandemie“, sagten Deborah Cohen und Philip Carter, die Autoren einer Untersuchung der Interessenskonflikte in der WHO.

Die gemeinsamen Recherchen des British Medical Journals (BMJ) und des Büros für Investigativen Journalismus (BIJ) ergaben, dass die WHO massive Interessenskonflikte ignorierte. Demnach hatten führende Wissenschaftler, die sich öffentlich für den Einsatz von Impfstoffen starkmachten, enge Verbindungen zu den Pharmafirmen, die diese Impfstoffe herstellten.

Eine Medienanalyse des BMJ kommt zu dem Schluss, dass die „Experten“, die sich öffentlich zur Schweinegrippe äußerten und den Einsatz von Impfstoffen forderten, mit achtmal höherer Wahrscheinlichkeit auch Verbindungen zum Pharmasektor hatten als moderate Wissenschaftler. Pharmakonzerne wie GlaxoSmithKline (GSK) und Roche steckten etwa 4 Milliarden Dollar in die Entwicklung von Impfstoffen wie Tamiflu oder Relenza.

„Diese Interessenkonflikte sind von der WHO niemals öffentlich dargelegt worden, Nachfragen über ihre Handhabung der H1N1-Pandemie wurden von der WHO als ‚Verschwörungstheorie‘ abgetan“, so die Autoren weiter.

Die Wirksamkeit der Impfstoffe selbst war zudem hoch umstritten gewesen. So stehen einige der Impfstoffe im Verdacht, bei Kindern Narkolepsie auszulösen, wie das BMJ berichtete.

„Einige Ergebnisse der Pandemie […] waren dramatisch: Störung der Prioritäten des öffentlichen Gesundheitssystems in ganz Europa, Verschwendung von gigantischen Summen an Steuergeldern, das Schüren von ungerechtfertigter Angst unter Europäern, die Schaffung von Gesundheitsrisiken durch Impfstoffe und Medikamente, die nicht ausreichend getestet wurden, bevor sie in Schnellverfahren zugelassen wurden“, so Deborah Cohen und Philip Carter über ihre Untersuchungsergebnisse.

„Ein Jahr später wickeln Regierungen, die sich von der WHO berieten ließen, ihre Impfstoffverträge ab. Impfstoffe wie Oseltamivir (Tamiflu) und Zanamivir (Relenza) im Wert von mehreren Milliarden Dollar wurden von Gesundheitsbudgets gekauft, die ohnehin schon unter großen Spannungen standen. Sie liegen weltweit ungenutzt in Lagerhallen herum“, so die Autoren weiter.

Auch die deutsche Regierung ließ sich damals von der Panik anstecken und orderte 34 Millionen Impfstoffdosen. Die Nachfrage war gering und die Impfstoffe verfielen. Die Bundesländer blieben auf Impfstoffen im Wert von 239 Millionen Euro sitzen und mussten obendrein noch für die Vernichtung aufkommen, wie das Nachrichtenmagazin Focus berichtete.

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