Vorsorge

Mammografie-Screenings zeigen keine positive Wirkung

Die Röntgenuntersuchung der Brust bringt den Frauen keine messbaren Vorteile. Das herkömmliche Abtasten der Brust genügt. In den USA werden jährlich etwa 37 Millionen Mammografien für einen Preis von jeweils etwa 100 Dollar durchgeführt.

Jährlich sterben in Deutschland 17.000 Frauen an den Folgen von Brustkrebs. (Foto: Flickr/ euthman)

Jährlich sterben in Deutschland 17.000 Frauen an den Folgen von Brustkrebs. (Foto: Flickr/ euthman)

Wissenschaftler der kanadischen University of Toronto und des Swiss Medical Boards kommen in zwei unabhängigen Studien zu einem vernichtenden Urteil bezüglich des Nutzens des Mammografie-Screenings. Die Röntgenuntersuchung der Brust (Mammografie) war als großer Fortschritt im Kampf gegen den Brustkrebs gefeiert worden. Noch in den 80er Jahren hatte man aufgrund erster Stichproben eine Verringerung der Sterblichkeit bei Brustkrebs mittels Mammografie zwischen 15 und 25 Prozent erwartet. Doch der Nutzen ist alles andere als belegt.

25 Jahre lang haben die Forscher der University of Toronto über 90.000 Frauen begleitet. Zu Beginn der Studie wurden die Frauen per Losverfahren in zwei Gruppen mit jeweils 45.000 Frauen eingeteilt. Bei den Frauen der einen Gruppe gab es Voruntersuchungen zu Brustkrebs mittels herkömmlichen Abtastens der Brust, bei den Frauen der anderen Gruppe kam noch eine jährliche Mammografie hinzu.

Das Ergebnis: Nach 25 Jahren waren von den Frauen, die nur abgetastet wurden, 505 Frauen an Brustkrebs gestorben. Bei den Frauen mit jährlichem Mammografie-Screening waren 500 Frauen gestorben. Bei der Sterblichkeit von Brustkrebs wurde zwischen den Mammografie-Kontrollen und den Abtast-Kontrollen „kein Unterschied beobachtet“, schreiben die Wissenschaftler. Allerdings kam es bei den Mammografie-Screenings zu einer Überdiagnose von 22 Prozent. Behandlungen wie Bestrahlungen, Chemotherapien oder Operationen seien bei diesen Frauen unnötig gewesen.

Für die Brustkrebs-Industrie ist diese Studie alles andere als positiv – stellt es doch die regelmäßigen Screenings, zu denen Frauen ab einem bestimmten Alter geraten wird, infrage. Zumal eine Schweizer Studie zu einem ähnlich ernüchternden Ergebnis kam. Im Februar veröffentlichte das Fachgremium Swiss Medical Board einen Bericht zum Thema „Systematisches Mammografie-Screening”.

Für diesen Bericht wurden bereits erhobene Daten neu geprüft. „Gemäß Studiendaten aus den Jahren 1963 bis 1991 sterben von 1.000 Frauen mit regelmäßigem Screening 1 bis 2 Frauen weniger an Brustkrebs als bei 1.000 Frauen ohne regelmäßiges Screening“, so das Swiss Medical Board. Abgesehen von dem dargestellten nur geringfügigen Unterschied zwischen Screening und Nicht-Screening macht auch der Schweizer Bericht deutlich: Bei rund 100 von 1.000 Frauen mit Screening kommt es „zu Fehlbefunden, die zu weiteren Abklärungen und zum Teil unnötigen Behandlungen führen“. Auch ergebe sich ein „sehr ungünstiges Kosten-Wirksamkeits-Verhältnis“, heißt es in dem Bericht.

In den USA werden jährlich etwa 37 Millionen Mammografien für einen Preis von jeweils etwa 100 Dollar durchgeführt. Dem deutschen Bundesamt für Strahlenschutz zufolge ist Brustkrebs in Deutschland mit etwa 71.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung. Jährlich sterben in Deutschland 17.000 Frauen an den Folgen dieser Erkrankung. Und so werden mittlerweile alle Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren ohne klinischen Verdacht einer Brustkrebserkrankung alle zwei Jahre zum Mammografie-Screening eingeladen.

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