Pharmaindustrie

Bayer investiert kräftig in die Arzneimittelproduktion

Investitionen in Leverkusen und Wuppertal sollen 500 neue Stellen entstehen lassen. Bayer strukturiert sich um. Beim Krebsmittel Nexavar musste der Pharmariese jedoch einen deutlichen Rückschlag hinnehmen.

Das Rampenlicht gilt ganz der Entwicklung neuer Medikamente. Dafür tätigt Bayer Investitionen in Rekordhöhe. (Foto: Flickr/LISAvienna/CC BY-ND 2.0)

Das Rampenlicht gilt ganz der Entwicklung neuer Medikamente. Dafür tätigt Bayer Investitionen in Rekordhöhe. (Foto: Flickr/LISAvienna/CC BY-ND 2.0)

Die Bayer AG steckt in Deutschland mehr als eine halbe Milliarde Euro in die Produktion neuer Arzneien gegen die Bluterkrankheit. Mit der Investition in Fabriken am Stammsitz Leverkusen und in Wuppertal reagiere der Konzern auf den wachsenden Bedarf nach solchen Präparaten, teilte Bayer am Dienstag mit. „Diese Investition ist eine der größten in der Geschichte des Teilkonzerns Bayer HealthCare“, erklärte der Chef der Bayer-Gesundheitssparte, Olivier Brandicourt.

Bis 2020 will der Konzern in seiner Gesundheitssparte an den beiden Standorten rund 500 neue Stellen schaffen. Deutschlands größter Arzneimittelhersteller hat aktuell mehrere neue Wirkstoffe gegen die Bluterkrankheit in der Entwicklung. Die Bluter-Medizin ist einer der Forschungsschwerpunkte von Bayer im Arzneimittelgeschäft. Das Mittel Kogenate gegen die Krankheit war 2012 mit Erlösen von 1,2 Milliarden Euro das umsatzstärkste Präparat der Pharmasparte.

Bayer stellt Kogenate aktuell ausschließlich in seinem Werk im kalifornischen Berkeley her. Mit dem Kapazitätsausbau in Deutschland will sich das Unternehmen nun eine weitere Versorgungsquelle aufbauen – zumal zwei neue Bluter-Präparate bereits in der dritten Phase der klinischen Entwicklung erprobt werden. Eines davon –  BAY 81-8973 –  ist eine Weiterentwicklung von Kogenate. Der Konzern plant Zulassungsanträge im zweiten Halbjahr dieses Jahres. Im vierten Quartal 2015 soll dann der Marktstart sein. Für einen zweiten Wirkstoff –  BAY 94-9027 –  sieht Bayer Zulassungsanträge im zweiten Halbjahr 2015 vor. Auch diese Substanz ist schon in der Phase III der klinischen Entwicklung.

Das Unternehmen konkurriert bei Arzneien gegen die Bluterkrankheit unter anderem mit dem US-Konzern Baxter und dem dänischen Arzneimittelhersteller Novo Nordisk. Bei der vererbten Bluterkrankheit fehlt der Blutgerinnungsfaktor VIII oder er wird nur fehlerhaft gebildet. Bei den Betroffenen verlängern sich deshalb Blutungen gefährlich. Weltweit leiden etwa 400.000 Menschen an der Krankheit.

In Bayers Pharmaentwicklung gibt es aber auch Rückschläge. So fiel das Krebsmittel Nexavar in einer klinischen Studie durch, wie der Konzern einräumte. Anders als erhofft schaffte es das Medikament nicht, das Wiederauftreten von Leberkrebs hinauszuzögern. Bayer testete das seit mehreren Jahren auf dem Markt befindliche Medikament mit dem Wirkstoff Sorafenib als Begleittherapie bei Leberkrebspatienten, denen bereits alle Geschwüre entfernt worden waren. Nexavar zählt zu den wichtigsten Medikamenten von Bayer. Im vergangenen Jahr war die Arznei mit Umsätzen von 771 Millionen Euro immerhin das fünftumsatzstärkste Präparat des Pharmageschäfts.

„Obwohl wir vom Ausgang der Studie enttäuscht sind, wollen wir weiterhin das Potenzial von Sorafenib in allen Stadien von Leberkrebs untersuchen“, erklärte Jörg Möller, der Entwicklungschef von Bayer HealthCare. Das Medikament ist seit 2005 zur Behandlung von Nierenkrebs und seit 2007 zur Behandlung von Leberkrebs zugelassen. Im November vergangenen Jahres wurde die Arznei in den USA auch zur Behandlung von Schilddrüsenkrebs genehmigt. Die Bayer-Aktie drehte nach der Mitteilung im vorbörslichen Handel ins Minus und gab 0,7 Prozent nach.

Der Leverkusener Pharmakonzern gab zudem bekannt, dass die Vertriebsrechte an dem Anti-Doppelkinn-Mittel ATX-101 für Märkte außerhalb der USA und Kanada an das biopharmazeutische US-Unternehmen Kythera verkauft wurden. Bayer erhalte dafür Anteile an Kythera in Höhe von 33 Millionen Dollar sowie einen Schuldschein über 51 Millionen Dollar. Dabei wurden die Rechte erst 2010 von Kythera erworben. Allerdings habe sich inzwischen der strategische Fokus des Unternehmens geändert, hieß es. ATX-101 befindet sich im letzten Entwicklungsstadium. Bei der Behandlung wird das Mittel ins Fettgewerbe gespritzt.

Bayer und die Tochter Ventana Medical Systems des Schweizer Pharmariesen Roche erweitern ihre Kooperation. Ventana werde maßgeschneiderte Tests für Medikamentenprojekte von Bayer entwickeln, wie die Roche-Tochter am Dienstag mitteilte. Dabei geht es vor allem um das Sichtbarmachen von Antikörpern in Gewebestrukturen für die Krebsmedizin-Forschung. Die Unternehmen schlossen einen Vertrag über mehrere Jahre. Ventana und Bayer hatten bereits in diesem Feld zusammengearbeitet. Finanzielle Angaben machte Ventana nicht.

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *