Unternehmen

Pharmakonzern Merck nach Sparprogramm noch nicht auf Kurs

Merck hat seinen Überschuss 2013 mehr als verdoppelt. Dennoch bereitet der Markt in den Schwellenländern Sorge. Für das laufende Jahr erwartet der Pharmakonzern keinen Gewinn.

Forschung bei Merck Serono in einem Protein Entwicklungslabor in Genf. (Foto: Merck-Group)

Forschung bei Merck Serono in einem Protein Entwicklungslabor in Genf. (Foto: Merck-Group)

Der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck stellt sich nach einem Gewinnsprung auf ein härteres Jahr ein. Neben dem starken Euro macht Merck die wachsende Konkurrenz beim umsatzstarken Top-Medikament Rebif gegen Multiple Sklerose zu schaffen. Hinzu kommt, dass das Unternehmen mit seinem Sparkurs bereits die größten Früchte geerntet hat. „Wir gehen mit Vorsicht in das Jahr 2014“, sagte Konzernchef Karl-Ludwig Kley. An der Börse quittierten Anleger die Geschäftsprognose mit Verkäufen: Die Merck-Aktie rutschte zeitweise mehr als fünf Prozent auf 118,30 Euro ab und war damit größter Verlierer im Leitindex Dax.

Merck erwartet dieses Jahr nur einen stagnierenden Umsatz. Dabei rechnet Kley nicht nur im wichtigen Japangeschäft sondern auch in Schwellenländern mit anhaltendem Gegenwind durch den starken Euro. Da der Yen und Währungen wie der brasilianische Real gegenüber dem Euro an Wert verloren haben, fließt bei der Umrechnung in Euro weniger Geld in die Kassen des viertgrößten deutschen Pharmaherstellers. Werden diese Belastungen sowie Zu- und Verkäufe ausgeklammert, stellt Merck ein leichtes Umsatzplus in Aussicht. Der bereinigte operative Gewinn (Ebitda) wird Konzernchef Kley zufolge wohl auf dem Niveau von 2013 verharren, als 3,25 Milliarden Euro erreicht wurden.

Im vergangenen Jahr sorgten das laufende Sanierungsprogramm, dem auch zahlreiche Stellen zum Opfer fielen, sowie ein starkes Arzneimittelgeschäft in den Schwellenländern dafür, dass sich der Überschuss auf 1,2 Milliarden Euro mehr als verdoppelte. Dabei halfen auch deutlich geringere Aufwendungen für das Sanierungsprogramm. Der Konzernumsatz sank um 0,4 Prozent auf 10,7 Milliarden Euro. „Wir haben unsere Kosten schneller als geplant gesenkt und den Umbau des Konzerns vorangetrieben“, sagte Kley.

Kley hatte Merck nach mehreren Rückschlägen in der Pharmaforschung einen massiven Umbau verordnet. Damit will er das Arzneimittelgeschäft stärken und die Entwicklung neuer Medikamente beschleunigen. Merck hat derzeit kaum Nachschub an neuen Medikamenten. Darüber hinaus laufen ab Mitte des Jahrzehnts Patente für mehrere der wichtigsten Umsatzbringer ab. Mit dem Sparpaket „Fit für 2018“ will Kley insgesamt ab 2018 jährlich 385 Millionen Euro einsparen. Bis Ende 2013 wurden bereits 325 Millionen Euro erzielt – 45 Millionen Euro mehr als ursprünglich geplant. Diesen Sanierungskurs wird er allerdings mit einem neuen Finanzchef weiterverfolgen müssen. Der jetzige Finanzchef Matthias Zachert wird zum 1. April Chef des Spezialchemiekonzerns Lanxess. Ein Nachfolger für ihn steht bislang noch nicht fest.

Top-Medikament von Merck war 2013 die Multiple-Sklerose-Arznei Rebif mit 1,86 Milliarden Euro Umsatz – ein Minus von 1,5 Prozent. Inzwischen haben Konzerne wie Novartis, Sanofi und Biogen MS-Mittel in Tablettenform im Angebot. Anfang Februar hatte die Europäische Arzneimittelbehörde mit Tecfidera bereits die dritte neue Tablette zugelassen. Ältere, zu spritzende Präparate wie Rebif dürften Experten zufolge deshalb erhebliche Marktanteile verlieren. „Wir werden daran arbeiten, dieses wichtige Produkt für Merck zu verteidigen“, sagte Kley.

Sein Chemiegeschäft mit Elektronikherstellern wie Samsung oder Sony versucht Merck derzeit durch einen Zukauf zu stärken. Merck will für rund zwei Milliarden Euro das britische Spezialchemieunternehmen AZ Electronic Materials schlucken. Doch die Übernahme der Firma, die etwa Komponenten für Apples iPad liefert, zieht sich hin. Merck verlängerte das Kaufangebot bereits zum vierten Mal.

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *