Atomkatastrophe

Fukushima: 100.000 Liter hochradioaktives Wasser ausgetreten

In Fukushima ist es erneut zu einem schweren Zwischenfall gekommen. Aus einem der Tanks sind hundert Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser ausgetreten. Als Auslöser für den Unfall gibt Tepco menschliches Versagen an.

Im zerstörten Atomkraftwerk Fukushima in Japan ist erneut hochradioaktiv verseuchtes Wasser ausgetreten. Hundert Tonnen Wasser seien aus einem Tank gelaufen, teilte der AKW-Betreiber Tepco Mitte Februar mit. Es ist der schwerste Zwischenfall seit August, als eine ganze Reihe von Lecks an den Sammeltanks entdeckt worden waren.

Laut Tepco sei das Wasser aus einem der großen Sammeltanks ausgelaufen, weil eine Absperrung versehentlich offen geblieben sei und so zu viel Wasser in ein angrenzendes Becken gelangt sei. Arbeiter hätten auf einem Kontrollgang festgestellt, dass Wasser aus einer Leitung an der Seite des Tanks ausgetreten sei. Dieser befinde sich rund 700 Meter vom Meer entfernt.

Das Atomkraftwerk war bei dem verheerenden Erdbeben und dem folgenden Tsunami im März 2011 zerstört worden. Es kam dabei in drei Reaktoren zur Kernschmelze. Noch immer nicht konnte die Betreiberfirma die geschmolzenen Brennstäbe in den betroffenen Reaktoren genau lokalisieren.

Tepco steht wegen seines Krisenmanagements nach der Katastrophe massiv in der Kritik. Die japanische Atombehörde warf dem Konzern erst kürzlich vor, gefährliche Messwerte kurz vor der Vergabe der Olympischen Spiele verschwiegen und verfälscht zu haben. Fast drei Jahre nach dem Unglück fehle immer noch ein grundsätzliches Verständnis für die Erfassung und den Umgang mit radioaktiver Strahlung, hatte die Behörde erklärt.

Das Unternehmen bekommt das Problem mit dem radioaktiv verseuchten Wasser seit Monaten nicht in den Griff. In die zerstörten Reaktorgebäude tritt immer wieder Grundwasser ein und wird dabei verstrahlt. Tepco versucht, das Wasser abzupumpen und auf dem Gelände in Tanks zu lagern. Dabei werden aber immer häufiger Lecks an Reaktoren und Tanks entdeckt. Die dabei gemessenen Strahlenwerte erreichen stets neue Rekordwerte.

Kühlsystem fällt erneut aus

Ende Februar fiel am Abklingbecken 4 das Kühlsystem kurzzeitig aus. Grund für den Ausfall war ein durchtrenntes Kabel. Arbeiter hatten das Kabel während der Bergungsarbeiten beschädigt und einen Brand ausgelöst.

Im Abklingbecken 4 findet derzeit die Bergung von rund 1.500 unbenutzten Brennelementen statt. Das Gebäude ist stark beschädigt und instabil, weshalb die riskante Operation schnell voranschreiten muss. Die Brennelemente müssen dabei stetig gekühlt werden, sonst droht eine Kernschmelze.

Tepco spielte den Vorfall herunter. Der Brand hätte umgehend gelöscht werden können und durch den Ausfall des Kühlsystems sei die kritische Temperatur von 65 Grad nicht überschritten worden, sagte ein Sprecher des Unternehmens der Japan Times.

Zudem steht das Unternehmen weiterhin wegen der Manipulation von Messwerten in der Kritik. Die Betreiberfirma hatte offenbar nicht nur kurz vor der Vergabe der Olympischen Spiele nach Tokyo erhöhte Beta-Strahlenwerte verschwiegen, sondern gab kürzlich kleinlaut bekannt, dass 164 weitere Strahlenmessungen „signifikant unterbewertet“ wurden, wie der Nachrichtendienst Bloomberg berichtete. Die fehlerhaften Messwerte erstrecken sich auf den Zeitraum von April 2013 bis September 2013. Tepco will die Messungen überprüfen und korrigieren.

„Die Fehler sind während einer Zeit aufgetreten, als die Anzahl der Messungen stark anstieg. Sie folgten auf eine Reihe von Ereignissen seit dem letzten April, unter anderem dem Grundwasseraustritt und einem großen Leck an einem der Depottanks“, versuchte Tepco, die fehlerhaften Messungen in einer öffentlichen Stellungnahme zu erklären.

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