Ausbildung

Internisten: Medizinstudium darf nicht verschult werden

Das Niveau des Medizinstudiums darf nicht sinken. Der neue Lernzielkatalog gefährdet jedoch die ganzheitliche Behandlung. Ärzte sollen Patienten als ganzen Menschen behandeln und nicht nur Symptome therapieren.

Medizin ist ein ganzes Fach und erfordert nicht nur das Studieren der einzelnen Elemente. (Foto: Flickr/labormikro/CC BY-SA 2.0)

Medizin ist ein ganzes Fach und erfordert nicht nur das Studieren der einzelnen Elemente. (Foto: Flickr/labormikro/CC BY-SA 2.0)

In Deutschland studierten im Jahr 2013 rund 85.000 junge Frauen und Männer Humanmedizin. Auf 9.000 Studienplätze bewarben sich rund 43.000 Abiturienten. Die Zugangshürde zu diesem Studium ist hoch: Je nach Bundesland liegt der Numerus Clausus bei 1,0 bis 1,4. Entsprechend anspruchsvoll, fundiert und systematisch sollte auch das Studium sein, fordert die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Die Fachgesellschaft ist in Sorge um das akademische Niveau der internistischen Ausbildung und befürchtet, dass der aktuelle Lernzielkatalog für das Medizinstudium eine fachschulähnliche Situation erzeugen. Die DGIM legt deshalb jetzt mit dem „Lehrkatalog Innere Medizin“ ein Ausbildungsprogramm für den ärztlichen Nachwuchs vor.

„Mit der Ausbildung angehender Ärzte in Innerer Medizin übernehmen Medizinische Fakultäten eine extrem anspruchsvolle und wichtige Aufgabe“, sagt Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der DGIM aus Kiel. Denn nur eine systematische internistische Lehre von hoher Qualität bringe auch Ärzte hervor, die Patienten als ganzen Menschen betrachten, anstatt einzelne Symptome zu therapieren. Dieses Risiko besteht der DGIM zufolge, wenn sich der 2013 vorgelegte „Nationalen Kompetenzbasierte Lernzielkatalog Medizin (NKLM)“ durchsetzt.

Die Lenkungsgruppe des NKLM – der Medizinische Fakultätentag, die Gesellschaft für Medizinische Ausbildung und weitere Institutionen – streben derzeit eine Neuordnung des Medizinstudiums an. Den Plan dafür legten sie im Sommer 2013 vor. „Als Fachgesellschaft, die die Innere Medizin in Deutschland vertritt, können wir kein humanmedizinisches Studium unterstützen, das diesen Vorgaben unterliegt“, betont Peter von Wichert aus Hamburg, der die Abstimmung des Lehrkataloges der DGIM koordiniert. Die DGIM müsse dafür Sorge tragen, so von Wichert, dass das Fach in seiner Gesamtheit gelehrt würde, anstatt sich in unverbundene Einzelteile zu zergliedern. Dies käme einer Verschulung nahe, anstatt dem Ansatz eines systematischen akademischen Studiums zu folgen.

Erstmalig in ihrer Geschichte legt die DGIM deshalb jetzt gemeinsam mit allen internistischen Schwerpunktgesellschaften ein Ausbildungsprogramm für den ärztlichen Nachwuchs vor. Das Programm ist gültig für die gesamte Lehre in Innerer Medizin. „Bemerkenswert daran ist, dass sämtliche Schwerpunkte der Inneren Medizin kooperativ und konsequent daran mitgearbeitet haben und wir ein allgemeines Einvernehmen darüber erreicht haben, was gelehrt werden sollte“, sagt von Wichert.

Im Gegensatz zum „Lernzielkatalog“ NKLM führt der Lehrkatalog der DGIM Inhalte auf, die Medizinstudierenden durch die Universität vermittelt werden sollen. Dabei sei auch eine Wertung und Gewichtung der Inhalte und Lehrkapitel erfolgt, die es ermöglicht, die Lehre zu strukturieren. „Gemeinsam mit den internistischen Schwerpunktgesellschaften sind wir überzeugt, dass dieser Lehrkatalog den Medizinischen Fakultäten bei der Gestaltung der Ausbildung in Innerer Medizin hilft“, meint Professor Fölsch.

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