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Diabetes-Pille: Google steigt in den Pharmamarkt ein

Eine neuartige Pille soll es möglich machen, zukünftig auf Spritzen zur Gabe von Medikamenten verzichten zu können. Das wäre ein Milliardenmarkt für Investoren wie Google und eine Erleichterung für Patienten mit chronischen Krankheiten wie Diabetes.

Weltweit müssen sich viele Menschen mit chronischen Krankheiten fast täglich Medikamente spritzen, weil sie nicht oral verabreicht werden können. Ein Unternehmen aus den USA arbeitet an einer Alternative. (Foto: Flickr/aldenchadwick/CC BY 2.0)

Weltweit müssen sich viele Menschen mit chronischen Krankheiten fast täglich Medikamente spritzen, weil sie nicht oral verabreicht werden können. Ein Unternehmen aus den USA arbeitet an einer Alternative. (Foto: Flickr/aldenchadwick/CC BY 2.0)

Es gibt etliche Medikamente, die zur Behandlung von chronischen Krankheiten eingesetzt werden, aber nur durch eine Spritze verabreicht werden können. Bei Medikamenten zur Behandlung von Arthritis, Osteoporose, Multiple Sklerose oder Diabetes kann nicht zu einer Pillenform gegriffen werden. Die körpereigene Magensäure würde die Proteine der Pille aufbrechen und es könnte so kaum sichergestellt werden, dass genug des Medikaments genau dort ankommt, wo es wirken soll. Aus diesem Grund hat sich das US-Unternehmen incube Labs um den Gründer und Geschäftsführer Mir Imran mit einer Alternative beschäftigt und eine Art Roboter-Pille entwickelt.

Die Pille besteht aus einem verdaulichen Polymer und kleinen Hohlnadeln aus Zucker, die Medikamente sicher zum Dünndarm transportieren und diese von dort in den Körper abgeben sollen. Der US-Großkonzern Google ist von dem Projekt überzeugt und unterstützt incube Labs mit seinem Finanzarm Google Ventures. Damit hat sich Google nach den Märkten für künstliches Essen, Rüstungsutensilien und Hausgeräte auch im Medizinbereich eingekauft. Eigens für die Vermarktung der Roboter-Pille gründete incube Labs das Tochterunternehmen Rani Therapeutics.

„Diese Investition ist nicht ganz unser Portfolio“, zitiert das Wall Street Journal Blake Byers von Google Ventures. „Aber wir sind offen für Menschen, die unsere Meinung ändern.“ Außerdem sieht Google in diesem Bereich einen riesigen Markt. Jährlich würden allein in den USA 110 Milliarden Dollar in die Erforschung von Medikamenten gesteckt, die mit Spritzen injiziert werden, so Byers.

Einmal im Dünndarm angekommen sollen dann die Verdauungsprozesse die Pille aktivieren, sodass diese ganz ohne Elektronik auskommt. Steigt der pH-Wert im Darm löst sich die äußere Hülle der Pille. Ein Ventil, das die Chemikalien Natriumbikarbonat und Zitronensäure voneinander trennt, wird freigelegt. So können sich die zwei Chemikalien mischen und als Energiequelle funktionieren. Diese blasen die Struktur der Pille auf, die Hohlnadeln mit dem Wirkstoff werden gegen die inneren Magenwände gedrückt. Ballon und Polymerhülle verlassen den Körper, die Hohlnadeln lösen sich auf und geben so den Wirkstoff im Körper ab.

Bis die neuartige Pille von der amerikanischen Lebensmittel- und Arzneimittelüberwachungsbehörde ein Okay erhält, wird es jedoch noch ein wenig dauern. Noch konnten keine Studien am Menschen durchgeführt werden. Die Chancen aber stehen gut. Die Aufsichtsbehörde hatte in der Vergangenheit bereits Mikrochips in Tabletten zugelassen, die auf Verdauungssäfte reagieren und Informationen an die Smartphones von Ärzten senden können.

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