Therapie

Traumabekämpfung soll mit Elektroschocks möglich werden

Wissenschaftler setzen auf die verpönte Elektrokrampftherapie, um unangenehme Erinnerungen zu löschen. Denn schlechte Erfahrungen brennen sich unwiderruflich in unser Gedächtnis ein. Sie können Angststörungen auslösen oder zu Persönlichkeitsstörungen führen.

Die negativen Gedanken an Depressionen, Traumata und Alkoholsucht sollen mit Elektroschocks gelöscht werden. (Foto: Flickr/Eddi van W./CC BY-ND 2.0)

Die negativen Gedanken an Depressionen, Traumata und Alkoholsucht sollen mit Elektroschocks gelöscht werden. (Foto: Flickr/Eddi van W./CC BY-ND 2.0)

Der Einsatz von Elektroschocks zur Behandlung von psychisch Kranken ist äußerst umstritten. In den Niederlanden und in Großbritannien etwa wird die Elektrokrampftherapie (ECT) aber noch immer als letztes Mittel zur Behandlung von schweren Depressionen eingesetzt. Doch die Forscher der Radboud Universität Nijmegen wollen genau darauf zurückgreifen, um eine neue Therapieform für posttraumatische Belastungsstörungen zu schaffen. Eine der Nebenwirkungen der ECT ist unter anderem der temporäre Gedächtnisverlust. Diese Nebenwirkung wollen sich die Wissenschaftler nun zunutze machen: Elektrische Impulse sollen zukünftig durch das Gehirn geleitet werden, um ganz gezielt bestimmte Erinnerungen einfach aus dem Gedächtnis zu löschen.

Die Idee ist, schon im Prozess der Speicherung einer Erinnerung einzugreifen. „Erinnerungen sind in Verbindungen zwischen Zellen im Gehirn gespeichert“, zitiert die BBC  den Neurowissenschaftler Marijn Kroes, den Leiter der Studie. „Diese Verbindungen benötigen jedoch eine gewisse Zeit, um permanent bestehen zu bleiben.“ Wenn man genau in diesen Speicherungsprozess eingreife, „verliert sich die Verbindung zwischen den Zellen“ und somit müsste auch die Erinnerung verschwinden.

Für die Untersuchungen wurden Patienten ausgewählt, die bereits mittels der Elektrokrampftherapie aufgrund ihrer schweren Depression behandelt wurden. Den Teilnehmern wurden zunächst zwei Bildkarten gezeigt, von denen jede eine emotionale Geschichte erzählt. Ein paar Wochen später, kurz vor einer ECT-Sitzung, wurde den Teilnehmern noch einmal eine der Bildkarten gezeigt, um genau die Erinnerung an diese Bildkarte im Hirn zu aktivieren. Als die Studienteilnehmer 24 Stunden später gebeten wurden, die auf der Bildkarte gezeigte Geschichte, die sie kurz vor dem ECT gesehen hatten, wiederzugeben, konnten sie dies nicht. Aber an die Bildkarte mit der anderen Geschichte, die sie nur einmal gesehen hatten, konnten sie sich ohne Probleme erinnern.

Während man derzeit bei den traditionellen Behandlungsmethoden die Patienten dabei unterstützt, mit ihren traumatischen Erinnerungen umzugehen – weil man diese nicht ändern kann – soll die ECT-Methode zukünftig helfen, diese traumatische Erinnerung einfach zu löschen. Dafür nutzen die Wissenschaftler, wie zuvor beschrieben, den Moment, in dem die Erinnerung rückverfestigt wird.

Genau dieser Speicherprozess beschäftigt auch Wissenschaftler des Ernest Gallo Clinic and Research Censters in Kalifornien/USA, da sie auch die Möglichkeit sahen, mit der ECT Alkoholmissbrauch und andere Süchte behandeln zu können. Den Forschern zufolge ist eine der wichtigsten Ursachen für einen Rückfall die Begierde, die durch eine Erinnerung und bestimmte Signale ausgelöst wird. Als sie Ratten dem Geruch oder dem Geschmack von Alkohol ausgesetzt hatten, registrierten sie, dass es einen Moment gab, in dem die Erinnerung an das Verlangen nach Alkohol gerade rückverfestigt wurde und genau dann auch von außen geschwächt bzw. ganz gelöscht werden konnte.

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