Online-Handel

Muttermilch aus Online-Börsen gefährdet Neugeborene

Im Internet ist ein Markt für Muttermilch entstanden. Auf Online-Börsen oder auf Facebook verkaufen einige Mütter ihre überschüssige Muttermilch aus Profitgründen. Doch 75 Prozent der dort angebotenen Muttermilch sind zu sehr verkeimt. Auch eine Infektion mit Krankheitserregern ist möglich.

Eigentlich eine gute Idee: Überschüssige Muttermilch nicht wegschütten, sondern sie Müttern, denen sie für ihre Babys fehlt, überlassen. Aber die Babynahrung muss hygienisch einwandfrei sein, sonst kann sie schwerste Krankheiten verursachen. Sarah Keim aus Columbus (USA) hat online gehandelte Muttermilch untersucht und fand drei Viertel der Proben so verkeimt, dass offizielle Milchbanken sie nicht annehmen würden, berichtet das Apothekenmagazin Baby und Familie. Vergleichbare Kuhmilch müsste sofort vom Markt genommen werden. Der Handel mit Muttermilch unterliegt in Deutschland keinerlei Kontrollen. „Die Politik muss dringend eingreifen“, verlangt Michael Radke, der am Klinikum Westbrandenburg in Potsdam eine Milchbank mit strengen Sicherheitsregeln betreut. Im Online-Handel sehe er „eine klare Kindeswohlgefährdung“. Gut gemeint ist eben noch lange nicht gut gemacht.

Muttermilch von fremden Müttern ist nicht immer gesund für das Baby. Insbesondere dann nicht, wenn die Herkunft und der Zustand der Muttermilch unklar sind. (Foto: Flickr/Mike Haller/CC BY 2.0)

Muttermilch von fremden Müttern ist nicht immer gesund für das Baby. Insbesondere dann nicht, wenn die Herkunft und der Zustand der Muttermilch unklar sind. (Foto: Flickr/Mike Haller/CC BY 2.0)

Nicht jede Mutter ist dazu in der Lage, ihr Kind zu stillen. Einige Mütter besorgen sich die Milch deshalb über soziale Netzwerke wie Facebook. Ärzte und Behörden warnen vor dem unkontrollierten Handel mit Muttermilch. Der Lebenswandel und der Gesundheitszustand der Spenderin kann nicht überprüft werden. Die Gefahr, dass die Muttermilch mit Rückständen aus Medikamenten oder Drogen versetzt ist, ist vorhanden. Man kann auch nicht ausschließen, ob die Spenderin ansteckende Krankheiten hat, viel raucht oder Alkohol zu sich nimmt.

Denn neben der Nährstoffe nehmen die Säuglinge auch Viren, Bakterien und Giftstoffe mit der Muttermilch auf. Durch unkontrollierte Muttermilch sind die Babys der Gefahr durch Infektionen mit Hepatitis-A oder –B sowie Herpesviren ausgesetzt.

Internetinitiativen stellen Mütter Leitlinien zur Verfügung, nach denen sie sich über den Gesundheitszustand der Spenderinnen informieren können. Die Informationen aus dem Mutterpass sowie ein Blutbild können als Anhaltspunkt dazu dienen. Im Zweifel sollen Käuferinnen von unkontrollierter Muttermilch diese abkochen. Dabei können jedoch wertvolle Inhaltsstoffe vernichtet werden. In einer Milchbank wird Frauenmilch bei Bedarf professionell bei etwa 60 Grad über eine halbe Stunde pasteurisiert.

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen bleibt die Befürchtung bestehen, dass Spenderinnen nur den Profit im Sinn haben, wenn sie ihre Milch zum Verkauf anbieten. „In den USA, wo das System bereits weiter verbreitet ist als hierzulande, verlangen einige Frauen schon mal 100 Dollar für einen Liter Muttermilch“, erzählt Corinna Gebauer, ärztliche Leiterin der größten deutschen Milchbank am Universitätsklinikum Leipzig. Dass manche Frauen die Milch gar mit Wasser strecken, um noch mehr rauszuholen, sei nicht auszuschließen, sagte sie in einem Bericht des Nachrichtenmagazins Spiegel.

In Deutschland stillen etwa 80 Prozent aller Frauen  nach der Geburt. Muttermilch gilt als Zaubermittel für die Gesundheit von Neugeborenen – aber ihr Geschmack und ihre Inhaltsstoffe sind bis heute ein Rätsel für Forscher.

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