Kosten

Hohe Schadenssummen: Operationen sind nicht mehr versicherbar

Die Folgekosten nach fehlgeschlagenen Operationen sind enorm gestiegen. So auch die Versicherungskosten für die Kliniken. Chirurgen müssen angesichts explodierender Haftpflichtprämien die Risiken bei Operationen minimieren. Passgenaue Prophylaxe-Instrumente sollen ihnen dabei helfen

Bei einer OP dürfen keine Fehler geschehen. Chirurgen arbeiten an Wegen, Fehlerquellen auszuschließen. (Foto: Flickr/The National Guard/CC BY 2.0)

Bei einer OP dürfen keine Fehler geschehen. Chirurgen arbeiten an Wegen, Fehlerquellen auszuschließen. (Foto: Flickr/The National Guard/CC BY 2.0)

Die Anzahl der Behandlungsfehler nach operativen Eingriffen ist nicht signifikant gestiegen. Die Zahlungen, die durch Fehler fällig werden, hingegen schon. Pro Jahr steigt die Schadenssumme für die Kliniken um 6 Prozent. Die Zahlungen für Behandlungsfehler bei operativen Eingriffen seien in den vergangenen Jahren jährlich um sechs Prozent gestiegen. „Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, sind OPs bald nicht mehr versicherbar“, sagte Joachim Jähne, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH).

Lungenchirurgen wollen gemeinsam mit dem Versicherungsmakler Ecclesia erstmals anhand konkreter Schadensfälle aus der Praxis analysieren, welche Umstände zu Behandlungsfehlern führten. „Aber die Schadenssummen pro Fall, die vor Gericht erstritten werden, sind stark gestiegen“, berichtet Christian Kugler, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie (DGT) und Chefarzt der Abteilung für Thoraxchirurgie an der LungenClinic Großhansdorf in Schleswig-Holstein. Dies habe zur Explosion der Haftpflichtversicherungsbeiträge für Kliniken beigetragen.

Während deutsche Kliniken 2012 rund 350 Millionen Euro zahlten, um sich gegen Schadenersatzansprüche zu versichern, seien es 2013 bereits 550 Millionen Euro gewesen – eine Steigerung um 60 Prozent. Zugleich hatten sich etliche große Versicherer aus dem Krankenhausgeschäft zurückgezogen, berichtet die Ärztezeitung.

Kliniken unternehmen schon seit einigen Jahren verschiedene Anstrengungen, um Behandlungsfehler zu minimieren. Die Maßnahmen zur Schadenprävention würden meist aus anderen Lebensbereichen wie Luftfahrt oder Leistungssport übernommen. „Aber wir wissen gar nicht, ob diese Maßnahmen tatsächlich die Realität in der Chirurgie abbilden, ob damit die wichtigsten Fehlerquellen erfasst werden“, sagte Kugler. „Gut möglich, dass noch ganz andere Faktoren wie etwa Schlafmangel oder Konzentrationsstörungen eine wichtige Rolle spielen.“

DGT und Ecclesia stellen für belastbare Daten umfangreiche Datensätze zur Verfügung – detaillierte Ablaufbeschreibungen von Schadensfällen, die aus Hunderten von Krankenhäusern in den zurückliegenden fünfzehn Jahren stammen. „Auf Basis dieser Datenbank wollen wir beispielsweise analysieren, ob es bestimmte Operationen oder Operationstechniken gibt, die mit einem hohen Fehlerrisiko belegt sind“, so Kugler.

Die Projektpartner wollen herausfinden, ob es bestimmte Anforderungen an die medizinische Erfahrung gibt, mit denen Risiken gemindert werden können. „Am Ende der Analyse steht die Entwicklung von passgenauen Prophylaxe-Instrumenten zur Schadensvorbeugung“, erklärte Kugler. „Sollte dies gelingen, besteht die Möglichkeit, ein Anforderungsprofil für operativ tätige Fachabteilungen zu entwickeln, unter dem Versicherungsunternehmen wieder bereit sein könnten, die potenziellen Schadensfälle zu versichern.“ Das könnte die Kosten der Kliniken im Schadensfall senken.

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