Psyche

Speicheltest soll Teenager vor Depressionen schützen

Der Wert des Cortisol-Spiegels spielt bei Depression im jugendlichen Alter eine große Rolle. Etwas Speichel und ein Fragebogen könnten zukünftig dazu beitragen, Jugendliche davor zu bewahren, immer tiefer in eine starke Depression zu verfallen.

Teenager können künftig mit einem Speicheltest herausfinden, ob sie zu Depressionen neigen. (Foto: Flickr/natur.echt/CC BY-ND 2.0)

Teenager können künftig mit einem Speicheltest herausfinden, ob sie zu Depressionen neigen. (Foto: Flickr/natur.echt/CC BY-ND 2.0)

Forscher der britischen University of Cambridge haben eine biologische Möglichkeit gefunden, dass Risiko, an einer Depression zu erkranken, bei Jugendlichen einschätzen zu können. Damit könnte man Jugendliche, die ein hohes Depressionsrisiko haben, deutlich früher behandeln. „Durch unsere Forschungen haben wir jetzt einen Weg gefunden, um diejenigen Teenager zu identifizieren, die am wahrscheinlichsten eine klinische Depression entwickeln werden“, sagte der leitende Wissenschaftler Ian Gooyer.

Für ihre Untersuchungen ließen die Wissenschaftler hunderte Jugendliche Speichel abgeben und Fragebogen ausfüllen. Im Anschluss daran wurden die Jugendlichen je nach Cortisol-Wert und Anzeichen für Depression in verschiedene Gruppen eingeteilt. Nach 12 und 36 Monaten wurden die Schüler erneut befragt. Wie sich herausstellte, kommt gerade bei Jungen der Cortisol-Wert als Biomarker für Depression infrage.

Jungen, die hohe Cortisol-Werte aufgewiesen und von depressiven Symptomen berichtet hatten, entwickelten innerhalb der drei Jahre am ehesten eine klinische Depression. Das Risiko, an einer schlimmen Depression zu erkranken, war in dieser Gruppe 14-mal höher als bei Jugendlichen mit depressiven Symptomen und einem niedrigen Cortisol-Wert. Bei Mädchen ließ sich eine derartige Signifikanz nicht feststellen. Den Wissenschaftlern zufolge kann dies jedoch daran liegen, dass der Cortisol-Wert bei Mädchen generell niedriger ist als bei Jungen.

Die Erkenntnisse der Studie könnten dem Co-Autoren Matthew Owens zufolge dazu führen, die Zahl der an Depression erkrankten Menschen in den kommenden Jahren zu reduzieren. Insbesondere „in einer Zeit, in der die Selbstmordrate unter Jugendlichen und jungen Männern zugenommen hat“, so Owens.

Weltweit leiden etwa 121 Millionen Menschen an Depression – in Deutschland sind es dem Bundesministerium für Bildung und Forschung zufolge drei Millionen. Zwischen 2000 und 2010 hat sich zudem die Zahl der wegen Depression ins Krankenhaus Eingewiesenen verdoppelt. 50 Prozent der Depressionen beginnen bereits im Kindes- und Jugendalter, warnt die Psychologin Yvonne Schiller von der LMU in München. Bei der Mehrheit der 10.000 Suizide und etwa 150.000 Suizidversuche in Deutschland liegt eine „nicht optimal behandelte Depression“ zugrunde, so die Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

Die Zahl der 10- bis 19-Jährigen, die aufgrund einer Depression stationär aufgenommen wurden, hat sich zwischen 2009 und 2012 in Hamburg um 60 Prozent erhöht, so die Techniker Krankenkasse. 500 Kinder und Jugendliche sind es 2012 gewesen. In Niedersachsen ist die Zahl in den vergangenen drei Jahren sogar um 84 Prozent gestiegen. In vielen anderen deutschen Bundesländern zeigte sich eine ähnliche Entwicklung.

Gerade bei Jugendlichen ist es nicht immer einfach, sofort die Anzeichen einer Depression zu erkennen. Schließlich werden einige Symptome oft auf die Pubertät geschoben. „Depression hat im Jugendalter ein Allerweltsgesicht“, erläutert die Psychotherapeuten Kammer NRW. Sie unterscheide sich kaum von allgemeinen alterstypischen Stimmungen und Verhaltensweisen. „Doch Depression kann sich schon in jungen Jahren gefährlich zuspitzen.“ Umso bedeutender könnte der Zusammenhang mit dem Cortisol-Wert bei Jungen sein, wenn es um eine frühzeitige Erkennung einer Depression geht.

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *