Gesundheit

Schweinepest: Mecklenburg-Vorpommern bläst zur Jagd auf Vögel

In Mecklenburg-Vorpommern hat der Landwirtschaftsminister Vögel zum Abschuss freigegeben. Damit soll eine mögliche Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest verhindert werden. Als Aasfresser seien sie potentielle Verbreiter des Krankheitserregers. Der Fleischindustrie droht ein Milliarden-Desaster, wenn die Schweinepest auf Deutschland übergreift.

Mecklenburg-Vorpommern warnt deutlich stärker und lauter als alle anderen Bundesländer vor den Folgen der Afrikanischen Schweinepest. Nun sollen die Jagdaktivitäten im Bundesland verstärkt werden. Demnach hat Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) bei der Jahrestagung des Landesjagdverbandes Mecklenburg-Vorpommern in Linstow angekündigt, dass auch Aasfresser wie Nebelkrähen, Elstern, Raben und Raubtiere gejagt werden sollen. Schließlich würden die Aasfresser durch den Verzehr von toten Tieren eine Ausbreitung der Seuche begünstigen, zitiert ihn der Nordkurier.

Geht es nach dem mecklenburgischen Landwirtschaftsminister stehen Elstern und andere aasfressende Vögel bald auf der Abschussliste der Jäger. (Foto: Flickr/maaddin)

Geht es nach dem mecklenburgischen Landwirtschaftsminister stehen Elstern und andere aasfressende Vögel bald auf der Abschussliste der Jäger. (Foto: Flickr/maaddin)

Allerdings soll eine derartige Maßnahme noch nicht zum jetzigen Zeitpunkt erfolgen. Das Ministerium teilte etwas vorsichtiger mit, dass es bisher keine „Änderung der Jagdverordnung gegeben hat bzw. die Nationalparkjagdverordnung weiterhin gilt und somit dürfen Prädatoren weiterhin nicht ohne Ausnahmeerlaubnis erlegt werden“. Es sei richtig, dass Aasfresser als Überträger von Tierkrankheiten im Allgemeinen und im Ausbruchsfall für die Afrikanische Schweinepest (ASP) im Konkreten in Frage kommen. Dies gelte auch für Großschutzgebiete. „Daher wird für diesen Eventualfall geprüft, welche Maßnahmen geeignet sind, um die Verbreitung der ASP einzudämmen.“

„Wir müssen uns auf den Eventualfall bezüglich der ASP (Afrikanischen Schweinepest) vorbereiten“, sagte Backhaus. „Das heißt aber nicht, dass es diesbezüglich heute schon irgendwelche Ausnahmen in der Bejagung gibt.“ Trotz des Rekords von 142.000 gejagten Tieren im vergangenen Jahr sollten die Jäger und Landwirte noch mehr Rot- und Damwild jagen.

Den Jägerinnen und Jägern komme bei der Afrikanischen Schweinepest „eine große Verantwortung zu“, erklärte Backhaus auf der Jahrestagung. Das fange bei der Beobachtung von tiergesundheitlichen Auffälligkeiten im Schwarzwildbestand an und höre „bei einer intensiven tierschutzgerechten Bejagung des Schwarzwildes, um potentielle Infektionsketten abzubrechen, auf“. Schließlich habe die letzte klassische Schweinepest in den Niederlanden einen Schaden in Höhe von 2,3 Milliarden Euro verursacht.

Mit jährlich rund 5,5 Millionen Tonnen ist Deutschland der größte Schweineproduzent der EU. Derzeit gibt es für die Afrikanische Schweinepest noch keine Schutzimpfung. Käme die Schweinepest nach Europa, müssten die betroffenen Hausschweinbestände sofort vollständig getötet werden. Die betroffenen Länder würden vom Schweinehandel und Export ausgeschlossen. Für die Fleischindustrie in Europa und vor allem in Deutschland wäre das eine Katastrophe. 2012 produzierte die EU 22,5 Millionen Tonnen Schweinefleisch – 22 Prozent der weltweiten Produktion.

Dennoch stoßen die Pläne des mecklenburgischen Landwirtschaftsministers nicht überall auf Zustimmung. „Wir halten die jagdlichen Pläne des Landwirtschaftsministers in Mecklenburg-Vorpommern für reinen Aktionismus, der das mögliche Seuchenproblem allenfalls verschlimmert“, kritisierte Lovis Kauertz vom Wildtierschutz Deutschland.

Kommentare

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  1. Wer wird der Schuldige sein, wenn die Seuche mit den Wildschweinen in Deutschland angekommen ist?
    Die Jäger? Das Gesundheitsamt? Das Veterinäramt?
    Die ASP ist nicht mit der ESP zu vergleichen. Auch ist Deutschland nicht mit dem weitläufigen Russland zu vergleichen wo Luchs, Wolf und Bär für eine vernünftige Wilddichte sorgen.

  2. Die ASP ist eine Seuche der Schweine.
    Neben Tier- oder Fleischtransporten ist daher auch das (Wild-)schwein der Hauptvektor für die Krankheit und das relevante Erregerreservoir.
    Seit bald 50 Jahren bauen die Jäger gezielt Wildschweinbestände auf. Berühmt-berüchtigt ist das „Lüneburger Modell“ mit dem seit den 70ern planmässig hohe Wildschweindichten zur Befriedigung der Jagdfreude herangezogen werden.
    Diese Geister, die man stellenweise heute noch ruft, sind längst außer Kontrolle geraten.
    Die traditionelle Jägerschaft ist weder Willens noch in der Lage, die ausufernden Wildschweinbestände zu regulieren. Statt dessen wird mit Futter (Ablenkungsfütterung und sog. Kirrung) jede natürliche Regulation (außer dem Virus) ausgeschaltet.
    Statt den Hauptvektor, nämlich das halbwilde futterfromme „Wild“schwein effektiv zu bejagen, wird nun eine für Landwirte existenzbedrohende Seuche als Vorwand genutzt, um zügellos Rabenvögel (http://www.amazon.de/Rabenschwarze-Intelligenz-Kr%C3%A4hen-lernen-k%C3%B6nnen/dp/3492259154) als Flintenfutter für gelangweilte Waidmänner nutzen zu können.
    Vielleicht wirft gerade in diesem Augenblick ein Fernfahrer den kontaminierten Salamizipfel aus dem Fenster, der uns das Virus bescheren wird. Neben Transporten und mangelnder Hygiene sind die Wildschweine die relevanten Seuchenmotoren, ganz sicher nicht die Aasfresser!!!!