Gesundheitssystem

Kostendruck bei Ärzten beeinträchtigt das Patientenwohl

Leitende Ärzte müssen zunehmend ökonomische Entscheidungen treffen, um die Kliniken profitabel zu halten. Einer Studie zufolge schränkt der ökonomische Druck der Ärzte das medizinische Wohl der Patienten ein. Die Ärzte beklagen, dass zwischen der kaufmännischen und der medizinischen Seite der Kliniken keine partnerschaftliche Zusammenarbeit existiert.

Fast jede dritte Klinik schreibt rote Zahlen. Wirtschaftliche und medizinische Entscheidungen stehen nicht immer im Einklang. (Foto: Flickr: TÜV/SÜD)

Fast jede dritte Klinik schreibt rote Zahlen. Wirtschaftliche und medizinische Entscheidungen stehen nicht immer im Einklang. (Foto: Flickr: TÜV/SÜD)

Wachsender Kostendruck und anspruchsvolle Zielvorgaben an einen wirtschaftlichen Klinikbetrieb beeinträchtigen leitende Ärzte in der Ausübung des Arztberufs. Ärzte fühlen sich mit den strikten Sparvorgaben der kaufmännischen Geschäftsleitungen alleine gelassen. Zudem fürchten sie, dass harte Umsatzziele im Krankenhaus sich negativ auf das Arzt-Patientenverhältnis auswirken. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie „Ärzte-Manager 2013“ der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM).

Das Gesundheitswesen ist zunehmend von betriebswirtschaftlichen Denkmustern und Management-Paradigmen durchdrungen. Die Last, in der Klinik „schwarze Zahlen“ zu schreiben, ruht zunehmend auf den Schultern der Ärzte, meint Professor Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der DGIM aus Kiel: „Das verschiebt das ärztliche Berufsbild, da Ärzte immer stärker mit Themen konfrontiert sind, die bisher nicht zu ihren Kernaufgaben gehörten.“ Die DGIM hat deshalb im Jahr 2013 das Spannungsfeld von Medizin und Klinikmanagement aus Sicht Ärztlicher Führungskräfte internistischer Fachabteilungen (ÄFK) untersucht. „Ein in dieser Art bisher einmaliges Vorhaben, das vieles mit empirischen Daten untermauert, was bisher nur Mutmaßungen waren“, sagt Thomas Kapitza, Sachverständiger im Bereich Gesundheitswesen aus München, mit dem die DGIM das Projekt durchgeführt hat.

Die DGIM befragte im September 2013 unter ihren Mitgliedern 3435 ärztliche Führungskräfte der ersten und zweiten Führungsebene – Ordinarien, Chefärzte und Oberärzte. Bei einer Teilnehmerquote von 18,3 Prozent zeigen die Ergebnisse, dass fast 75 Prozent aller ÄFK ehrgeizige betriebswirtschaftliche Leistungsvorgaben von ihrer kaufmännischen Geschäftsleitung bekommen. „Diese sind jedoch immer schwieriger zu erreichen, weil unter anderem die Schere zwischen Kosten und Erlösen sich zunehmend spreizt“, kommentiert Professor Fölsch. Bei 38 Prozent der ärztlichen Führungskräfte steht im Arbeitsvertrag zudem eine Erfolgsbeteiligung. Rund drei Viertel der Befragten bestätigen auch, dass ihnen im Beruf betriebswirtschaftliche Steuerung abverlangt wird. „Geeignete Instrumente dafür scheinen jedoch häufig im Klinikalltag zu fehlen“, sagt Thomas Kapitza. Zudem fühlten sich über 60 Prozent unzureichend an Entscheidungen der kaufmännischen Geschäftsleitung beteiligt.

Eine sehr problematische Entwicklung liege darin, dass die ärztliche Verpflichtung zum Patientenwohl mit den von Kaufleuten vorgegebenen Zahlen immer weniger in Deckung zu bringen sei, so Fölsch: „Durch die Abrechnungspauschalen drohen Patienten zu mehr oder weniger „lukrativen Fällen“ zu werden“. Es entwickle sich eine Kultur, die Pflege und Medizin nur als veräußerbares Produkt und Handelsware versteht. Dementsprechend fürchten auch fast 90 Prozent der Befragten, dass die Ökonomisierung des Gesundheitswesens negative Auswirkungen auf das Arzt-Patientenverhältnis habe. Dies gelte auch für die Erfolgsbeteiligungen, die 65 Prozent der ÄFK dementsprechend nicht wünschten.

Auf Basis dieser Daten möchte sich die DGIM in die weitere Ausgestaltung des Gesundheitswesens einbringen: „Die kaufmännische Seite muss die Pflicht haben, die Ärzte effizient in Entscheidungsprozesse einzubeziehen“, betont Fölsch. Fast die Hälfte der in der Studie Befragten meint auch, dass zwischen den beiden Bereichen keine partnerschaftliche Zusammenarbeit existiert. Und nicht zuletzt müsse Medizin vollumfänglich bezahlt werden, so der Internist: „Die Einnahmen müssen die Ausgaben decken, das ist aus meiner Sicht die einzige Lösung, um langfristig ein von Vertrauen geprägtes Verhältnis zum Patienten gewährleisten zu können.“

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  1. Den obigen Artikel kann ich aus meiner Erfahrung nur bestätigen.Meine Frau leidet an einem Pankreaskarzinom und wurde operiert.Die anschließende Chemotherapie und die jetzige Nachsorge durch eine niedergelassene Onkologin haben mich absolut enttäuscht.Die letzte Auswertung einer Sonographie-und CT-Untersuchung und des Blutbildes hat ganze 3 Minuten gedauert.Ein Vitamin D-Status von 9 bei Normwert 50-70 wurde überhaupt nicht beachtet.Hinweise und Fragen zu komplementären Therapien werden leider nur belächelt.(Sulforaphan)Gezwungenermaßen haben wir uns zu einer eigenen,nicht überwachten Zusatztherapie mit sek.Pflanzenstoffen,Vitaminen und Mineralstoffen sowie einer Ernährungsumstellung entschlossen.Bis jetzt ist alles gut,aber ärztliche Begleitung wäre gut.Aber die haben ja keine Zeit.
    MfG Reiner Kieschnick